Wie gesund ist Biostrom?

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01. Mai 2008, 09:33 Uhr

Bützow - Immer mehr Maisfelder gibt es in der Region. Sie liefern den Rohstoff für Biogasanlagen, und die, die noch gebaut werden. Ist diese Entwicklung gesund? Gesund für die Menschen, gesund für die Natur, gesund für das Land? Antworten suchte der SPD-Ortsverein Bützow bei einer öffentlichen Diskussion mit Landwirtschaftsminister Till Backhaus.

Der SPD-Minister lobte die „Vorreiterrolle“, die das Land bei der Nutzung erneuerbarer Energien einnimmt. „Energie ist Leben“, sagte Backhaus. Angesichts der Endlichkeit von Rohstoffen sei der Weg Deutschlands, bis 2020 rund 20 Prozent des Stromverbrauchs aus erneuerbarer Energie zu gewinnen, richtig. Backhaus verwies auf die Bützower Biogasanlage. Sie liefere nicht nur Strom, sondern auch Wärme, und verringere zugleich den CO2-Ausstoß. Heizwerk-Chef Peter Dethloff, der die Anlage betreibt, bestätigte: Wenn alle vier Anlagen in Betrieb sind, erzeugen wir den gesamten Strombedarf von Bützow. „So bleibt Wertschöpfung in der Region“, sagt Backhaus.

Das bezweifelt Udo Lenz aus Dietrichshof, er sieht vor allem in den großen Anlagen wie in Güstrow und Zernin eine Gefahr. Sie erfordern so viel Mais, dass sie den Weg zur Monokultur „Tür und Tor öffnen“. Das werde nicht passieren. Cross Compliance, die Kopplung von Prämienzahlungen für Landwirte an die Einhaltung von Umweltstandards, werde greifen, versuchte Backhaus zu vermitteln. Zweifelnde Blicke blieben und die Frage zum Einsatz von genverändertem Mais. Die von der EU und damit von Deutschland zugelassenen sechs Sorten könne man nicht verhindern, erklärte der Minister.

Agrarwissenschaftler Dr. Ulrich Bauer aus Kambs hielt dagegen: „Genveränderte Pflanzen brauchen wir nicht. Sie bringen keine höheren Erträge.“ Richtig und wichtig sei, die Fruchtfolge einzuhalten, um den Boden und die Kulturen zu schützen. Außerdem plädierte er für einen breiten Mix beim Einsatz erneuerbarer Energien, wie Wind, Sonne, Biomasse. In diesem Punkt herrschte Einigkeit. Und auch darin: Kleinere Biogasanlagen, die an Höfe und damit an den Boden gekoppelt sind, seien besser, als Gigantismus. „Doch Kapital sucht sich seinen Weg“, räumte Backhaus ein, größere Anlagen derzeit nicht verhindern zu können.

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