Wohin steuern die Kanuten?

Das Sternberger Seenland entwickelt sich immer mehr zu einem Eldorado für Kanuten. 15 professionelle Kanuanbieter sind hier mittlerweile tätig. Wohin steuert dieser Tourismuszweig? Wie lässt er sich mit dem Naturschutz vereinbaren? Darum drehte sich gestern eine Gesprächsrunde in Blankenberg.

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01. April 2008, 07:00 Uhr

Blankenberg - Schon bevor es den Naturpark Sternberger Seenland gab, hatte der Alt Nechelner Naturschützer Peter Wilhelm Lindemann Diskussionsrunden mit Kanuanbietern im Sternberger Land ins Leben gerufen. Dabei ging es um die Frage: Wie lassen sich der zunehmende Bootstourismus und der Naturschutz vereinbaren?

Mittlerweile läuft darüber jeweils vor Saisonbeginn eine Diskussionsrunde unter Leitung der Naturparkverwaltung Sternberger Seenland. Zur gestrigen im Gemeindehaus in Blankenberg waren neun von 15 Kanuanbietern, die im Naturpark arbeiten, angereist.

Warnow bleibt bei Klein Raden gesperrt
Naturparkchef Volker Brandt hatte zunächst eine Hiobsbotschaft parat: Die Warnow bleibt in der kommenden Saison wie bereits im Vorjahr in Höhe von Klein Raden gesperrt. Bereits in der Saison 2007 war der Bau der Eisenbahnbrücke an der Warnow das größte Problem, so Brandt. Die Wasserwanderer mussten bei Klein Raden die Boote aus dem Wasser holen, um sie in Eickhof wieder einzusetzen. Eigentlich sollte die Arbeiten bis 31. Mai diesen Jahres abgeschlossen sein. Es gab sogar bereits Meldungen, dass die Warnow früher wieder passierbar ist. Doch nach jüngsten Informationen, die Volker Brandt einholte, wird noch bis Herbst an der Eisenbahnbrücke gebaut. Und bis dahin bleibt die Durchfahrt auch gesperrt.

Reparaturen nötig an den Ein- und Aussatzstellen
Zum Umsetzen der Kanus legte der Baubetrieb im vergangenen Jahr eine Aussatzstelle bei Klein Raden an. Es gibt inzwischen genug Ein- und Aussatzstellen im Sternberger Seenland, schätzt Volker Brandt ein. Am Wehr bei Sternberger Burg sei noch eine nötig. Allerdings erweisen sich viele der Bauten als reparaturbedürftig. Sie wurden teilweise an das Ufer gebaut, ohne es fachgerecht zu befestigen.
Auch die vom Naturpark im Vorjahr angelegte Aussatzstelle bei Karnin ist völlig vom Wasser der Warnow umspült. Hier muss das Ufer weiter befestigt werden. „Wir müssen Fachfirmen heran holen“, so Volker Brandt.

Bessere Orientierung für Wasserwanderer
Die Naturparkverwaltung versucht, die Orientierung für die Wasserwanderer zu verbessern. In Karnin gibt es die erste Hinweistafel speziell für Wasserwanderer, an der sie u. a. Informationen über Rast- und Zeltplätze an der Warnow und über die Natur erhalten.
Im Raum Feldberg sind entlang aller Wasserwanderwege Tafeln mit dem Flusslauf und vielen wichtigen Informationen montiert. Das könnte ein Modell für das Sternberger Seenland sein, meinte Volker Brandt. Ebenso wie die in der Feldberger Seenlandschaft gebräuchlichen Hinweise, bestimmte Flussläufe nicht unter einem bestimmten Pegel zu befahren.

Als schnelle Orientierungshilfe schlug Kanuanbieter Wolfgang Klein aus Sternberger Burg vor, am Neddersee bei Nutteln ein Schild aufzustellen, um Wasserwanderer davon abzuhalten, den Lauf der Alten Warnow und eine neue Fischtreppe hinunter zu paddeln. Wolfgang Klein machte zudem auf eine für Kanuten gefährliche ungenutzte Eisenbrücke über die Warnow bei Eickelberg aufmerksam.
Wie viele Kanuten verträgt die Warnow?Der Kanu-Tourismus entlang der Warnow nimmt von Jahr zu Jahr zu. Wie viele Boote kann der Fluss eigentlich verkraften? Auch darüber wurde gestern in Blankenberg diskutiert.

Möglicherweise gibt in den nächsten Jahren Einschränkungen für die Kanuten. Demnächst wird ein so genannter FFH-Managementplan für die Warnow erstellt. Es geht darum, den Lebensraum zu erhalten. Problematisch ist beispielsweise, dass der Bestand der geschützten Bachmuschel in den vergangenen zehn Jahren um fast 80 Prozent gegangen ist.

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