"Wir tun das Menschenmögliche"

Reihenweise brennende Papiercontainer, zerstörte Gebäude, abgefackelte Gartenlauben, laufend Schmierereien an Gebäuden - Boizenburgs Ansehen hat in den vergangen Monaten deutlich gelitten, und das nicht nur bei den Einwohnern. Während der Bürgermeister das Thema mit Kopfgeldprämien angeht, hat die Polizei seit Wochen den Kampf um die öffentliche Ordnung in der Stadt aufgenommen.

von
13. November 2008, 08:29 Uhr

Boizenburg | Geht es um Ordnung und Sicherheit, dann ist die Stimmung in Boizenburg derzeit denkbar schlecht. Und die Fakten geben den Miesmachern durchaus Recht: Bisher stehen z. B. 63 Graffiti-Schmierereien und 33 Brände von Papiercontainern im Polizeiprotokoll. Dazu kommen spektakuläre Vorfälle, wie die zwei Brände in Schwartow oder die beschmierte Turnhalle. Bürgermeister Harald Jäschke will die Täter mit Prämien von bis zu 3000 Euro fassen, währenddessen einige Boizenburger sogar klammheimlich über eine Bürgerwehr nachdenken.

Für Polizeichef Egon Gruhlich und seine Männer eine denkbar schwierige Situation. Auch wenn es kaum jemand offen ausspricht, so fühlen sich die Polizisten doch zu Unrecht in die passive Ecke gedrängt. Denn die Staatsmacht hat auf die Sondersituation in der Stadt schon vor Wochen reagiert. Egon Gruhlich: "Wir fahren schon seit einigen Wochen verstärkte Einsätze, gerade an den Wochenenden. Mit Hilfe von zusätzlich nach Boizenburg geschickten Polizisten bringen wir sogar die doppelte Anzahl von Streifen auf die Straße. Wir machen aus unserer Sicht schon das Menschenmögliche. Allerdings können auch wir nicht zaubern, sind auf die Hilfe der Bürger angewiesen."

Verdoppelte Streifen, das bedeutet für das Boizenburger Stadtgebiet konkret vier Streifen statt zwei. Aber auch damit kann die Sicherheit nicht flächendeckend garantiert werden. Polizei-Einsatzleiter Uwe König: "Unsere Einsatzkräfte spulen schon in jeder Woche hunderte Kilometer ab, allerdings gehen die Täter auch sehr schnell vor. Wir brauchen auch schlicht die Bürger, die die Augen offen halten und uns schnell alarmieren." Wie zügig es gehen kann, zeigte sich vor Tagen an der Sporthalle "Richard Schwenk". Noch nach Mitternacht hatte die Polizei kontrolliert, wenig später war die frisch sanierte Halle schon beschmiert.

Kontrolldruck, wechselnde Einsatzzeiten, verstärkte Streifen sind natürlich nur eine Seite der Medaille. Denn die meisten Täter sind bisher nicht gefasst worden. Ausnahme war der Gartenlaubenbrand vor einigen Tagen.

"Wir sind natürlich nicht so blauäuig und verlassen uns nur auf Streifen. Wenn wir nicht nur die Täter fassen, sondern auch die Vorfälle spürbar zurückdrängen wollen, brauchen wir Verbündete in der Stadt, Ansprechpartner und eine Diskussion in den Elternhäusern, Kindereinrichtungen, Schulen, Jugendtreffs." Denn dass die meisten Täter jüngeren Alters sind, gilt als ausgemacht. Zu denen, die bereits nach Kräften helfen, gehören die städtische Jugendpflegerin Elke Rudolf und Sozialarbeiterin Simone Siebrecht. Beide arbeiten nicht nur im Präventionsrat gegen Kriminalität mit, sie kümmern sich auch in ihrer Alltagsarbeit um die Belange der Jugendlichen. Nach ihren Erfahrungen waren die Zerstörungen in den letzten Wochen in der Stadt ein ganz großes Thema bei den Kindern und Jugendlichen. Einhellige Meinung: Es werden viel zu wenige erwischt. Und die, die geschnappt werden, bestraft man viel zu milde. Elke Rudolf: "Wir versuchen so viele Jugendliche wie möglich zu erreichen, auch über die Elternhäuser, denn da fangen die Probleme an." Ihre Kollegin Siebrecht ergänzt, dass es auch die fatale Mischung aus vermeintlich linken und vermeintlich rechten Jugendlichen sei, die immer wieder zu Spannungen führe. Die meisten Probleme würden aber weder in den Schulen noch in den Treffs auftreten, sondern danach in der Freizeit. "Jugendliche, die eben noch miteinander gesprochen haben, können sich dann plötzlich nicht mehr sehen." Dass trotz aller Aktionen nicht alle Jugendliche erreicht werden können, ist jedem klar. Für den Rest muss die Polizei sorgen, die auch in den kommenden Wochen verstärkt Streife fahren wird, und das nicht nur an Wochenenden.

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen