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Mecklenburg-Vorpommern : Wirbel um Abbau der Förderschulen

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Nicht allein der Lehrermangel lässt Eltern, sowie Lehrer auf die Barrikaden gehen. Auch um Förderschulen, denn bereits seit diesem Schuljahr gibt es keine ersten Klassen mehr an den Förderschulen.

svz.de von
erstellt am 03.Jan.2011 | 10:42 Uhr

Gadebusch | Nachdem in Schönberg Schulleiterin Petra Schwermer-Brokopp den Dienst aufgrund der misslichen Lage innerhalb der Bildungslandschaft in Mecklenburg-Vorpommern quittierte, meldet sich Mecklenburg-Vorpommerns Bildungsminsiter Henry Tesch zu Wort und räumt Qualitätsmängel an den weiterführenden Schulen im Land ein.

Lehrer, Eltern und vor allem auch die Schüler selbst beklagen, dass es immer wieder zu Unterrichtsausfällen kommt, denn im Land gibt es nicht genügend Lehrkräfte. An der Grundschule in Carlow mussten kürzlich zwei Lehrerinnen vier Grundschulklassen mehrere Wochen lang alleine unterrichten, bis eine Vertretung für die erkrankte Lehrerin eingesetzt wurde (SVZ berichtete). Aber nicht allein der Lehrermangel lässt die Eltern sowie Lehrerinnen und Lehrer auf die Barrikaden gehen. Es gehe um Grundlegendes: Angefangen bei den Förderschulen. Bereits seit diesem Schuljahr gibt es keine ersten Klassen mehr an den Förderschulen im Land - und am Abbau der Förderschulen wolle Bildungsminister Henry Tesch weiterhin festhalten.

Auch an der Gadebuscher Heinrich-Heine-Regionalschule sind in diesem Jahr bereits einige Kinder mit Lernschwächen, so genannte L-Kinder, in die Grundschulklassen eingeschult worden. Noch gibt es die Diagnostik-Klassen, in der die lernschwächeren Kinder probe-beschult werden. Ab kommenden Schuljahr bricht auch dieses System weg, dann werden die Kinder in die Grundschulklassen eingeschult. Gadebuschs Schulsozialarbeiterin Judith Keller sieht den Systemwechsel sehr kritisch: "Wir haben für das kommende Jahr an unserer Schule sehr viele Anmeldungen für die ersten Klassen. Und wenn dann L-Kinder, die mehr gefordert werden müssen, in diesen Klassen sind, sehe ich das alles zusammenbrechen. Unsere Grundschullehrer sind keine Sonderschulpädagogen."

Die Schulsozialarbeiterin ist nicht alleine, die gegen den Abbau der Förderschulen ist. Auch Kinderärzte warnen davor, Kinder mit Lernbehinderungen in normale Schulen zu stecken. "Für mich ist es eher eine Diskriminierung, wenn man die Kinder gleich dem Misserfolg aussetzt, als wenn man sie stabilisiert und dann in die anderen Schulen schickt. Und das, was jetzt begonnen wird, läuft für mich auf eine Diskriminierung von Anfang an hinaus", sagt Dr. Manfred Otto, Kinderarzt in Gadebusch. Der Mediziner bezieht sich auf die UN-Konvention aus dem vergangenen Jahr, die besagt, dass Menschen mit Behinderungen nicht diskriminiert werden dürfen. Diese Konvention nahm Tesch zum Anlass, dass Schulsystem zu verändern und die Förderschulen langsam abzubauen, um inklusive Schulen zu schaffen. "Mittlerweile glaube ich, dass Inklusion bedeutet, dass wir langsam von Innen explodieren", so Schulsozialarbeiterin Keller. Sie fordert, dass in den kommenden Jahren keine neuen Gesetze geschaffen werden, sondern die Lehrer endlich ihre Arbeit machen dürfen. Am liebsten wäre es ihr, wenn der Abbau der Förderschulen rückgängig gemacht würde.

Auch Kinderarzt Manfred Otto würde sich dafür einsetzen. "Wenn eine Unterschriftenaktion vom Kreiselternbeirat gestartet wird, bin ich dabei - keine Frage."

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