Wieder Templin: Neonazi prügelt Jungen fast zu Tode

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12. August 2008, 07:48 Uhr

Templin/Neuruppin - Der 19-jährige Tatverdächtige soll in der Nacht zum Sonntag den Jugendlichen ohne Grund zu Boden gestoßen und ihm anschließend heftig mit dem Fuß gegen den Kopf getreten haben, wie die Staatsanwaltschaft Neuruppin gestern mitteilte. Der 16-Jährige verlor vorübergehend das Bewusstsein und erlitt schwere Verletzungen. Er befindet sich noch immer im Krankenhaus, schwebt jedoch nicht in Lebensgefahr.

Laut Staatsanwaltschaft ist der mutmaßliche Täter der rechten Szene zuzurechnen. Gegen den jungen Mann aus Milmersdorf wurde Haftbefehl wegen schwerer Körperverletzung erlassen, er war am Montag nach seiner Flucht festgenommen worden. Die Tat sei am „Rande eines versuchten Tötungsdelikts“ anzusiedeln.

Einen rechtsextremen Hintergrund schließt die Staatsanwaltschaft derzeit aus. Der 19-Jährige habe die Tat gestanden und angegeben, „ausgetickt“ zu sein. Er ist wegen Körperverletzung vorbestraft und wurde vor knapp zwei Monaten aus dem Jugendstrafvollzug entlassen.

Der 16-jährige Jugendliche war gemeinsam mit einem Freund mit dem Fahrrad auf dem Rückweg von einer Feier, als er von dem jungen Mann attackiert wurde. Durch die Tritte gegen den Kopf wurde unter anderem der Kiefer des Jungen gebrochen.

Erst Mitte Juli hatte Templin bundesweit für Schlagzeilen gesorgt, als ein arbeitsloser Mann vermutlich von zwei Neonazis zu Tode geprügelt wurde. Nach der Tat hatte Bürgermeister Ulrich Schoeneich (parteilos) erklärt, es gebe in der Stadt keine rechtsextreme Szene. Auch nach dem jüngsten Vorfall hob Schoeneich nun hervor: „Templin ist keine besondere Stadt, sie ist nicht besonders rechts oder links.“

Nach Ansicht von Johanna Kretschmann von der Organisation Opferperspektive hat Templin dagegen vor allem ein Problem mit rechter Gewalt. „Im letzten Jahr gab es eine erschreckend hohe Anzahl rechtsextremistisch motivierter Gewalttaten“, berichtete sie. „Es ist wichtig, dieses Problem zu benennen.“ Alleine zwischen Juni 2007 und Juli 2008 seien in Templin zehn rechtsextremistisch motivierte Taten gezählt worden, damit spiele die Kleinstadt „in einer Liga mit Cottbus oder Potsdam“.

Auch der Chef des Mobilen Beratungsteams, Dirk Wilking, hält eine „Präzisierung“ der geplanten Anti-Gewalt-Kundgebung in eine Veranstaltung gegen rechte Gewalt für sinnvoll. Es sei häufig ein „Reflex der Hilflosigkeit“, das Problem zu leugnen. Mit Blick auf den jüngsten Übergriff gab Wilking jedoch zu bedenken: „Eine rechtsextremistische Tat ist etwas anderes als die Tat eines Rechtsextremisten.“

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