Grenzhus Schlagsdorf : Wissenschaftler erinnern an Grenztote

<fettakgl>Nicole und Michaela Schnoor </fettakgl>vom Schlagsdorfer Grenzhusteam halten Minen in ihren Händen. 20 Gramm Sprengstoff befanden sich einst in den Minen, um DDR-Flüchtlinge zu verletzen oder in den Tod zu reißen. <foto>Michael Schmidt</foto>
Nicole und Michaela Schnoor vom Schlagsdorfer Grenzhusteam halten Minen in ihren Händen. 20 Gramm Sprengstoff befanden sich einst in den Minen, um DDR-Flüchtlinge zu verletzen oder in den Tod zu reißen. Michael Schmidt

Das Grenzhus in Schlagsdorf will sich noch stärker der Aufarbeitung ungeklärter Todesfälle an der ehemaligen Grenze widmen. Morgen werden bei einer Tagung Einzelschicksale von getöteten Personen vorgestellt.

svz.de von
21. März 2013, 10:43 Uhr

Das Grenzhus in Schlagsdorf will sich künftig noch stärker der Aufarbeitung ungeklärter Todesfälle an der ehemaligen innerdeutschen Grenze widmen. So veranstaltet es morgen die Tagung "Todesopfer an der innerdeutschen Grenze" im Rahmen der Sonderausstellung über Michael Gartenschläger. Dabei stellen Fachleute Einzelschicksale von getöteten Personen vor, berichten über die Erfahrungen aus dem Projekt zur Dokumentation der Berliner Mauertoten und ihre Konsequenzen für die Gedenkstättenarbeit und diskutieren die Arbeit der Zentralen Erfassungsstelle in Salzgitter. Im Rahmen der Tagung wird zum ersten Mal in Norddeutschland der Film "Das Archiv des Unrechts. Die Zentrale Erfassungsstelle in Salzgitter" (2012) gezeigt.

Die Grenze hatte nicht nur Deutschland geteilt und Familien auseinandergerissen, sondern hier trafen zwei gegensätzliche politische Systeme aufeinander. Als die DDR mit dem Umbau der Gesellschaft nach sowjetischem Vorbild begann, enteignet und politisch gesäubert wurde, schnellte die Zahl der Flüchtenden dramatisch in die Höhe. Die SED-Führung zog mit der Abriegelung der innerdeutschen Grenze 1961 die Notbremse und sorgte für einen abschreckenden Ausbau der Grenzsperranlagen. Dennoch versuchten Jahr für Jahr hunderte Menschen über die Grenze nach Westdeutschland zu flüchten.

Die Mehrheit von ihnen verhafteten Volkspolizei, Bahnpolizei und Staatssicherheit bereits im Vorfeld, doch eine Minderheit drang bis zu den Grenzanlagen vor. Eine bis heute nicht genau bekannte Zahl von Menschen wurde durch Angehörige der DDR-Grenztruppen erschossen, sie fielen den Minenfeldern oder den Splitterminen am Grenzzaun zum Opfer. Mancher Flüchtling kam ums Leben, weil er schwimmend die Elbe, den Schaalsee oder die Trave überwinden wollte. Aber auch Angehörige der DDR-Grenztruppen kamen aus unterschiedlichen Gründen ums Leben, bei Unfällen oder durch Angriffe von Flüchtlingen. Zu den Opfern gehören auch einige wenige Bürger der Bundesrepublik oder anderer Staaten, die an der innerdeutschen Grenze erschossen wurden. Einer der spektakulärsten Fälle war die Tötung von Michael Gartenschläger, der 1976 erschossen wurde, als er zum dritten Mal einen Selbstschussapparat vom Grenzzaun abbauen wollte.

Die DDR hatte kein Interesse an der öffentlichen Aufklärung dieser Todesfälle, es sei denn, die Fälle ließen sich propagandistisch für die Politik der SED instrumentalisieren. Dazu gehörten die ums Leben gekommenen Angehörigen der Grenzpolizei bzw. Grenztruppen. In der Regel wurde verschleiert und verschwiegen.

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