Windenergie statt Ackerbau?

Heiß wird seit Tagen über explodierende Lebensmittelpreise diskutiert. Da ärgert es den Berger Landwirt Hartmut Lossin, dass seiner Ansicht nach zu viel landwirtschaftliche Nutzfläche dem Bau von Windkraftanlagen zum Opfer fällt.

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24. April 2008, 08:18 Uhr

Berge - Vier Windkraftanlagen entstehen gegenwärtig zwischen Berge und Pirow. „Dabei geht viel zu viel Ackerland verloren, nicht nur direkte Flächen für die Windkraftanlagen, sondern auch Nebenflächen“, schimpft der private Landwirt, der etwa 800 Hektar bewirtschaftet. Drei Hektar davon seien durch den Bau von drei Windrädern betroffen. „Ich kann dort keine Kartoffeln pflanzen, habe auch Verträge mit der Stärkefabrik“, macht er seinem Ärger Luft. „Wenn wir uns so etwas leisten können, dann sind Lebensmittel noch viel zu billig.“
Und dann zeigt er vor Ort Beispiele wie zerfahrenen Ackerboden mit tiefen Furchen, hervorgerufen von schweren Baufahrzeugen. Auf der anderen Straßenseite weist er auf feuchte Flächen hin. „Da ist beim Bau der Windkraftanlagen die Dränage zerstört“, erklärt er. Lossin vermutet, dass das beim Verlegen des Stromkabels passiert sei. „Wenn jetzt die Entwässerung in Ordnung gebracht werden soll, weiß doch niemand, wo das Kabel liegt.
Lossin hat Verständnis, dass die Landeigentümer, von denen er Flächen gepachtet hat, das Angebot der Windkraftanlagenbauer nutzen. „Doch warum wird dann ohne Absprache mit uns Landwirten gebaut, werden dadurch Flächen entwertet?“, fragt er. Er habe sich schon bei der Landesumweltbehörde erkundigt, ob es denn keine Kontrollen der Baustellen gebe. „Die sagten mir, erst mal prüfen zu müssen, ob sie zuständig sind. Scheinbar können die Windkraftanlagenbauer machen, was sie wollen“, kritisiert Lossin. Das können sie keineswegs, hält Dieter Knaak von der Windland Pirow GmbH und Co. KG, die die vier Anlagen zwischen Berge und Pirow errichtet, dagegen. Allerdings räumt er ein, dass es aufgrund der feuchten Witterung wirklich zu tiefen Fahrspuren im Acker gekommen ist. „Die hat der beauftragte Baubetrieb gestern beseitigt, dafür wurde extra eine Raupe per Tieflader geholt. Kosten etwa 1000 Euro“, rechnet Knaak vor. Die von Lossin genannten drei Hektar Land, die insgesamt durch den Bau in Mitleidenschaft gezogen wären, lässt Knaak aber nicht gelten. „Wir sprechen hier maximal von 0,4 Hektar. “ Was die Dränage anbelangt, „haben wir Zeichnungen, in denen alles aufgelistet ist. Wir sind doch daran interessiert, alles ordnungsgemäß zu hinterlassen, haben sonst doch nur unnötige Folgekosten“, macht Knaak seinen Standpunkt deutlich. Und er verweist darauf, dass die Landwirte ja laut vertraglicher Vereinbarung Ausgleichszahlungen für Verluste erhielten.
Das stellt Lossin auch nicht in Abrede, „doch mir geht es nicht um die Abfindung, sondern ich will den Acker bewirtschaften“.

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