zur Navigation springen

Acht Cello-Solisten aus aller Welt in der Rostocker Halle 207 : Wettstreit mit Ensemblesinn

vom

Die Halle 207 der ehemaligen Neptunwerft in Rostock, die derzeit beliebteste Spielstätte des Volkstheaters Rostock, ist in diesen Tagen für die Aufführung des Musicals West Side Story hergerichtet.

svz.de von
erstellt am 05.Jul.2011 | 11:54 Uhr

Die Halle 207 der ehemaligen Neptunwerft in Rostock, die derzeit wohl beliebteste Spielstätte des Volkstheaters Rostock, ist in diesen Tagen für die Aufführung des Musicals West Side Story hergerichtet.

Ein Bauzaun durchquert die Bühne, links und rechts Müllcontainer, vollgestopft mit alten Musikinstrumenten. In dieses Ambiente hatten sich am Sonntagnachmittag die Festspiele Mecklenburg-Vorpommern mit einem Cello Show Down begeben, auf deutsch: eine Kraftprobe von Cellisten. Mit umgestürzten Sesseln und Notenständern und einem abgerissenen Festspiele-Hänger hatten sie versucht, diese Kraftprobe zudem im zwielichtigen Milieu amerikanischer Preisboxer anzusiedeln.

Eine völlig unnötige Mühe, die von manchen Konzertbesuchern gar nicht verstanden wurde. Denn die Musik der acht hochkarätigen Cellosolisten aus aller Welt war nichts weniger als heruntergekommenes Preisboxen. Sie war brillant, virtuos, elegant, zeigte einen ausgefeilten Sinn der Solisten für das Ensemblespiel und die funkelnde Vielfalt des Celloklanges. Da konnte man zu Beginn in zwei Duetten erstaunt feststellen, wie unterschiedlich Celli klingen können. Das Instrument von Li-Wei Qin, dem diesjährigen Preisträger in Residence der Festspiele, entfaltete ein prachtvolles Bariton-Timbre, das der Schwede Claes Gunnarsson mit seinem Cello zur Tiefe hin sogar noch abrundete. Sie spielten zwei nach Pop-Mustern einfallsreich komponierte Sätze der in Taschkent geborenen Komponistin Elena Kats-Chernin. Mit der hellen Klangfarbe des Tenors hingegen spielten der Koreaner Young-Hoon Song und der Deutsch-Japaner Danjulo Ishizaka die ein Jahrhundert früher entstandene G-Dur-Suite von David Popper, fünf hochvirtuose und zugleich phantasievolle Sätze in faszinierend aufeinander abgestimmtem Zusammenspiel. Am meisten jedoch waren die Zuhörer von den kompakten Besetzungen beeindruckt. Schon das Requiem für sechs Celli von Popper, das einen dichten, hochromantischen Klang bietet, wurde voller Begeisterung aufgenommen. Vor allem aber wurde die große Runde aller acht bejubelt, für die der britische Cellist James Barralet eine eigene Komposition mitgebracht hatte. Auch die Tango-Kompositionen der "Vier Jahreszeiten" von Astor Piazzolla hat Barralet für acht Celli arrangiert und dabei neben den Tönen verschiedene rhythmische Geräuscheffekte eingebaut, die auf oder gar hinter dem Steg zu spielen sind. Diesen feinen Sinn für die Erweiterung des Klangspektrums setzte er natürlich auch in seiner eigenen Komposition "4 Folksongs of the world" ein. Mit welcher Treffsicherheit und Verständlichkeit er in den vier Liedern aus Indien, Ungarn und Russland die Seele der jeweiligen Völker und deren spezifische Volksmusik charakterisierte, war frappierend.

Die Lust am Spiel, die nicht nur die Komposition, sondern auch die acht Musiker bei der Aufführung offenbarten, wirkte mitreißend, je elektrisierend auf das Publikum, das in Jubel ausbrach und den Beifall mit Trampeln und Pfeifen unterstützte.

Zu dieser begeisterungsfähigen Stimmung in der Halle 207 hatte auch Daniel Hope beigetragen, der diesmal nicht die Geige in die Hand genommen hatte, sondern das Skript des Moderators, aus dem er viele interessante Details zu Musik und Musikern unterhaltsam offerierte. Hope kündigte auch das nächste Novum der Festspiele an, einen "Festspielfrühling" auf der Insel Rügen vom 16. bis 25. März kommenden Jahres, unter der künstlerischen Leitung des preisgekrönten Fauré Quartetts.

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen