ZDF überprüft Ansprüche gegen UEFA - TV-Panne verhindert Rekordquote

Bildstörung während der Übertragung des EM-Halbfinalspiels Deutschland-Türkei am Mittwoch. Foto: dpa
Bildstörung während der Übertragung des EM-Halbfinalspiels Deutschland-Türkei am Mittwoch. Foto: dpa

von
26. Juni 2008, 12:01 Uhr

Hannover - Die Fernsehpanne beim EM-Halbfinale Deutschland - Türkei hat möglicherweise ein juristische Nachspiel. Das ZDF überprüft derzeit, ob Ansprüche gegen die Europäische Fußball Union (UEFA) geltend gemacht werden können. Bei der Live-Übertragung am Mittwoch, die in Deutschland bis zu 32,74 Millionen Fans verfolgten, war das von der UEFA produzierte Weltbild in der zweiten Halbzeit mehrmals wegen eines Stromausfalls im International Fernsehzentrum (IBC) in Wien ausgefallen.

Die Panne könnte laut ZDF-Sportchef Dieter Gruschwitz einen deutschen TV-Rekord verhindert haben. Im Schnitt sahen 29,54 Millionen (81,8 Prozent Marktanteil) die dramatische Partie. Das bedeutet EM-Rekord und Platz zwei in der ewigen TV-Hitliste hinter dem Halbfinale Deutschland - Italien (29,66 Millionen) bei der Heim- Weltmeisterschaft 2006. Fans beim Public Viewing und türkische Zuschauer wurden bei der Ermittlung der TV-Quote nicht erfasst.

„Ich verstehe nicht, warum das Notstromaggregat in Wien nicht funktioniert hat“, erklärte Gruschwitz am Donnerstag zu der „ärgerlichsten anzunehmenden Panne“. Der Mainzer Sender hatte nach einem zweiten Stromausfall in Wien das Übertragungssignal des Schweizer Fernsehens SF1 übernommen, das zu dieser Zeit über eine Glasfaser-Direktverbindung aus dem Stadion in Basel als einziges noch verfügbar war.

Während des Bildausfalls hatte ZDF-Kommentator Béla Réthy die TV- Zuschauer wie ein Radioreporter per Telefonleitung auf dem Laufenden gehalten. Ton und Bild kamen zwischenzeitlich aber zeitversetzt an. Das zweite deutsche Tor von Miroslav Klose feierte Réthy bereits, als die Fernsehzuschauer den Ball noch gar nicht im Tor sahen.

Laut Gruschwitz haben sich alle anderen TV-Sender verpflichtet, das von der UEFA in Wien produzierte Signal zu übernehmen. Auch die von eigenen Kameras hergestellten ZDF-Bilder gehen über das IBC und waren von der technischen Panne betroffen. „Darüber wird noch zu reden sein“, sagte Gruschwitz.

Durch die Übernahme der Fernsehbilder von SF1 sahen die deutschen Zuschauer auch einen sogenannten Flitzer, der in Basel wie ein Rugbyspieler über den Platz lief und von Ordnungskräften zu Boden gerissen wurde. Bei einem ähnlichen Vorfall während der Partie Österreich - Kroatien hatte die UEFA die Szene in ihrem Weltbild-Angebot nicht gezeigt. TV-Kritiker sprachen danach von Zensur.

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen