Wo liegen die KZ-Opfer?

1971 wurden bereits die Gebeine von 577 getöteten Juden in der Nähe von Jamlitz  gefunden.
1971 wurden bereits die Gebeine von 577 getöteten Juden in der Nähe von Jamlitz gefunden.

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08. Mai 2008, 08:04 Uhr

Cottbus/Potsdam dpa Ein entsprechender Antrag des Amtes Lieberose/Spreewald sei abgewiesen worden, teilte das Gericht gestern mit. Damit wurde die Entscheidung des Amtsgerichtes Guben bestätigt. In Jamlitz (Dahme-Spreewald) befand sich bis 1945 ein Außenlager des Konzentrationslagers Sachsenhausen.

Auf dem Grundstück vermuten Historiker die sterblichen Überreste von 400 bis 700 jüdischen KZ-Häftlingen vorwiegend ungarischer Herkunft, die im Februar 1945 ermordet wurden. Der in Süddeutschland lebende Grundstücksbesitzer hatte Suchgrabungen untersagt. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig.

Brandenburgs Innenminister Jörg Schönbohm (CDU) bedauerte die Gerichtsentscheidung. Er sei maßlos enttäuscht darüber, dass damit keine Klarheit über den Verbleib „hunderter Mordopfer der Nazis“ geschaffen werden könne, äußerte der Minister in einer Stellungnahme. Kulturministerin Johanna Wanka (CDU) sagte: „Ich bin fassungslos.“ Die Wirkung dieses Urteils sei auch mit Blick auf die Angehörigen fatal.

Das Innenministerium sowie die zuständige Amtsgemeinde hatten dem Grundstücksbesitzer zahlreiche Angebote gemacht, um Grabungen nach den Toten zu ermöglichen. Sie blieben jedoch erfolglos. Für die Landesregierung sei es ein „tiefes menschliches und aus der historischen Verantwortung wichtiges politisches Anliegen, den bisher unbekannten jüdischen Opfern eine würdevolle Totenruhe und ihren Angehörigen nach Jahrzehnten der Ungewissheit ein Gedenken zu ermöglichen“, sagte Schönbohm.

Das Landgericht würdigte in dem Beschluss zwar das Anliegen des Amtes. Soweit die Suche in fremde Rechtsgüter eingreife, müsse sie jedoch rechtsstaatlichen Anforderungen genügen. Das Grundstück falle unter den grundgesetzlich geschützten Wohnungsbegriff. Es gebe keine gesetzliche Grundlage für eine Verpflichtung des Besitzers, eine Durchsuchung des Grundstücks zu dulden.

Das Außenlager des KZ Sachsenhausen in Jamlitz nördlich von Cottbus war 1943 eingerichtet worden. Die jüdischen Gefangenen kamen zur Zwangsarbeit aus dem Vernichtungslager Auschwitz-Birkenau. Bis zu 10 000 jüdische Häftlinge aus zwölf europäischen Ländern durchliefen das Lager. Im Februar 1945 schickte die SS etwa 1500 Häftlinge auf einen Todesmarsch. Weitere 1342 Gefangene wurden nach Angaben der Stiftung Brandenburgische Gedenkstätten erschossen.

Die Gebeine von 577 Getöteten wurden 1971 in der Nähe von Jamlitz in einer Kiesgrube gefunden und eingeäschert. Von den restlichen rund 700 Toten fehlt jede Spur. Bisher wurden von den Verdachtsflächen alle bis auf das Privatgrundstück in Jamlitz ergebnislos durchsucht.

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