Winter hat viele Gesichter

Als echte Frostverächter erwiesen sich die Mutigen beim Winterbadespektakel auf Usedom. dpa (2) / ddp
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Als echte Frostverächter erwiesen sich die Mutigen beim Winterbadespektakel auf Usedom. dpa (2) / ddp

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07. Februar 2010, 07:23 Uhr

Vitte | Zu der vom Eis eingeschlossenen Ostseeinsel Hiddensee hat sich gestern nach zehn Tagen das erste Schiff durchgekämpft. Am Nachmittag erreichte der Eisbrecher "Görmitz" mehrere Stunden später als geplant den Hafen von Vitte, wo er ungeduldig erwartet wurde. Der Tonnenleger - ein Spezialschiff zum Auslegen und Einholen von Seezeichen - brach sich nur im Schritttempo durch das Eis. Die "Görmitz" brachte mehrere Tonnen Lebensmittel und Heizöl in Spezialbehältern auf die Insel. Außerdem schleppte der Tonnenleger die defekte Fähre "Vitte" frei, die so nach Rostock in die Werft gelangen konnte.

Hiddenseer müssen weiter improvisieren

Der Eisbrecher werde die Fähre nicht ersetzen, stellte der Leiter des Wasser- und Schifffahrtsamtes Stralsund, Holger Brydda, klar. Nach derzeitigen Plänen soll die "Görmitz" je nach Witterung einmal pro Woche Lebensmittel zur Insel bringen. Für die rund 1000 Inselbewohner ist die Schiffsankunft ein erster Schritt zu einer Normalisierung. Seit vorigem Dienstag wird das Eiland per Hubschrauber versorgt.

Auf Usedom dagegen genossen insgesamt 138 Eisbader aus Deutschland, Norwegen, Litauen, Polen und der Schweiz am Samstag beim 16. Winterbadespektakel die eiskalte Ostsee. Kostümiert als Meeresfrüchtchen und Muscheln sprangen sie am Strand von Ahlbeck in ein Eisloch, das die Veranstalter zuvor in die bis zu 50 Zentimeter dicke Eisdecke vor dem Strand geschlagen hatten. Auch dabei verlangte die außergwöhnliche Witterung außergewöhnlichen Aufwand: Es sei extra ein Bagger gechartert worden, der den Weg durch die Eisaufpressungen zum Wasserloch freigeräumt habe, sagte Kurdirektorin Karin Lehmann. Jüngster in der Badetruppe war der zehnjährige Kurt Bart aus Zehdenick. Mit 80 Jahren stieg auch Helga Dube vom Eisbaderverein Bernau in die eiskalten Fluten.

Monster-Schneesturm beutelt die USA

Gar nicht nach Spektakel stand den Einwohnern von Washington der Sinn: Einer der schwersten Schneestürme seit Jahrzehnten legte die Region um die US-Hauptstadt Washington lahm. Über 30 Stunden tobte das Unwetter an der amerikanischen Ostküste, mancherorts fiel mehr als ein dreiviertel Meter Neuschnee. Hunderttausende Haushalte waren am Samstag ohne Strom. Im Bundesstaat Virginia starben ein Vater und sein Sohn, als sie einem Autofahrer zu Hilfe eilten. US-Präsident Barack Obama, dessen Limousine von einem Ast getroffen wurde, sprach in Anlehnung an den Weltuntergangsfilm "Armageddon" von einem "Snowmageddon".

In Deutschland rückt nach einer kurzen Tauwetter-Periode wieder frostige Kälte heran. Scharfer Ostwind, eisige Temperaturen und Polarluft - der Winter kehrt mit Tief "Queen" mit aller Macht zurück.

Hartgesottene lassen sich zumindest auf Hiddensee nicht abschrecken: Wie der Pilot Thomas Bay von der Usedomer Fluggesellschaft berichtete, brachte sein Hubschrauber am Wochenende etwa 60 Touristen auf die Insel.

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