„Wir wollen etwas verändern“

Gestern streikten in Rostock Schüler aus ganz Mecklenburg-Vorpommern für eine bessere Bildungspolitik. Auch Schüler aus Güstrow reihten sich ein und wollten ein Zeichen setzen.

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12. November 2008, 09:35 Uhr

Rostock/Güstrow - Seit Wochen arbeiteten Schüler mit Gewerkschaften und Nichtregierungsorganisationen an der Vorbereitung eines bundesweiten Schülerstreiks. Ein Aktionskomitee für Mecklenburg-Vorpommern hatte sich bereits Anfang Juni gegründet und Forderungen formuliert. Viele Schüler hatten und haben Kritikpunkte am derzeitigen Bildungssystem und trugen ihre Proteste nun erstmals öffentlich zur Schau.

Proteste an Bildungspolitik öffentlich gemacht
„Wir möchten, dass endlich mal was passiert“, so Mitorganisatorin Johanna Jaspersen. In Mecklenburg-Vorpommern fanden gestern in Rostock, Stralsund und Schwerin Demonstrationen statt, und auch Schüler aus Güstrow wollten ihrem Frust Luft machen. „ Wir wollen kleinere Klassen , damit besser auf den Einzelnen eingegangen werden kann“, so die 18-jährge Stefanie Albrecht aus der 12. Klasse des John-Brinckman-Gymnasiums, die gestern in Rostock dabei war.
Die Schüler forderten mehr Lehrer, kleinere Klassen, eine größere individuelle Förderung und eine Mitgestaltungsmöglichkeit des Unterrichts. Außerdem sollen die Kopfnoten und das „Turbo-Abi“ wieder abgeschafft und die ländlichen Schulen erhalten werden.

Mehr auf Bedürfnisse des Einzelnen eingehen

„Derzeitig ist es in der Schule doch meist so, dass die starken Schüler sich langweilen, während die schwachen nicht in der Lage sind, dem Unterricht zu folgen. Lehrer haben einfach nicht die Möglichkeit, individuell genug auf die Bedürfnisse des Einzelnen einzugehen, und das muss sich ändern. Ich weiß, dass ich für mich nichts mehr ändern kann, aber ich hoffe trotzdem, dass wir so ein Zeichen setzen und den folgenden Generationen helfen können“, so Stefanie voller Überzeugung.

Insgesamt stand die Forderung nach einem anderen Klima in den Schulen im Vordergrund. Um zum Schülerstreik gehen zu können, wurden Entschuldigungszettel vom Organisationsteam an den Schulen verteilt, und die Nachfrage war groß. Um neun Uhr traf man sich dann am Innerstädtischen Gymnasium in Rostock und begann mit dem Protestzug durch die Stadt. Natürlich gab es auch einige Schüler, die sich nicht mit den Forderungen des Schülerstreiks identifizieren konnten, so zum Beispiel die 17-jährige Sophie Wehden.
„Im Gegensatz zu den Forderungen des Schülerstreiks bin ich für ein Zentralabitur.

Außerdem spielt es für mich jetzt sowieso keine Rolle mehr“, so die Schülerin der 12. Klasse des Güstrower John-Brinckman-Gymnasiums. Insgesamt fand der Protest aber große Resonanz und überzeugte die meisten Schüler durch konkrete Forderungen. „Es war richtig, ein Zeichen zu setzen, und es waren viele Jugendliche bei der Demonstration, um zu zeigen, dass eine bessere Bildungspolitik dringend nötig ist“, erklärt Stefanie Albrecht.

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