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Denkmäler: Das ehemalige Gericht am Schlefmarkt 2 in Schwerin : Wohnen über Gefängniszellen

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Sieben Familien wohnen heute im 1705 erbauten Schelfmarkt 2, wo im Jahr 1775 die ersten Richter ihre Urteile im ehemaligen Neustädtischen Gerichtshaus gefällt hatten.

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erstellt am 08.Apr.2011 | 10:28 Uhr

Schelfstadt | Sieben Familien wohnen heute im 1705 erbauten Schelfmarkt 2, wo im Jahr 1775 die ersten Richter ihre Urteile im ehemaligen Neustädtischen Gerichtshaus gefällt hatten. Der "Schelfvogt", ein landesherrlich bestellter Stadtrichter, wohnte, richtete und leitete dort die Neustädter Amtsgeschäfte. Damals wie heute heißt eine Malerei an der Treppenunterseite, die Andromeda und Perseus mit dem abgeschlagenen Haupt der Medusa zeigt, Eintretende willkommen. Die derzeitigen Mieter steigen wie der "Schlefvogt" über eine doppelläufige Treppe mit spätbarocken Schnitzereien am Geländer in die erste Etage. Im Keller wurden im Jahr 1796 im damals angebauten Seitenflügel zwei Gefängniszellen eingerichtet.

Aus Gerichtsgebäude wurde Schule für 300 Kinder

Als sich Alt- und Neustadt im Jahr 1832 vereinigten, verlor der Schelfmarkt 2 seine Funktion als Gerichts- und Verwaltungsgebäude. Erstmals dienten die historischen Mauern ausschließlich zum Wohnen. Doch schon im Jahr 1852 stufte der damalige Bürgerausschuss das Gebäude dazu ein, dass es "in seiner umfangreichen und werthvollen Lage zu öffentlichen Zwecken vorteilhafter wird zu verwenden sein". Dreizehn Jahre später richtete Maurermeister Heinrich Grüder hier die Erweiterung seiner Baugewerbschule ein - allerdings nur für vier Jahre. Doch der erste Schritt war gemacht und der Schweriner Schulvorstand brachte einige Klassen der überfüllten Bürgerknabenschule am Schelfmarkt 2 unter. Zum Teil lernten dort täglich bis zu 300 Kinder.

Doch der Schulbetrieb endete im Jahr 1887, als das Büro des Bauamtes für Kanalisation und Wasserversorgung ins obere Geschoss einzog. Es folgten das Standesamt, die Armenkasse, weitere Behörden und schließlich 1920 die städtisch e Polizeiwache. Das Bauamt nahm allerdings nach und nach bis zu seinem Auszug 1998 das gesamt Gebäude ein.

Nach den vielfältigen Nutzungen der vergangenen 200 Jahre kaufte schließlich Randy Sämrow das damals sanierungsbedürftige Gebäude im Jahr 2005 von der Landeshauptstadt. Eine der vielen Auflagen für ein denkmalgeschützes Gebäude der Stadt: keine Prostitution und kein Spielbetrieb. Mehr als eine Million Euro hat Sämrow inzwischen investiert, bis sieben Wohnungen am Schelfmarkt 2 entstanden.

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