Wittenberge: Bahn möchte die Verantwortung für Radler und Fußgänger den Kommunen geben

svz.de von
17. April 2008, 06:11 Uhr

Wittenberge - Die Bahn kündigt an, dass mit der „bislang mehr oder weniger geduldeten Nutzung“ Schluss sein soll. Natürlich könnten weiterhin Fußgänger und Zweiradfahrer die Brücke queren, aber nicht in Verantwortung der Bahn. Der Konzern habe den Anliegerregionen angeboten, „den Weg in öffentliche Verwaltung mit allen daraus resultierenden Konsequenzen zu nehmen“, erläutert Bahnsprecher Burkhard Ahlert.

Zu Gesprächen haben sich die Landkreise Stendal und Prignitz sowie die Stadt Wittenberge mit Bahnvertretern getroffen. Nun erwarten die Konzernvertreter bis Anfang Mai die Antwort auf ihr Angebot. Willigen die kommunalen Körperschaften nicht ein, „wird die Bahn AG die geduldete Nutzung unterbinden“.

Der Bahnsprecher begründet: „Es handelt sich um eine Eisenbahnbrücke, der Weg wird für Inspektions-, Wartungs- und Instandhaltungsarbeiten an der Brücke und an den Gleisen vorgehalten .“ Er sei nie als öffentliche Wegung deklariert worden.

Sollte der Bahnkonzern sich nicht mit den Landkreisen und/oder der Stadt Wittenberge einigen, dann bedeutet das für Leute wie Manfred Diehl ein Riesenproblem. Der Mann aus Eickerhöfe (in der Altmark gleich hinterm Deich gelegen) fährt mit dem Fahrrad mehrmals die Woche über die Eisenbahnbrücke, „wenn ich in der Stadt was zu erledigen habe“. „Und ich kenne mehrere Leute hier bei uns, die hier täglich zur Arbeit ’rüber fahren. Sollen die denn alle den Umweg über die Straßenbrücke machen? Ich denke, das hier ist ein richtiger Weg.“

Genau das ist der Knackpunkt. Die Bahn verweist zwar auf Wittenberger Seite an der Auffahrt zur Eisenbahnbrücke darauf, dass es sich um eine Bahnanlage handle und man auf eigene Gefahr unterwegs ist. Stimmt das aber auch ?

Wittenberges Stadtspitze sieht den Sachverhalt völlig anders. Für sie gibt es keinen Zweifel: Der extra Weg neben den Schienen ist als Fuß- und Radweg konzipiert worden, als die neue Eisenbahnbrücke in den 80er Jahren entstand.

Lässt sich das belegen, dann dürfte die Bahn schlechte Karten haben. Denn der Paragraf 48 der Brandenburgischen Bauordnung besagt, dass alle öffentlichen Wege nach der Straßenverordnung der DDR heute als gewidmet gelten, und das unabhängig von der Eigentumsform.

Gestern waren Wittenbergers stellvertretender Bürgermeister Dr. Oliver Hermann und der Chef des hiesigen Rechtsamtes Gotthardt Poorten zur Klärung der rechtlichen Positionen in dieser Angelegenheit nach Berlin unterwegs. Das letzte Wort ist also noch nicht gesprochen. Und es drängt sich eine Frage au f, nämlich die, wieso die Bahn nach jahrzehntelang Duldung nun mit der Wegschließung droht, sollten die Kommunen nicht in die Verantwortung gehen.

Eine offizielle Antwort darauf gibt es bis jetzt nicht. Die Erklärung mag aber darin liegen, dass der Konzern im vergangenen Jahr nach massiven Beschwerden über den Zustand der Holzbeplankung auf dem Brückenweg zu umfangreichen Reparaturen gezwungen war. Wer keinen Weg besitzt, muss nicht reparieren lassen und zahlen.

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen