Schwerin: die ehemalige Apotheke am Schelfmarkt 1 : Wohnen im alten Krankenhaus

Historisches Gebälk: Im entstehenden Wohnraum wird die hölzerne Dachkonstruktion  geschichts trächtiges Flair verbreiten. Juliane Haendschke
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Historisches Gebälk: Im entstehenden Wohnraum wird die hölzerne Dachkonstruktion geschichts trächtiges Flair verbreiten. Juliane Haendschke

Während im Fachwerkflügel schon gewohnt wird, herrscht im Hauptteil noch Baulärm. Unter Regie des Schweriner Architekten Bunnemann entstehen in dem um das Jahr 1740 errichteten Gemäuer Wohnungen.

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26. Mai 2011, 11:14 Uhr

Während im Fachwerkflügel der ehemaligen Apotheke am Schelfmarkt 1 schon gewohnt wird, herrscht im Hauptteil des Gebäudes noch Baulärm. Unter der fachkundigen Regie des Schweriner Architekten Ulrich Bunnemann entstehen in dem um das Jahr 1740 errichteten Gemäuer neun Wohnungen mit einer Größe von bis zu 160 Quadratmetern. "Bunnemann ist ein erfahrener Sanierer alter Bausubstanz", sagt Stefan Schlick, stellvertretender Leiter des Liegenschaftsamtes. Im vergangenen Jahr hatte die Landeshauptstadt das Gebäude an ein Ehepaar aus Witzhave im schleswig-holsteinischen Kreis Stormarn verkauft. "Wir haben das Gebäude zunächst entkernt und sind jetzt beim Innenausbau angelangt", sagt Bunnemann. Die alte Bausubstanz werde komplett erhalten.

Rückblick: Im Jahr 1740 wird ein zweigeschossiges Fachwerkhaus in der noch selbstständigen Neustadt der Schelfe erbaut - in bester Lage direkt am Marktplatz. Das zunächst fünfachsige Haus wird 1752 um weitere fünf Achsen nach Norden hin erweitert. Ein Walmdach wird aufgesetzt und ein Fachwerkflügel angebaut. Die Dachgauben zum Schelfmarkt hin und eine Aufzugsgaube folgen im Jahr 1781. Das Fachwerk wechselt im 19. Jahrhundert mehrmals den Besitzer. Zunächst gehört es einem Hofmarschall von Bülow, zwischen 1827 und 1869 der Geheimrätin Ina von Piessen, Ehefrau des Oberkammerherren von Piessen. Deren Erben verkaufen es dann an den Gutsbesitzer Ludwig Distel. In den 1890er-Jahren erwirbt die großherzogliche Landesregierung das Haus und übergibt es an den Marien-Frauen-Verein. Fortan leben dort sechs Diakonissinnen gemeinsam mit einer Oberin, richten eine Krankenstation mit einem Operationssaal und sogar eine Isolierstation ein und beginnen Krankenpflegerinnen auszubilden. In den kommenden Jahren entwickeln die Schwestern Marien die Einrichtung zu einem Krankenhaus. Der Schweriner Architekt Gustav Hamann plant einen Erweiterungsbau, der zu Beginn des Ersten Weltkrieges als Lazarett genutzt werden konnte. Im Dezember 1946 nimmt in der Röntgenstraße Schwerins erste Poliklinik ihren Betrieb auf - bis ins Jahr 1990. Unterdessen zieht in den 1960er-Jahren in die Schelfstraße 1 eine Apotheke ein. Doch seit 2004 steht das Haus leer. Die vielfältige Nutzung des ehrwürdigen Gebäudes überstanden einige Räume aus der Barockzeit ohne großen Schaden. Restauratoren setzen zurzeit Elemente wie Böden, Decken und Türen wieder instand. Endes des Jahres soll alles fertig sein, damit dort, wo vor Jahren noch Medikamente über den Ladentisch gingen, bald neues Leben einziehen kann.

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