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Windpark erweist sich für Gemeinde als gewinnträchtige Investition

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Von seinem Grundstück am Ortsrand von Neu Karin aus kann Edgar Borgwardt den Windpark zwar nicht sehen, aber hören. Jedenfalls wenn ein ordentlicher Wind über den mecklenburgischen Acker weht. Ausgerechnet zum Besuch von Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) am Mittwoch ist es fast windstill. Kaum eines der Räder dreht sich, und Borgwardt zieht ein bisschen verärgert die buschigen Augenbrauen zusammen. „Der Windpark steht trotzdem finanziell gut da und rechnet sich für uns“, sagt der pensionierte Diplomingenieur. Er ist einer von 113 Gesellschaftern des Windparks Ravensberg/Krempin. Sie präsentieren der Kanzlerin zu Beginn ihrer bundesweiten „Energiereise“ ein Musterbeispiel alternativer Energiegewinnung.

Als Mitte der 90er Jahre die ersten für Windparks geeigneten Flächen im Land ausgewiesen wurden, waren die Vorbehalte noch riesig.

„Bei uns haben sich vier Gemeinden, die das betraf, an einen Tisch gesetzt“, sagt Borgwardt, der damals stellvertretender Bürgermeister von Karin war. Zusammen mit dem Planungsbüro Wind-Projekt wurde die 35-Millionen-DM-Investition angeschoben. Ein Fünftel des Geldes kam von Gesellschaftern, der Rest wurde zinsgünstig finanziert.

„Mittlerweile verdienen alle Kommanditisten gut, aber vor allem hat auch die Gemeinde über Verpachtung und Steuern was davon“, berichtet Borgwardt. „Wenn Frau Merkel mich fragen würde: An dieser ganzen Förderung regenerativer Energien sollte nichts geändert werden. Alles so lassen“, sagt er.

Zwölf Windenergieanlagen wurden 1999 mit einer Leistung von je 1,3 Megawatt errichtet. In diesem Jahr kamen drei doppelt so leistungsstarke Anlagen von Nordex hinzu, an deren Fuß sich Merkel die Gewinne des Bürgerwindparks vorrechnen lässt. Mittlerweile können jährlich 50 Millionen Kilowattstunden ins öffentliche Netz eingespeist werden. Eine erste Kreditrate wurde bereits getilgt.

Allein an Pacht und Steuern nimmt die Gemeinde 120 000 Euro jährlich ein. Es konnten zusätzliche Gemeindearbeiter eingestellt werden, Straßen wurden instand gesetzt und Alleen gepflanzt. Die Windparkgesellschaft spendet jährlich 10 000 Euro für Vereine der Region, für Chöre, Kirchen und Tanzgruppen. „Das Carinerland steht wirklich finanziell gut da“, sagt Borgwardt stolz.

Die Leistung der mittlerweile 15 Anlagen reicht aus, um 15 000 Haushalte mit Strom zu versorgen. Die Großgemeinde Carinerland selbst hat nur 1200 Einwohner. Da habe die Idee nahe gelegen, sich selbst mit Energie zu versorgen, sagt Martin Weiße von Wind-Projekt. „Neben Windkraft gibt es hier noch eine Biogas- und mehrere Solaranlagen.

Wir brauchen nur ein Speichersystem für sonnen- und windarme Zeiten, um den Strom auch bedarfsgerecht einspeisen zu können“, erläutert Weiße der Kanzlerin.

Das versuchen die Ingenieure jetzt über die Zwischenstufe Wasserstoff, ein erster Feldversuch startet zum Jahresende bei Neubrandenburg. Das Carinerland soll folgen und 2020 ein autarkes Energienetz bekommen. „Wir werden bis zu 30 Prozent Stromkosten sparen“, rechnet Borgwardt schon mal durch.
Das wird die Akzeptanz für den Windpark erhöhen, die ohnehin schon groß ist. Dabei sind nur 20 Einwohner Gesellschafter, der Rest kommt aus anderen Bundesländern. „Zahnärzte, Steuerberater und so. Die hatten schon damals Ahnung von Geldanlagen, wir ja eher nicht“, sagt Borgwardt. Trotz der großen Anlagesummen aus dem Westen habe man aber aufgepasst, dass keiner die Stimmenmehrheit hat. „Einem Unternehmer aus Bayern, der eine Million Mark investieren wollte, haben wir deshalb abgesagt“, erinnert sich Borgwardt.

Sogar einen touristischen Nebeneffekt hat der Windpark. Auf den Jahrestreffen seien die Anleger von außerhalb immer ganz begeistert von Mecklenburg und buchten hier ihren Urlaub, erzählt Borgwardt.
Dennoch ist der Windpark ein Projekt der Carinerländler geblieben.
„Wenn eine Anlage mal ausfällt, rufen uns die Einwohner an und fragen, was da los ist“, sagt Weiße. Auch Borgwardt fährt hin und wieder die eineinhalb Kilometer zu „seinem“ Windpark, um einen Hauptschalter zu drücken.

Merkel lobt die Idee des Bürgerwindparks. Das sichere kleinen Kommunen nicht nur Gewerbesteuereinnahmen, sondern bringe den Bürgern auch aus erster Hand den Vorteil neuer Technologien nahe, sagt die Kanzlerin.

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erstellt am 18.Aug.2010 | 05:19 Uhr

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