„Wir werden um das Vertrauen der Pferdefreunde kämpfen“

Vor sieben Wochen begann nach massiven Anschuldigungen gegen Gestütsmitarbeiter mit der Einsetzung von Hans-Thomas Sönnichsen eine neue Ära für das Redefiner Gestüt. Der erfahrene Zahlenexperte soll im Auftrag des Landwirtschaftsministers nicht nur den Vorwürfen nachgehen sondern vor allem eine Zukunftsvision für das bisher von Steuermitteln abhängige Gestüt entwickeln.

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25. April 2008, 09:03 Uhr

Herr Sönnichsen, Sie sind jetzt sieben Wochen im Amt. Was sind Sie jetzt? Aufklärer, Abwickler, der neue Landstallmeister? Und macht die Arbeit Spaß, für die Sie ja aus dem Ruhestand geholt wurden?
Antwort:
Ja, es macht Spaß und es macht täglich mehr Freude, hier zu arbeiten. Und ich bin schlicht und einfach Geschäftsführer des Landgestütes, nicht Landstallmeister. Als Pferdefachmann tauge ich nicht, um es gleich zu sagen. Obwohl ich auch ein wenig von Pferden verstehe. Ich habe natürlich im Rahmen meines Auftrages aufzuklären, bin aber nicht als Abwickler des Landgestüts gekommen.
Sie sind ja in einer für das Gestüt sehr unangenehmen Situation quasi als Retter in der Not von Landwirtschaftsminister Till Backhaus berufen worden. Schlug Ihnen da viel Misstrauen entgegen?
Antwort:
Die Stimmung war schlecht als ich kam, keine Frage. Dazu waren die Vorwürfe zu massiv. In der Öffentlichkeit fühlten sich auch nicht wenige zu Unrecht angegriffen. Dennoch bin ich in meiner Rolle schnell akzeptiert worden. Aktuell bessert sich die Stimmung deutlich, weil wir jetzt alle auch mehr Klarheit haben.
Bezieht sich das auch auf die Vorwürfe wonach sich Mitarbeiter bereichert haben sollen?
Antwort:
Das ist alles genau untersucht worden, unter anderem auch von mir persönlich.
Und?
Antwort:
Sofern es um die direkte Veruntreuung von Landes-eigentum geht, das kann ich es definitiv ausschließen. Das hat nicht stattgefunden. Auch die Bereicherung bei Futtermitteln hat es nicht gegeben. Ich selbst habe über den einzelnen Belegen gesessen und keinen Nachweis dafür gefunden. Zusätzlich hat die Innenrevision des Ministeriums geprüft und keine Verdachtsmomente gefunden. Der Landesrechnungshof hat ebenfalls geprüft, den Bericht haben wir aber noch nicht.
Es war also gar nichts dran, an den zum Teil anonym geäußerten Vorwürfen?
Antwort:
Das kann man so auch nicht sagen. Es gab Dinge, die nicht eindeutig geklärt waren und die zu Missverständnissen führten. Zum Beispiel, wenn Mitarbeiter eigene Pferde in Fahrzeugen des Gestütes transportierten. Das ist beendet, es gibt klare Anweisungen, was dienstlich und privat zu regeln ist. Man muss dazu aber wissen, dass viele Gestütsmitarbeiter mit Pferden des Landgestüts auf Turnieren unterwegs sind und diese Zeit nicht als Arbeitszeit angerechnet bekommen.
Ab sofort wird das genau abgerechnet?
Antwort:
Ganz genau, und wir achten auch sonst auf mehr Transparenz und Gerechtigkeit. So ist klar, dass wir uns beim Futter z. B. mehrere Angebote einholen, bevor wir einkaufen.
Unabhängig von der Schwere der Vorwürfe, die ganze Affäre ist am Gestüt doch nicht spurlos vorübergegangen.
Antwort:
Keine Frage, das alles hat uns enorm geschadet. Jedem hier ist klar, dass wir um das Vertrauen der Pferdefreunde im Land sehr hart werden kämpfen müssen. Es gibt aber auch gute Anzeichen dafür, das das gelingen könnte.
Sie sollen sich ja vor allem auch um die Zukunft des Gestütes kümmern. Im Mai wird es zahlreiche Veranstaltungen geben, von der Messe „Lebensart“ über die Musikparade oder das CSI-Pferdefestival. Wird das in Zukunft auch noch so stattfinden?
Antwort:
Um es ganz klar zu sagen: Wir arbeiten hier alle eng zusammen an einem Unternehmenskonzept für die Zukunft. Dabei wird wirklich alles kritisch unter die Lupe genommen und auf den Prüfstand gestellt. Erfolgreiche Veranstaltungen, wie das CSI-Reitturnier oder Lebensart und die Konzerte der Festspiele Mecklenburg-Vorpommern wird und soll es auch weiterhin bei uns geben. Auch die Hengstparaden stehen natürlich auf dem Programm. Doch wir müssen an anderen Stellen gucken, wo wir effizienter werden, wo sich der Einsatz lohnt. Denn ewig können wir auf den Betriebskostenzuschuss von 1,2 Millionen Euro, den wir derzeit vom Land bekommen, nicht bauen.
