Schwerin : "Wir machen doch nur unsere Arbeit"

Falschparker im Baustellenbereich am Lobedanzgang: Die Mitarbeiter des Kommunalen Ordnungsdienstes nehmen den Verstoß mit  einem mobilen Datenerfassungsgerät und einem Fotoapparat auf. Reinhard Klawitter (3)
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Falschparker im Baustellenbereich am Lobedanzgang: Die Mitarbeiter des Kommunalen Ordnungsdienstes nehmen den Verstoß mit einem mobilen Datenerfassungsgerät und einem Fotoapparat auf. Reinhard Klawitter (3)

Gestern 7.30 Uhr im Stadthaus. Andreas Schmidt und Sven Wiesenkämper machn sich startklar. Die Innenstadt ist heute das Einsatzgebiet der beiden Mitarbeiter des Kommunalen Ordnungsdienstes.

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11. Februar 2011, 09:46 Uhr

Gestern 7.30 Uhr im Stadthaus. Andreas Schmidt* (50) und Sven Wiesenkämper* (33) mache n sich startklar. Die Innenstadt ist heute das Einsatzgebiet der beiden Mitarbeiter des Kommunalen Ordnungsdienstes. Gerät für die Datenerfassung, Fotoapparat, Kugelschreiber, wetterfeste Garderobe, ein letzter Blick auf den Stadtplan, dann geht es los. Seit acht Jahren arbeitet Schmidt beim Ordnungsdienst, Kollege Wie senkämper ist erst seit drei Monaten dabei . Bedroht und beschimpft worden sei er auf seinen Patrouillen schon, sagt Schmidt. Trotzdem müsse die Arbeit getan werden. Wiesenkämper, diplomierter Betriebswirt, zählt zu den elf Mitar beitern, die seit Ende vergange nen Jahres den Dienst auf der Straße verstärken, zunächst an der Seite erfahrener Mitarbeiter. "Mir gefällt bisher der Job", erklärt der Seiteneinsteiger.

Kurz vor 8 Uhr verteilen Schmidt und Wiesenkämper an diesem kalten Morgen ihr erstes Knöllchen. In der Martinstraße steht ein Kleintransporter aus Bad Segeberg im Halte verbot. Der Wagen gehört offenbar Handwerkern, die in der künftigen Marienpla tz-Galerie tätig sind. "Wir behande ln alle Falschparker gleich", versichert Schmidt, während sein Kol lege die Benachrichtigung hinter den Scheiben wischer steckt. Ob es eine Erlaubnis für den Baucon tainer gibt, der mitten auf der Straße abgestellt wurde, lässt sich vorerst nicht klären . In der Verkehrsbe hörde geht niemand ans Telefon.

Ansprechpartner der Verwaltung

Vor dem Schlosspark-Center hält ein Lieferwagen zum Ausladen auf dem Bürgersteig. Schmidt und Wiesenkämper drücken ein Auge zu. "Irgendwo muss das Fahrzeug ja hin", sagt Schmidt. An der Ecke Goethestraße/Geschwister-Scholl-Straße kennen die Ordnungsdienstmitarbeiter aber kein Pardon. Ein blauer Transporter mit Güs trower Kennzeichen steht auf einem Behi ndertenparkplatz. 35 Euro kostet den Besitzer das Vergehen. Gerade noch rechtzeitig auf einen erlaubten Platz in der Goethestraße umpar ken kann ein Fahrer, der mit seinem Auto auf einer Sperrfläche stand. Für Schmidt und Wiesenkämper hat er nur ein paar unfreundliche Worte parat.

"Wir machen doch nur unsere Arbeit", betont Schmidt. Das sieht auch Peter Meier* so - obwohl er in den vergangenen zwei Monaten fast 100 Euro für Knöllchen bezahlt hat. Der Anwohner aus dem Lobedanzgang weiß angesichts der derzeitigen Baustellensitu ation in seiner Straße nicht mehr, wo er das Auto noch abstellen soll und freut sich, dass er Schmidt und Wiesenkämper mal sein Leid klagen kann. Er habe Verständnis dafür, dass die Feuerwehr-Zufahrt zur benachbarten "Schlosspark-Residenz" freigehalten werden müsse, sagt Meier. Die Anwohner dürften mit ihren Parkproblemen aber nicht von der Stadt allein gelassen werden.

Noch bis 11 Uhr sind Schmidt und Wiesen kämper in der Innenstadt unterwegs. Dabei verteilen sie durchaus nicht nur Knöllchen an Parksünder. Wie ihre rund 30 Kol legen achten die beiden Ordnungsdienstmitarbeiter unter anderem auch auf illegalen Müll, die Einhalt ung der Hundehalterverordnung und abgelaufene Tüv-Plaketten. Zu den Aufgaben des Dienstes gehörten außerdem Ermittlungstätigkeiten, der Jugendschutz und Tempo-Kontrollen, erläutert Schmidt. "Von vielen Bürgern werden wir aber auch einfach als Ansprechpartner der Verwaltung wahrgenommen."

*Namen von der Redaktion geändert

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