Lübz: Kleinere Flächen, geringerer Abstand : Windkraft kaum noch zu bremsen

Die meisten Gemeinden wollen keine neuen Windparks (hier die Anlagen in Werder). Ilja Baatz
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Die meisten Gemeinden wollen keine neuen Windparks (hier die Anlagen in Werder). Ilja Baatz

Ehrgeiziges Ziel: Das Land möchte den Ertrag aus alternativer Energieproduktion bis 2020 verdoppeln. Um den Ausbau zu beschleunigen, wird jetzt an neuen Regelungen für die Windparkanlagen gearbeitet.

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07. Mai 2013, 12:29 Uhr

Das Land möchte den Ertrag aus alternativer Energieproduktion (vornehmlich Windkraft) bis 2020 verdoppeln. Um dieses Ziel zu erreichen, überarbeitet es gegenwärtig die Kriterien, die erfüllt werden müssen, um die entsprechenden Anlagen errichten zu dürfen. Einige zentrale Punkte sind, die Vorgaben dahingehend zu verändern, dass der Abstand zwischen Windparks künftig nur noch 2,5 statt bisher fünf Kilometer betragen und die Mindestgröße von 75 auf 35 Hektar sinken soll. "Vorgesehen ist außerdem, dass der Mindestabstand zu Wäldern wegfällt - in Brandenburg soll sogar auch weiter in Nadelwäldern gebaut werden dürfen - und selbst Kranichbrutplätze sind kein Kriterium mehr dafür, solche Vorhaben abzulehnen", sagt Norbert Timm, Leiter des Amtes für Stadt- und Gemeindeentwicklung im Amt Eldenburg Lübz. Wegen der veränderten Kriterien seien viele neue Eignungsgebiete im Gespräch. Im Amt Eldenburg Lübz ist es nicht nur ein Bereich nördlich von Welzin, dessen Ausweisung die Passower Gemeindevertreter erst jüngst mehrheitlich abgelehnt hatten (wir berichteten), sondern es geht auch um Flächen unter anderem in den Gemeinden Suckow, Granzin, Hof Karbow und eine angedachte Erweiterung in Werder.

Im Gespräch ist gleichzeitig, dass zu Wohnbebauung künftig größere Abstände einzuhalten sind (gegenwärtig noch ein Kilometer, bei Einzelgehöften 800 Meter). Timm zufolge solle das Votum einer Gemeinde der Ankündigung zufolge mehr berücksichtigt werden. Beschlüsse zur Ausweisung von Eignungsflächen stehen noch in mehreren Kommunen an. "Bei einer Ablehnung ist allerdings nicht sicher, dass ein Windpark deshalb nicht gebaut wird", sagt der Amtsleiter. Im Gegensatz zum allgemeinen Trend überlegten Suckow, Siggelkow und Granzin, mit der Ausweisung von so genannten "Bürgerwindparks" und der Beteiligung der Kommunen am durch sie erzielten Gewinn ihre Haushalte zu sanieren. Vorher werde es jedoch Einwohnerversammlungen geben. Kommunen wie zum Beispiel Marnitz, Tessenow und Passow setzten auf Photovoltaik und wollten ihren Beitrag zum Klimaschutz durch die Ausweisung von Flächen leisten, auf denen die Sonnenkollektoren aufgestellt werden können.

Die Verwaltung rechne damit, dass die Verbandsversammlung des Regionalen Planungsverbandes Westmecklenburg im Juni über die neuen Richtlinien für Windparks entscheidet. Bei der neuen Generation werde es sich mit größter Wahrscheinlichkeit um Anlagen mit einer Höhe von bis zu 200 Metern handeln, deren Spitzen in der Dunkelheit beleuchtet werden müssen ("Nachtbefeuerung"). Zum Vergleich: Die von vielen schon als groß empfundenen Windräder in Werder etwa sind nur 100 Meter hoch. "Eine Höhenbegrenzung wird man künftig auch mit städtebaulichen Planungen kaum noch erreichen können, wie sie einige Gemeinden erst vor ein paar Jahren beschlossen haben", meint Timm. Er äußert Verständnis dafür, dass besonders in der Nähe von Windkraftanlagen wohnende Menschen diese wegen des Schattenwurfs und Lärms durch die Rotorblätter sowie des ständigen Blinkens in der Nacht als Lebensbeeinträchtigung empfinden. "Schlimm ist aber auch, dass selbst höchstes Kulturgut von nationaler wie internationaler Bedeutung als Grund nicht ausreicht, die Höhe eines Windparks zu begrenzen", sagt er. "Dies wurde zum Beispiel für eine Fläche neben der Wartburg abgelehnt, so dass jetzt Windräder den freien Blick auf dieses herausragende Denkmal behindern - ein Frevel!"

Timm hoffe, dass die Ankündigungen von Landesregierung und Landkreis, die Meinung von Gemeinden bei der Ausweisung von Eignungsräumen mehr zu beachten, Bestand haben werden und kommunale Selbstverwaltung damit gestärkt wird. In der Vergangenheit habe man ihrer Stimme oft zu wenig Bedeutung beigemessen.

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