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18. November 2017 | 05:50 Uhr

Wossidlo-Archiv geht online

vom

svz.de von
erstellt am 25.Jun.2010 | 07:49 Uhr

Stadtmitte | Ritterschlag für das Wossidlo-Archiv der Universität Rostock: Die mehr als zwei Millionen Dokumente werden in den kommenden drei Jahren auf Film gebannt und im Oberrieder Stollen bei Freiburg, dem nationalen Gedächtnis der Bundesrepublik Deutschland, eingelagert. Gleichzeitig wird das Archiv digitalisiert und somit für Jedermann zugänglich. Kostenpunkt: 900 000 Euro.

Der Hauptgrund für das Projekt liegt in der sicheren Aufbewahrung des Forschungsnachlasses von Volkskundler Richard Wossidlo (1859 bis 1939). "Jeder Archivleiter hat immer einen Brandkomplex", sagt Dr. Christoph Schmitt, Direktor des Instituts für Volkskunde. In dem Gebäude sind die Dokumente in rund 400 kleinen Kästen eingelagert. Meist handelt es sich dabei um lose, kleine Zettel, auf denen Wossidlo nur ein paar Stichpunkte aufgezeichnet hat. Manchmal hat er aber auch - mangels Papier - einfach auf die Manschettenknöpfe seiner Hemden geschrieben.

Ein weiterer Vorteil: Die Daten lassen sich digitalisiert leichter transportieren und Forschern in aller Welt zugänglich machen. Das in diesem Umfang bisher einzigartige Vorhaben stellt aber vor allem die Informationstechniker vor Herausforderungen. "Das Archiv ist bis in feinste Einheiten unterkategorisiert", sagt Schmitt. Es gebe unterschiedlichste Zugänge zu einem Stichwort, beispielsweise über die Landesgeschichte, die Glaubenswelt oder über Mensch und Natur. Und genau in diesen zahlreichen Querverweisen liegt das Problem: "Wir müssen spezielle Mechanismen erarbeiten", so Alf-Christian Schering vom Institut für Informatik der Universität Rostock. In ein bis eineinhalb Jahren sollen unter der Internetadresse www.wossidia.de erste Ergebnisse zu sehen sein. "Im dritten Jahr sollen die Nutzer ihre Forschungsergebnisse auch in das Archiv zurückfließen lassen können", sagt Schering. Ganz ähnlich zu der Internetenzyklopädie Wikipedia. Auch andere Archive, beispielsweise von Museen, sollen später an die "Wossidia" angedockt werden. Die in niederdeutsch verfassten Notizen sollen langfristig ins Hochdeutsche und Englische übersetzt werden, um ihnen noch mehr Aufmerksamkeit zu verschaffen.

"Hinsichtlich seiner Dichte, Themenbreite, Geschlossenheit, Systematik und vergleichsweise hohen Authentizität ist der Nachlass einzigartig", sagt Schmitt. Die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG), die die Aufsicht über die Einlagerungen in den Oberrieder Stollen inne hat, misst dem Archiv nationale Bedeutung zu. Neben einem drohenden Zerfall der Schriftstücke ist das die Voraussetzung für einen Platz in dem Stollen, der nur zweimal im Jahr geöffnet wird. Die 35 Millimeter-Silberhalogenidfilme, auf denen das Material abgelichtet wird, haben eine Haltbarkeit von 500 Jahren.

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