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Südwestkirchhof Stahnsdorf zählt zu wertvollsten Friedhöfen : Wildschweinplage auf dem Friedhof

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"Ein Kulturdenkmal", betont Ihlefeldt, auf dem Schwarz- und Rehwild jährlich erheblichen Schaden anrichten. "In diesem Jahr ist es besonders heftig", klagt der Kirchhofverwalter.

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erstellt am 05.Apr.2011 | 11:34 Uhr

Beim Blick aus dem Fenster seines Büros offenbart sich Olaf Ihlefeldt immer wieder ein Naturschauspiel. "Acht fette Sauen wühlten sich erst kürzlich durchs Gelände", erzählt er. Nun ist Ihlefeldt aber kein Leiter einer Schweinezuchtanlage, sondern Verwalter auf dem Südwestkirchhof in Stahnsdorf. Deshalb findet er das tierische Treiben vor seinem Dienstzimmer alles andere als lustig. Denn die Anlage zählt zu den bekanntesten und historisch wertvollsten Friedhöfen in Deutschland.

"Ein Kulturdenkmal", betont Ihlefeldt, auf dem Schwarz- und Rehwild jährlich erheblichen Schaden anrichten. "In diesem Jahr ist es besonders heftig", klagt der Kirchhofverwalter. Er spricht von massiven Schäden auf den Grabstellen sowie zunehmendem Ärger und Beschwerden von Trauergesellschaften und Angehörigen.

Bei der Jagdbehörde des Landkreises Potsdam-Mittelmark sind die Ortslagen von Stahnsdorf und Kleinmachnow im Südwesten Berlins bekannt als Problemzonen. "Dort haben wir in jedem Frühjahr ein hohes Wildaufkommen", bestätigt Torsten Fritz von der Unteren Jagdbehörde. Im vergangenen Frühjahr brachten die Jäger im Jagdbezirk Kleinmachnow/Stahnsdorf in nur sechs Wochen 33 Wildsauen und zehn Rehe zur Strecke. Von einem "einmaligen Ergebnis" sprachen die Jagdpächter, die den Bestand an Schwarzwald in ihrem Revier als "nicht akzeptabel" bezeichnen.

Auch in diesem Jahr sind bei der Jagdbehörde bereits vier Anträge zur Bejagung in befriedeten Gebieten eingegangen, zwei sind bislang laut Fritz genehmigt worden. Der Antrag von Südwestkirchhof-Verwalter Ihlefeldt ist indes noch nicht beschieden.

Wie bereits im vergangenen Jahr hat die Jagdbehörde zur Auflage gemacht, den löchrigen Zaun um das parkähnliche Friedhofsgelände instand zu setzen. "Wenn das Wild ständig wieder eindringen kann, macht die Jagd als lediglich begleitende Maßnahme keinen Sinn", begründet Fritz die Bedingung. Doch mit der Reparatur des Drahtzauns ist nicht viel erreicht. "Flicken wir die Löcher an der einen Stelle, entstehen an anderer zwei neue", sagt Ihlefeldt. Hinzu kämen "selbst ernannte Tierschützer", wie er sie nennt, die absichtlich Löcher in den Zaun schneiden. Notwendig wäre ohnehin ein komplett neuer, massiver Zaun.

Eine halbe Million Euro würde laut Ihlefeldt die vier Kilometer lange Umzäunung kosten - viel Geld, das die Landeskirche nur schwer aufbringen könne. "Die Sanierung des Turms der Friedhofskapelle und die Erneuerung der desolaten Wasserleitung sind bereits enorme Investitionen, die aktuell anstehen", sagt Ihlefeldt. Zudem hat die Untere Jagdbehörde in einer neuen Richtlinie zwei Jagdintervalle pro Jahr festgelegt: Von Mai bis Juli sowie von Oktober bis Ende November.

"Alles andere als praxisgerecht", beurteilt Jagdpächter Peter Braun die Festlegung "Aus jagdlicher Sicht ist das Unsinn", moniert er. Zum einen halte sich Wild nicht an Jagdintervalle, zum anderen sei der Mai viel zu spät. Mit zunehmender Vegetation werde die Jagd schwierig. Im vergangenen Jahr war auf dem Gelände bereits im Januar gejagt worden. "Wenn hier alles dicht bewachsen ist, wird kein Jäger mehr jagen, schon gar nicht, wenn Besucher zu sehen sind", sagt Ihlefeldt. Ohnehin würden für den Einsatz auf dem Friedhof nur ausgesuchte Waidmänner zum Schuss anlegen dürfen. "Die Erlaubnis bekommen nur Jäger, die über ausreichend Jagderfahrung in befriedeten Gebieten verfügen", erklärt Fritz.

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