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Plau am See : Wie ein Fisch auf dem Trockenen

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Schon mit 15 Jahren zog es Wichmann zur Schifffahrt und seither vergeht selten ein Tag, an dem er das Wasser nicht in Sichtweite hat. 1991 kaufte der Plauer das Fahrgastschiff Dr. Ernst Alban.

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erstellt am 20.Jul.2011 | 11:43 Uhr

Wenn die Dr. Ernst Alban flussabwärts auf der Elde schippert, verbeugt sich rechts und links das Schilf am Ufer. Die Bugwelle des 100 Tonnen schweren Fahrgastschiffes ist so stark, dass die Strömung die Halme einfach auf das Wasser drückt. Mühelos steuert Kapitän Wolfgang Wichmann sein Schiff durch die Flussbiegungen in Richtung Lübz. Heute hat er einige Hindernisse zu überwinden: Drei Schleusen liegen auf der Strecke zwischen Plau und der Eldestadt.

Für den kleinen Hunger ist gesorgt

Auf Deck haben es sich die Gäste in der Sonne gemütlich gemacht. Leise dudelt Musik aus einem Lautsprecher, die nur manchmal von einer Ansage des Kapitäns unterbrochen wird. "Wildschweine gibt es hier wenige", sagt er gerade, was allgemeines Gelächter hervorruft. Denn just vor einer Minute versuchten ein paar Touristen, welche im Dickicht ausfindig zu machen. Unterdessen bringen Silke Wienhold und Frank Erdmann, genannt "Eddy", Kaffee oder einen Snack gegen den kleinen Hunger.

Für die Crew ist die Schleusenfahrt ein echtes Highlight. "So etwas machen wir nicht alle Tage", sagt Anette Wolf, die Tochter des Kapitäns. Seit 2008 leitet sie das Familienunternehmen zusammen mit ihrem Mann Thomas. Nach der Wende waren die beiden zehn Jahre in Süddeutschland, aber ihnen fehlte der Plauer See. "Als die Eltern das Geschäft abgeben wollten, haben wir nicht lange gezögert", sagt Wolf. Ihr gefällt die familiäre Atmosphäre an Bord und der tägliche Kontakt mit Menschen. Manche Touristen kommen immer wieder und zählen inzwischen schon zu den Stammgästen.

So eine Wiederholungstäterin ist auch Simona Schneider aus Leipzig. Anfang der 70er-Jahre hat sie das erste Mal in der Region Urlaub gemacht und ist immer wiedergekommen. "Plau ist die pure Entspannung", sagt die Versicherungsfachwirtin. Handy und Laptop hat sie bewusst zuhause gelassen, um sich einmal so richtig zu erholen. "Einmal im Jahr brauche ich eine Auszeit", sagt sie.

Wolfgang Wichmann steht im Steuerstand und schaut auf das Tor der Bobziner Schleuse. Von allen 17 Schleusen der Elde ist sie mit sieben Metern Fallhöhe die größte. "Besonders die jungen Leute wissen nicht mehr, dass sie abschalten müssen", sagt der Kapitän. Die Farbe des bemalten Metalles spiegelt sich in seinen ohnehin blauen Augen. Aber Fahrgastschifffahrt funktioniert nicht nach Stechuhr. Manchmal muss man eben warten, wie jetzt, denn an den Schleusen herrscht in der Hochsaison reger Betrieb. Und dann werden die Gäste ungeduldig.

Schon mit 15 Jahren zog es Wichmann zur Schifffahrt und seither vergeht selten ein Tag, an dem er das Wasser nicht zumindest in Sichtweite hat. 1991 kaufte der Plauer das Fahrgastschiff Dr. Ernst Alban von der Stadt. Mittlerweile gondeln drei Schiffe über den See. Obwohl er längst in Rente gehen könnte, steht Wichmann noch immer fast täglich am Steuer. Ohne seine Schiffe wäre er wohl wie ein Fisch auf dem Trockenen.

Am Ufer gleitet der Zeltplatz Kuppentin vorbei und einige Camper prosten den Ausflüglern auf Deck zu. Ein paar Kinder winken. Dreimal muss Silke Wienhold Scherben aufsammeln, wenn mal wieder ein Glas zu Bruch geht. "Wer lacht, hat noch Reserven", ruft sie Eddy zu. Fast zehn Stunden haben die beiden die Gäste bedient. Der Arbeitstag von Anette und Thomas Wolf dauert noch länger. Denn am Abend gehen sie noch die Buchungen für die nächsten Tage durch oder schreiben Angebote aus. Ihren eigenen Urlaub verbringt die Familie vorzugsweise im Süden. "Wir fliegen im Winter in die Sonne", sagt Anette Wolf und Silke Wienhold ergänzt: "wie die Vögel".

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