Wildernde Hunde im Blutrausch auf der Weide

Gabriele Heinemeyer trägt eines der Lämmer, das durch die Sturzgeburt viel zu früh auf die Welt gekommen ist. Wahrscheinlich wird es das Wochenende nicht überleben, glaubt die Arche-Hof-Betreiberin aus Liepe. Thorsten Meier
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Gabriele Heinemeyer trägt eines der Lämmer, das durch die Sturzgeburt viel zu früh auf die Welt gekommen ist. Wahrscheinlich wird es das Wochenende nicht überleben, glaubt die Arche-Hof-Betreiberin aus Liepe. Thorsten Meier

Zwei wildernde Hunde richteten auf der Kalisser Heide in der Nacht zu Freitag ein regelrechtes Blutbad an: Zehn tote Schafe, unzählige verletzte Tiere und etliche Sturzgeburten, die die Lämmer den heutigen Tag nicht erleben lassen wird, sind die traurige Bilanz. Die Polizei hat bisher erst einen der Hunde-Eigentümer ermittelt. Der vorläufige Schaden beläuft sich auf mindestens 6000 Euro, schätzt Arche-Hof-Betreiberin Gabriele Heinemeyer.

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30. Januar 2009, 07:32 Uhr

Liepe | "Ich bin nur noch am Heulen, wenn ich dieses Elend sehe", sagt Gabriele Heinemeyer mit tränenerstickter Stimme und weist mit der Hand auf den Ort des nächtlichen Blutrausches, den zwei wildernde Hunde angerichtet haben sollen. Der Rest der 190-köpfigen Heidschnuckenherde macht immer noch einen völlig verstörten Eindruck. "Das ist, als würde man Menschen in einen Tunnel treiben, so erleben es auch die Tiere, die durch die stromgesicherten Zäune nicht wegkönnen und einem Stress ausgesetzt sind, den viele von ihnen nicht verkraften", versucht die Betreiberin des örtlichen Arche-Hofes die Situation zu beschreiben. "Hier muss sich für die Tiere Furchtbares abgespielt haben, als sie von den beiden wildernden Hunden, einer schwarzen Dogge und einem Riesenschnauzer angegriffen und getötet wurden", erklärt die Lieperin weiter. Zwischendurch wird sie immer wieder von Weinkrämpfen geschüttelt. "Ich habe so etwas noch nicht erlebt", gesteht sie und nimmt sich einem der Lämmer an, die erst vor wenigen Stunden durch eine Sturzgeburt zur Welt gekommen sind. "Diese Jungtiere werden wohl kaum den nächsten Tag erleben, denn die Mütter kümmern sich nicht um sie, weil sie völlig traumatisiert sind. Der Geburtstermin war eigentlich noch gar nicht ran", berichtet Gabriele Heinemeyer, die am Wochenende mit weiteren Frühgeburten und Todesfällen rechnet, denn noch habe man die Tiere nicht auf innere Verletzungen und äußere Wunden untersuchen können. "Ich habe aber mindestens 15 Tiere gezählt, die Rückenverletzungen aufweisen. Die werden sicher auch noch alle verlammen." Ihr Mann Erhard habe gestern beide Hunde eingefangen, als er sie auf frischer Tat beim Töten der Schafe erwischte. "Der Riesenschnauzer hat meinen Mann gebissen, doch zum Glück wurde er nur leicht verletzt." Die Polizei habe sofort nach Bekanntwerden des Massakers in der Heide die Ermittlungen aufgenommen und sei auch durch Hinweise eines Jägers auf beide Eigentümer der Hunde aus dem Bereich Kaliß gestoßen. "Die konnten die Tat ihrer Vierbeiner auch nicht leugnen, weil wir die Hunde ja gesehen und eingefangen haben", weiß Gabriele Heinemeyer weiter zu berichten. Auch dass sie das Problem mit wildernden Hunden schon seit Anbeginn ihres Hofes verfolgt. "Im Oktober letzten Jahres sind mir von 40 Heidschnucken, die zur Körung anstanden, nur noch zwölf übrig geblieben. Die restlichen wurden ebenfalls alle Opfer einer Hunde-Attacke, obwohl wir anfangs glaubten, ein Wolf hätte die Tiere gerissen. Doch der Wildbiologe Norman Stier hat nachgewiesen, dass es ein kleinerer Hund gewesen sein muss." Und auch schon 2006 seien unter anderem zwei Jungtiere von einem unbekannten Hund schwer verletzt worden. "Außerdem hat es einen gekörten schwarzen Waldziegenbock das Leben gekostet."

Pro Jahr, so rechnet die Schafzüchterin vor, kosten sie Hunde-Angriffe etwa vier bis fünf Schafe. Insgesamt hat sie mindestens 15 000 Euro schon an Schaden registriert. Der Wert eines Schafes wird mit etwa 200 Euro angesetzt, ist es tragend, werden noch einmal 400 Euro draufgeschlagen. Den Schaden des jetzigen Vorfalls beziffert sie deshalb auch auf mindestens 6000 Euro. "Dabei weiß ich nicht, wie viele Tiere noch in den kommenden Tagen verenden werden. Jedenfalls habe ich ein äußerst grausames Wochenende vor mir, weil ich zusehen muss, wie meine Tiere physisch und psychisch leiden und ich ihnen nicht helfen kann. Es ist schon schlimm genug, dass ich auch noch den Beweis dafür erbringen muss, damit Menschen, denen das Tun ihrer Hunde völlig egal ist, für solche Taten verantwortlich gemacht werden können", äußert Gabriele Heinemeyer ihre Bedenken. "Wie viele Attacken auf meine Schafe und Ziegen bleiben straffrei, weil ich bisher niemandem dafür etwas nachweisen konnte."

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