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22. September 2017 | 19:14 Uhr

Wildschweine wüten im Mais

vom

svz.de von
erstellt am 11.Okt.2010 | 06:00 Uhr

Wittenförden | Im Mais raschelt es. Jäger Wilfried Röpert hat sein Gewehr im Anschlag. Eine Bockbüchsflinte der Marke Heym. Konzentriert schaut Röpert ins Halbdunkel. Doch es war kein Wildschwein, nur der abendliche Wind.

Der Vorsitzende des Kreisjagdverbands Ludwigslust und Vizepräsident des Landesjagdverbands MV geht aktuell zwei- bis dreimal in der Woche auf die Jagd. Manchmal in den Morgen-, oft auch in den Abendstunden, wenn es dunkel wird und die nachtaktiven Wildschweine aus dem Wald kommen. Das Schwarzwild ernährt sich unter anderem vom Mais, der gerade auf vielen Feldern auf seine Ernte wartet. "Die Schweine kommen als ganze Rotten in den Mais, fressen die Kolben ab und trampeln viele Pflanzen nieder", sagt Röpert. Für die Bauern ein massives Problem. Denn neben dem Schwarzwild, das im Mais wütet, steht in diesem Jahr eine schlechte Ernte an. "Die Hitze in Zusammenhang mit ausbleibenden Niederschlägen hat den Pflanzen in diesem Jahr sehr zugesetzt", sagt Harald Elgeti, Vorsitzender des Kreisbauernverbands Ludwigslust. Zwischen 20 000 und 25 000 Hektar Anbaufläche mit Mais gibt es in dem Landkreis. Doch vielerorts steht der Mais in diesem Jahr nur kniehoch. "Und das, obwohl er zur Erntezeit eigentlich eine Größe von zweieinhalb bis drei Metern haben sollte", sagt Elgeti. Vor allem, seitdem immer mehr Biogasanlagen entstehen, die mit Mais betrieben werden, hat die Pflanze an Bedeutung gewonnen. Längst ist der Mais nicht mehr nur Futter-, sondern auch Energielieferant.

In Wittenförden schaut Jäger Wilfried Röpert auf einem 16 Hektar großen Feld nach dem Rechten. Vier Hochsitze hat er um das Feld herum errichtet, von denen er die Scholle gut überblicken kann. Der Landwirt hat außerdem Schneisen im Feld gelassen. Auf einem großen Streifen in der Mitte des Feldes hat er nicht gesät, so ist ein etwa zehn Meter breiter Streifen entstanden. Der Jäger kann die Tiere so leichter sehen, wenn sie im Feld umherlaufen und sich über die Kolben hermachen. Nicht alle Bauern sind derart kooperativ. "Teamarbeit zwischen Bauer und Jäger ist sehr wichtig, um das Wildproblem in den Griff zu bekommen", sagt Röpert. Doch es gebe immer wieder Bauern, die nicht einsähen, mit den Jägern zusammenzuarbeiten. Dies erschwere es ungemein, die Wildschweine zu jagen und von den Feldern fernzuhalten.

Der Jäger klettert auf einen seiner Hochsitze. Er hat ihn selbst gebaut, vor 20 Jahren schon. 200 Meter ist die Kanzel vom Waldrand entfernt. Oben steht ein alter Bürostuhl, auf den sich der 61-Jährige setzt. Dann hebt er sein Fernglas und schaut in Richtung Feld. Kein Schwein in Sicht. Das Maisfeld liegt ruhig vor ihm. Nur der Wind wiegt die Pflanzen leicht hin und her.

Rund 4000 Wildscheine schießen die Jäger im Landkreis jährlich

Niedergetrampelte und zerfressene Flächen gibt es auf dem Feld nicht. "Die Maßnahmen wirken", freut sich Röpert. Geschossen hat er in diesem Jahr aber erst ein Wildschwein. Über 4000 erlegen seine rund 1200 Jägerkollegen im Landkreis Ludwigslust jedes Jahr. In Mecklenburg-Vorpommern waren es im Jagdjahr 2008/2009 knapp 76 000 Stück Schwarzwild. 30 Prozent mehr als im Vorjahr: ein Indiz für den steigenden Bestand. Keine gute Nachricht für die Maisbauern. Kreisbauern-Chef Harald Elgeti fordert deshalb in Richtung Landwirtschaftsministerium, die Schonzeiten zu überdenken, damit für eine Verkleinerung des Schwarzwildbestands gesorgt werden könne.

Auf dem Hochsitz genießt Wilfried Röpert die Ruhe. "Die Einsamkeit ist sehr entspannend", sagt er. Die meiste Zeit über passiert auf der Jagd - nichts. Unter seinem grünen Hut schauen ein paar weiße Haare hervor. Röpert hebt sein Fernglas und schaut in Richtung Waldrand. "Ein Fuchs", flüstert er. Den dürfte er schießen. Aber er ist zu weit weg, läuft auf der Wiese vor dem Wald hin und her. "Der jagt Mäuse", weiß Röpert. Er macht ein fiependes Geräusch wie eine Maus. "Damit kann ich die Füchse manchmal anlocken", sagt der Weidmann. Doch der Fuchs kommt nicht näher. Auch ein Schwein läuft dem gelernten Maschinenbauer heute nicht vor die Flinte. Die Jagd ist ein Geduldspiel. Das gilt für Jäger und Bauern gleichermaßen.

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