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Archäologen sind begeistert : Wrack im Yachthafen Hohe Düne

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Ein mittelalterliches Wrack im Yachthafen Hohe Düne wird in diesen Tagen von Forschungstauchern und Archäologen vermessen und dokumentiert. Das Schiff ist eines der ältesten, das je an der Ostseeküste gefunden wurde.

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erstellt am 01.Apr.2011 | 08:29 Uhr

Rostock | In der Marina der Yachthafenresidenz Hohe Düne haben die Sportboote weitaus mehr als ein paar Handbreit Wasser unter dem Kiel. Die schnittigen Yachten schaukeln über einem sensationellen Fund aus dem Mittelalter, einer versunkenen kleinen Kogge, die wohl um 1300 gebaut wurde. "Das Schiff war 100 Jahre nach der Rostocker Stadtgründung zur Blütezeit der Hanse unterwegs, aus dieser Zeit gibt es kaum Schiffsfunde", schwärmt Archäologe Kai Schaake. Gehoben wird das Wrack - eines der ältesten bisher an der Ostseeküste gefundenen - vorerst nicht, jedoch vermessen und dokumentiert.

Dafür müssen die Männer vom Landesverband für Unterwasserarchäologie nicht besonders tief tauchen. Knapp vier Meter unter der Wasseroberfläche liegt das Schiffswrack, wie etwas schief "eingeparkt" zwischen zwei Stegen. Die Arbeit, für die nur wenige Tage bis zum Beginn der Bootssaison verbleiben, ist dennoch schwierig. "Das Wasser hat nur drei Grad und die Sicht ist miserabel", erklärt Andreas Grundmann, bevor er sich in voller Tauchermontur ins eiskalte Wasser gleiten lässt.

"Das Schiff wurde wohl nach seiner Dienstzeit abgewrackt und im Schilfgürtel liegen gelassen", sagt Schaake. Gestrandet sei es eher nicht, darauf habe ein Trümmerfeld im Umkreis hingewiesen. Es wäre sogar eines der am besten erhaltenen Schiffe dieser Zeit gewesen, hätte ein Bagger bei Bauarbeiten für die Marina nicht einen großen Teil des Schiffsbodens herausgerissen.

Dieses Stück des Schiffes liegt mittlerweile zur Konservierung im Landesamt für Kultur und Denkmalpflege. Für die Archäologen war die Zerstörung ärgerlich, andererseits hätten sie ohne die Baggerarbeiten nichts von der Kogge gewusst. "Vorher sind wir mit einem Protonenmagnetometer über das Areal gefahren und haben nichts gesehen. Damit findet man sogar eingebuddelte Kronkorken", sagt Grundmann. Alle metallischen Teile des Schiffes seien mit den Jahrhunderten verrottet, "da schlägt eben nichts mehr an".

14 Meter lang und 3,20 Meter war das Schiff den Berechnungen zufolge. Gut zu erkennen ist die Bauart des Schiffsbodens: Die Planken sind exakt aneinander verlegt. Das gilt vielleicht auch für die Bordwände. Üblicherweise wurden hier Schiffsbretter überlappend verlegt, nicht jedoch bei dem Fund auf dem Grund der Marina, das wäre ein Novum für die damaligen Bootsbauweisen. Das Schiff war wohl ein kleineres Leichterfahrzeug, das die Waren von großen Koggen draußen auf See übernommen und in die Häfen transportiert hat.

Ohne die restlichen Planken zu entfernen, können die Männer keinen Blick ins Schiffsinnere werfen. Sie fanden zwar das Fragment einer Schweinerippe, ein paar Tonscherben und einen Backstein, "aber keine Schatzkiste", sagt Grabungstechniker Dirk Hering schmunzelnd.

"Im Inneren ist sowieso alles versandet und vermutlich auch schon von Generationen vor uns leergeräumt." Um ganz sicher zu gehen, müsste das Schiff geborgen werden, aber "wenn man es ausgräbt, ist es zerstört", sagt Hering.

So nehmen die Taucher nur Proben der Hölzer, zeichnen die Art der Beplankung und fotografieren sämtliche sichtbare Details. Zur exakten Vermessung hat Hering ein in der Geologie verwendetes Gerät, einen Trigomat, für den Unterwassereinsatz umgebaut. In ein paar Wochen will er so viele Daten sammeln, dass er damit ein dreidimensionales Bild der Kogge am Computer zeichnen kann.

Die Arbeit der Forschungstaucher wäre damit beendet. Zuletzt werden sie noch ein Tuch über den Fund ziehen, um ihn vor dem Schiffsbohrwurm Teredo Navalis zu schützen. Mit den Jahren wird das Wrack dann wieder versanden. "Vielleicht haben unsere Nachkommen noch ein paar schlaue Fragen und gute Technik und bergen die Kogge", sagt Hering. Bis dahin schaukeln weiterhin noble Yachten an den Stegen über dem Wrack.

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