Wie weit sind Sie mit ihrem Konzept, wie lange wird der Umbauprozess dauern und wird es dann noch ein Landgestüt im bisherigen Sinne geben können?
Antwort:
Wir sind relativ weit. Ich denke, wir können bereits im Mai dem Minister und dann bei geeigneter Gelegenheit auch der Öffentlichkeit das Konzept vorstellen. Ich bin überzeugt, die Umstellung würde etwa bis 2013 gehen. Dann hätten wir immer noch ein Gestüt im Landesbesitz aber sicherlich in einer anderen Rechtsform und mit einem deutlich geringeren Zuschussbedarf.
Das Land hat dem Gestüt für die kommenden Jahre Investitionen von gut neun Millionen Euro zugesagt. Ist denn schon klar, wofür die Mittel ausgegeben werden.
Antwort:
Auch das hängt mit dem Konzept zusammen. Doch es kristallisiert sich heraus, dass wir zunächst einen neuen Pferdestall brauchen, der vielleicht noch dieses Jahr gebaut werden kann. Der Bereich der Reit- und Fahrschule muss dringend ausgebaut werden. In absehbarer Zeit wollen wir auch das marode Landstallmeisterhaus sanieren. Zuvor, und das soll schnell gehen, soll die Gestütsverwaltung in andere Räume umziehen. Und wir müssen uns auch intensiv mit den Deckstationen beschäftigen, die wir im Land unterhalten.
Sollen die künftig bestehen bleiben?
Antwort:
Alles steht auf dem Prüfstand, und bei den Deckstationen ist zum einen der personelle Aufwand sehr hoch, den wir betreiben müssen. Zum anderen stellt mich der Zustand einiger Stationen überhaupt nicht zufrieden. Also, kurz gesagt, die Sache ist offen.
Redefin ist Außenstandort der Schweriner Bundesgartenschau. Setzen Sie große Hoffnungen in das Projekt?
Antwort:
Schaden wird es uns sicher nicht, zumal wir in den nächsten Tagen mit der großen Umgestaltung des Gestütsparks für die Buga beginnen werden. Doch ehrlich gesagt, weiß niemand, wieviele Besucher wirklich zu den Außenstandorten kommen. Ich kann mich noch gut an die Expo in Hannover und die Hoffnungen der damaligen Außenstandorte erinnern und was daraus wurde. Wir sind da vorsichtig und freuen uns trotzdem.
Herr Sönnichsen, die von Ihnen ja nicht ausgeschlossene Umwandlung vom Landesbetrieb in eine gemeinnützige Stiftung oder GmbH verlangt ja von den Mitarbeitern einiges an Umstellung ab. Rechnen Sie da mit Widerstand?
Antwort:
Eigentlich nicht, schon weil es für die jetzigen Mitarbeiter einen Bestandsschutz in Form einer Besitzstandswahrung geben wird. Aber auch so ist glaube ich jedem klar, dass wir ein zukunftsfähiges Konzept für das Gestüt brauchen. Redefin hat ja da einen guten Ruf. Die gut 50 Mitarbeiter leisten ja Hervorragendes und das längst nicht nur rund um die Hengstparaden. Darüber wird nur zu wenig gesprochen.
Werden Sie die Paraden moderieren und wissen Sie, wie lange Sie in Redefin noch bleiben werden?
Antwort:
Das weiß ich wirklich nicht, für die anspruchsvolle Moderation der Paraden bin ich nicht Fachmann genug. Sicher ist aber, dass das Gestüt langfristig einen kompetenten und engagierten Landstallmeister brauchen wird.


Zur Person


Ausgewiesener Fachmann für Kompliziertes

Hans-Thomas Sönnichsen kommt aus Schleswig-Holstein und lebt noch heute dort in der Nähe von Lübeck. Der Pensionär war 16 Jahre verantwortlich für die Geschäfte der Landgesellschaft Mecklenburg-Vorpommern und hat in dieser Zeit als ausgewiesener Fachmann für das Machbare zahlreiche Projekte aus dem Boden gestampft. Sönnichsen gilt als durchsetzungs- und kompromissfähig und genießt das Vertrauen von Minister Till Backhaus. Der Schleswig-Hosteiner, der auf einem Bauernhof gelernt hat, ist seit Ende Februar diesen Jahres kommissarischer Geschäftsführer des Redefiner Landgestütes.

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