Yacht-Bauer im Strudel der Finanzkrise - SMG-Werft meldet Insolvenz

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04. Dezember 2008, 03:49 Uhr

Rostock/Greifswald/Hamburg - Die weltweite Wirtschafts- und Finanzkrise schlägt auf das Geschäft mit Luxus-Yachten durch. Mehrere Stornierungen und die insgesamt schleppende Auftragslage haben die Rostocker SMG-Werft gezwungen, Insolvenz anzumelden. „Die Belegschaft wurde bereits Anfang der Woche informiert“, sagte Vorstand Klaus Götsch am Donnerstag. In diesem und im kommenden Jahr rechne die SMG AG mit Umsatzeinbrüchen von bis zu 60 Prozent. 58 Beschäftigten sei gekündigt worden, weiteren 82 drohe der Verlust ihres Arbeitsplatzes. Erst Ende Oktober hatte der Greifswalder Konkurrent Hanseyachts AG 110 Mitarbeiter entlassen.

„Die ganze Branche ist jetzt dabei, Stellen abzubauen“, erklärte Götsch. Am Montag habe er die Aufnahme eines Insolvenzverfahrens für die SMG beantragt. Den Angaben zufolge klärte das Management kurz darauf den Betriebsrat über die Zahlungsunfähigkeit des Rostocker Yacht-Spezialisten auf.

Hauptgrund für die massiven Einnahmeausfälle seien nachträgliche Abbestellungen, sagte Götsch. Die Werft hatte sich vor drei Jahren auf den Bau exklusiver Luxus-Yachten spezialisiert. Entgegen früherer Planungen konnte das Unternehmen bislang jedoch nur vier Exemplare der ersten Baureihe verkaufen. „Wir hatten eigentlich vor, in diesem Jahr zehn solcher Schiffe auszuliefern.“

Eine weitere Yacht aus einer kleineren Serie stehe derzeit noch in der Werkshalle am Warnow-Ufer. Um trotz der Pleite möglichst viele Stellen zu erhalten, sei eine Umstellung vom Bau kompletter Yachten hin zu Wartungsdienstleistungen im Gespräch. Für ihre Ansiedlung hatte die SMG 2004 ein millionenschweres Förderprogramm des Landes Mecklenburg-Vorpommern in Anspruch genommen.

In der gesamten Branche bleibt die Lage angespannt. Bei der börsennotierten Hanseyachts AG in Greifswald wurde vor knapp sechs Wochen über die 110 Stellenstreichungen hinaus Kurzarbeit für die verbliebenen 550 Beschäftigten angeordnet. Die Nachfrage war laut einer Sprecherin extrem unsicher geworden, weil viele Kunden ihre Restzahlungen auf bereits bestellte Boote nicht mehr leisten konnten.

Beim deutschen Ableger des britischen Yacht-Herstellers Sunseeker in Hamburg können Entlassungen dagegen vorerst vermieden werden. „Bis zum September liefen die Geschäfte gut, danach waren sie aber stark rückläufig“, sagte Vertriebschef Frank Schlaack der dpa. „2009 muss die Branche den Gürtel deutlich enger schnallen.“

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