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Gerda Friz (Steinhagen) und ihre Cousine Hannelore Link (Schwaan) : Wiedergefunden nach 66 Jahren

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Am Ende des zweiten Weltkrieges haben sie sich aus den Augen verloren, bei der Flucht aus Ostpreußen in Richtung Westen. Jetzt, 66 Jahre später haben sie sich wiedergefunden.

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erstellt am 26.Mär.2011 | 02:18 Uhr

Steinhagen/Schwaan | Am Ende des zweiten Weltkrieges haben sie sich aus den Augen verloren, bei der Flucht aus Ostpreußen in Richtung Westen. Jetzt, 66 Jahre später haben sie sich wiedergefunden. Dabei wohnen sie seit 30 Jahren nicht einmal 30 Kilometer voneinander entfernt - Gerda Friz ist in Steinhagen Zuhause, ihre Cousine Hannelore Link in Schwaan.

"Ich habe die ganz Nacht nicht schlafen können, nachdem mich Gerda angerufen hatte", erzählt Hannelore Link. Das ist knapp vier Wochen her. Zuvor wusste die Schwaanerin wenig von ihrer Familie, hatte nur ein paar Fotos als Erinnerung. Es ist die typische Lebensgeschichte für die so genannte Kriegsgeneration. Im Winter 44/45 flieht Frieda Link mit ihrer Tochter Hannelore aus Waldau in Ostpreußen in Richtung Westen. Die Bilder von Flüchtlingen mit Pferdewagen, die tagelang über das Haff vor der herannahenden Roten Armee gen Westen fliehen - in einem Fernsehfilm erst kürzlich beeindruckend dargestellt - all das sind für Hannelore Link reale Bilder. "Drei Tage sind wir über das Haff gelaufen. Pferde brachen ein, weil das Eis nicht hielt", erinnert sich die Seniorin an diese dramatischen Tage vor 66 Jahren. Irgendwann kommen Frieda und Hannelore Link in Groß Grenz bei Schwaan an. Der Vater Friedrich Link wird an der Front vermisst. Die Mutter stirbt Anfang 1946 an Typhus. Die elfjährige Hannelore kommt in eine Pflegefamilie.

Ganz anders Gerda Friz, die fünf Jahre Jüngere. Aus dem ostpreußischen Dammfelde an der Memel landet sie mit ihrer Familie in Görslow bei Schwerin. "Wir hatten Glück, sind alle am Leben geblieben." Gerda Friz selbst zieht 1970 mit ihrem Mann nach Steinhagen. Sie arbeitet im Gesundheitswesen, Anfang der 1990er-Jahre im neuen ASB-Pflegeheim in Schwaan. Dort liegt zu jener Zeit auch eine Angehörige von Hannelore Link. Es kann durchaus sein, dass sich die beiden Frauen schon damals über den Weg gelaufen sind, ohne zu ahnen, dass verwandtschaftliche Bande sie verknüpft.

Davon erfahren sie erst im Februar 2011. Gerda Friz, startet eine Anfrage bei der Heimatortskartei Ostpreußen in Stuttgart, einem kirchlichen Suchdienst. Sie will wissen, was aus ihrer Tante Frieda und deren Ehemann Friedrich Link geworden ist. Nur wenig später kommt die Antwort. Friedrich Link gilt als vermisst, Frieda sei 1946 in Groß Grenz verstorben. Doch was ist aus Hannelore, ihre Cousine geworden? Und wieder spielt der Zufall eine Rolle.

Karl-Heinz Friz der Mann von Gerda Friz in Steinhagen blättert einfach mal im Schwaaner Telefonbuch und findet tatsächlich den Eintrag: Hannelore Link. Die hatte nie geheiratet und trägt so immer noch ihren Mädchennamen. Sofort greift Gerda Friz zum Telefon ...

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