Wird der geplante FKK-Flug von Erfurt nach Usedom eine Luftnummer?

svz.de von
07. April 2008, 07:48 Uhr

Erfurt/Usedom - „Haben in diesem Flugzeug vorher FKK-Anhänger gesessen?“ Diese Frage von anderen Passagieren, die darüber die Nase rümpfen könnten, möchte sich die Fluggesellschaft Ostfriesische Lufttransport (OLT) ersparen. „Wir haben kleine Charter-Maschinen, die vor allem Geschäftsleute und Sportler nutzen – darunter die halbe Fußball-Bundesliga“, sagt Verkaufsleiter Reinhold Beekhuis. Und dabei soll es auch bleiben. OLT will das freizügige Angebot von „OssiUrlaub.de“ aus Erfurt deshalb lieber nicht unterstützen und hat auf einen Vertragsabschluss verzichtet. „Obwohl wir nichts gegen FKK-Flüge haben“, betont Beekhuis.

„Die haben wohl kalte Füße ob des großen öffentlichen Interesses bekommen“, mutmaßt hingegen der Chef des Thüringer Reisebüros, Enrico Heß. Demnach hatte es Anfragen aus der ganzen Welt gegeben. Innerhalb weniger Tage nach der Ankündigung war der erste deutsche Nacktflug von Erfurt nach Usedom am 5. Juli ausgebucht. 55 FKK-Freunde freuten sich darauf, für 499 Euro hüllenlos über den Wolken zu schweben. Darunter nicht nur Ostdeutsche, bei denen die Freikörperkultur eine besondere Tradition hat, wie Produktmanagerin Sandra Köhler von „OssiUrlaub.de“ hervorhebt. Auch bei OLT sei die Anfrage zunächst auf Interesse gestoßen.

Nach der Absage ist der hüllenlose Tagesausflug jedoch gefährdet. Bislang konnte keine Ersatzmaschine gefunden werden. Das Reisebüro befinde sich allerdings noch in Verhandlungen mit mehreren Fluggesellschaften, sagt Sandra Köhler. Sie gibt sich optimistisch: „Der Flug soll stattfinden.“ Er bleibe dann aber ein einmaliges Angebot, eine Wiederholung sei nicht geplant. Also doch nur ein PR-Gag? Die Produktmanagerin widerspricht: „Die Verhandlungen kosten einfach zu viel Zeit und sind nicht einfach.“

Schließlich gelten bei einem FKK-Flug spezielle Regeln. So dürfen keine heißen Getränke ausgeschenkt werden und die Sitze müssen wegen der Hygiene abgedeckt sein – zum Beispiel mit Handtüchern oder Wechselauflagen. Außerdem dürfen die Fluggäste erst nach dem Start die Hüllen fallen lassen und müssen sich vor der Landung wieder ankleiden. Die Freiheit über den Wolken ist eben doch nicht grenzenlos – nicht mal bei einem Nacktflug.

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