Wo es in Rostock immer wieder kracht

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17. April 2008, 09:11 Uhr

Rostock - Rudolf Lazar ist der Herr der bunten Stecknadeln. Jeden Arbeitstag versieht der Polizeioberkommissar eine überdimensionierte Stadtkarte Rostocks mit neuen Farbtupfern. Der Spaß an der Arbeit vergeht ihm allerdings, wenn er die dicken roten Stecknadeln anheften muss. Sie stehen für die Verkehrstoten eines Jahres. Sieben musste der Chef für die polizeiliche Verkehrsüberwachung im vergangenen Jahr melden. Immerhin: Zwei weniger als noch im Vorjahr. Vielen Rostockern ist noch das ältere Ehepaar in Erinnerung, das in der Faulen Straße niedergefahren wurde.

Insgesamt krachte es 2007 auf Rostocker Straßen 5718-mal – 300-mal oder 5,8 Prozent häufiger als im Vorjahr. Für Lazar ist das lediglich eine „statistische Zufälligkeit“, keine Tendenz. Vor acht Jahren vermeldete die Polizei noch rund 7200 Verkehrsunfälle. „Wir pendeln uns jetzt zwischen 5500 und 6000 ein“, sagt Lazar. Meistens sind es harmlose Parkunfälle, Blechschäden. 999 Verletzte musste die Polizei melden, 83 davon schwer. Auch diese Zahlen sind leicht ansteigend. Positiv: Kinder, Radfahrer und Fußgänger sind im vergangenen Jahr wesentlich seltener „unter die Räder gekommen“.

40 000 Fahrzeuge über Holbeinplatz und L 22

Die Unfallschwerpunkte sind seit Jahren die gleichen. Den traurigen Unfallrekord hält der Holbeinplatz. Hier fahren täglich bis zu 40 000 Fahrzeuge „über eine verschlissene Trasse mit Spurrinnen“, wie Lazar sagt. Karambolagen sind da eine Frage der Zeit. Weiterer Unfallschwerpunkt ist die gesamte L 22, insbesondere mit den Kreuzungen Rövershäger Chaussee/Verbindungsweg und dem Schutower Kreuz.

Am Deutschen-Med-Platz kracht es häufig, ebenso am Schmarler Damm/Marieneher Straße. Die Bäderstraße in Richtung Graal-Müritz liegt da statistisch weit zurück. Hier passieren allerdings viele schwere Unfälle. Ähnliches gilt für die Stadtautobahn. Während die Polizei in vielen Fällen machtlos zusehen muss, konnte sie hier erfolgreich handeln. In Höhe der Güstrower Straße wurde das Tempo von 80 auf 60 Kilometerstunden reduziert. Dazu kam immer wieder die Blitzertonne zum Einsatz. Ergebnis: Während die Polizei an dieser Stelle vor zwei Jahren vier Schwerverletzte und sogar einen Toten registrieren musste, bleibt es heute in der Regel bei Blechschäden.

Eine wesentliche Verschlechterung oder Verbesserung der Unfallzahlen haben die großen Baumaßnahmen des vergangenen Jahres nicht gebracht. Die wenigen Parkplatzunfälle bei Ikea sind der Rede nicht wert. Die neue Verbindungsstraße zwischen Schröderplatz und Am Strande ist „geradezu selbstverständlich“ zum Unfallschwerpunkt geworden, wie jede Kreuzung auf der L 22.

Gerne würde Lazar weniger Stecknadeln an die Stadtkarte heften. Doch dafür müssten zwei Wünsche wahr werden, die dem Polizeioberkommissar allerdings niemand erfüllen wird. Mehr Geld für Straßensanierungen und Kontrollen sowie Rostocker, die sich ans Tempolimit halten.

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