Zahl der Toten bei Loveparade auf 21 gestiegen

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28. Juli 2010, 03:30 Uhr

Die Zahl der Toten bei der Loveparade in Duisburg hat sich auf 21 erhöht. Nach Angaben der Duisburger Staatsanwaltschaft erlag in der Nacht auf Mittwoch eine 25-jährige Frau ihren schweren Verletzungen. Erste Details der Ermittlungen wollte Nordrhein-Westfalens Innenminister Ralf Jäger am Nachmittag (15.00 Uhr) in Düsseldorf bekanntgeben. Unterdessen geraten der Organisator der Loveparade, Rainer Schaller, und Duisburgs Oberbürgermeister Adolf Sauerland (CDU) immer stärker unter Druck.

Die SPD-Stadtratsfraktion im Duisburger Rathaus erhob schwere Vorwürfe gegen Sauerland. Die Sozialdemokraten hätten sich bei den Vorbereitungen zur Loveparade schlecht informiert gefühlt, sagte der Geschäftsführer der SPD-Ratsfraktion, Uwe Linsen. „Wir mussten extra eine Sondersitzung einberufen, sonst hätten wir darauf gar keine Antwort erhalten“, fügte er hinzu. Die Duisburger Ratsfrau Elke Patz (SPD) beklagte, von Sauerland übergangen worden zu sein. Beim Thema Loveparade hätten Politik und Stadtrat nicht mitreden dürfen.

Das Bundesinnenministerium steht unterdessen einer Bündelung von Verantwortlichkeiten bei Großveranstaltungen offen gegenüber. Es sei nicht von der Hand zu weisen, dass es bei Veranstaltungen von der Größenordnung wie der Loveparade sinnvoll sein könne, „auf einer höheren Ebene“ zu einer gemeinsamen Prüfung und Entscheidung zu kommen, sagte ein Ministeriumssprecher.
Einem Bericht der „Süddeutschen Zeitung“ zufolge hält die NRW-Landesregierung Schaller als Veranstalter der Loveparade für die Katastrophe für verantwortlich. Seine Lopavent GmbH solle sich mehrfach über Bedenken der Behörden hinweggesetzt haben. Zudem habe der Veranstalter weniger eigene Ordnungskräfte eingesetzt als angekündigt und Vorschläge ignoriert, im Zugangsbereich eine Videoüberwachung zu installieren. Auch sei der Veranstalter von völlig falschen Berechnungen ausgegangen, wie sich die Besucherströme auf dem Festivalgelände verteilen.

Einziger Zugang zum Gelände war dem Bericht zufolge eine Rampe, zu der die Besucher aus zwei nur 16 Meter breiten Tunneln strömten. Dort sei die Massenpanik entstanden, bei der Menschen zu Tode kamen. Die vorläufige Ursachenanalyse der Behörden komme zu dem Schluss, dass sich die Besucher nach Betreten des Festivalgeländes nicht wie erwartet schnell von der Rampe entfernt und auf dem Areal des ehemaligen Güterbahnhofes verteilt hätten. Vielmehr sei es im Eingangsbereich zu einem Stau gekommen, der den Druck auf die nachströmenden Gäste weitergegeben habe.
Die Polizei habe den Veranstalter zuvor auf diese Problematik hingewiesen, hieß es in Polizeikreisen. Der Veranstalter habe aber lediglich geantwortet, es werde alles reibungslos ablaufen: „Wir haben da unsere Erfahrungen.“

Schaller wies indes Vorwürfe zurück, die Sicherheit bei der Loveparade vernachlässigt zu haben. Die Genehmigung sei erteilt worden. „Ohne diesen offiziellen Stempel hätten wir die Loveparade niemals stattfinden lassen“, betonte er.
Nicht nur der Direktor der Berufsfeuerwehr Duisburg, auch ranghohe Polizeibeamte haben dem Duisburger Oberbürgermeister vor der Loveparade offenbar schriftlich ihre Sicherheitsbedenken mitgeteilt.

„Auf allen Schreiben stand der Briefkopf Oberbürgermeister“, sagte ein Ermittler dem „Kölner Stadt-Anzeiger“ (Mittwochausgabe).

Sauerland hatte am Dienstag bestritten, entsprechende Warnungen erhalten zu haben.
Der Chef der Deutschen Polizeigewerkschaft, Rainer Wendt, wandte sich derweil gegen Berichte über Fehler der Polizei und forderte erneut den Rücktritt der politisch Verantwortlichen in Duisburg. „Der Oberbürgermeister und die politisch Verantwortlichen waren geradezu besessen von der Idee, die Loveparade in Duisburg zu veranstalten, dass sie die Warnsignale entweder nicht wahrgenommen oder beiseite geschoben haben“, sagte Wendt.

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