Westfirmen zieht es in den Osten

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30. September 2008, 06:33 Uhr

Schwerin - Platzmangel, teure Grundstückskosten, hohe Auflagen: Schlechter werdende Standortbedingungen im Westen sorgen für Investorenzulauf in MV. Medizintechnikhersteller und Anlagenbauer aus Hamburg, Lübeck und Bad Schwartau siedeln in den Osten über – Arbeit für den Nordosten.Die Klagen häufen sich: In westdeutschen Unternehmen wird der Platz knapp. So stößt der Medizintechnikhersteller Webeco an seinem Unternehmensstandort in Bad Schwartau an Grenzen.

Die Umgebung habe sich immer mehr zu einem reinen Wohngebiet entwickelt, in der Expansionspläne nicht mehr umsetzbar waren, kritisiert das Unternehmen. Jetzt zieht Webeco einen Schlusstrich und verlegt den Stammsitz ins ostdeutsche Gewerbegebiet Selmstorf – 75 hochwertige Arbeitsplätze für MV. Die gesamte Entwicklung und die Tests von Reinigungs- und Desinfektionsgeräten für Krankenhäuser, Arztpraxen und Laboren in Deutschland, Polen und Russland werde in Selmsdorf konzentriert, erklärte Marketingchef Stephan Trispel.

Kein Einzelfall: MV kann sich immer häufiger durchsetzen und mit großzügigen Flächenangeboten und schnellen Genehmigungsverfahren punkten. „Solche Entscheidungen bestätigen die guten Rahmenbedingungen in Mecklenburg-Vorpommern und sind auch gut für das Image“, erklärte Wirtschaftsminister Jürgen Seidel (CDU).

Die ohnehin bis 2013 begrenzte Wirtschaftsförderung sei längst nicht mehr allein ausschlaggeben, beobachteten Wirtschaftsförderer. Bei der Ansiedlung von Unternehmen spielten zunehmend Faktoren wie Arbeitskräfteverfügbarkeit eine Rolle. MV setze „sich deutlich als Alternative zu Standortexpansionen deutscher und internationaler Firmen nach Osteuropa durch“, meinte Michael Sturm, Chef der landeseigenen Wirtschaftsfördergesellschaft Invest in MV.

Die Vorzüge sprechen sich herum: Bereits zuvor hatte sich das Lübecker Medizintechnikunternehmen Euroimmun für den Aufbau eines Standorts für Labordiagnostik und Medizingerätebau in einem Werk des in die Pleite gerutschten CD-Werkes Dassow entschieden. Bis zu 500 Jobs stellte das Unternehmen in Aussicht.

Auch Hamburger Firmen kehren ihrem alten Standort den Rücken. So hat der Kompensatoren und Schlauchfabrikant HKS seinen Hauptsitz nach Rostock verlegt – Arbeit für zunächst 70 Beschäftigte und Investitionen in Höhe von 2,3 Millionen Euro. Der Grund: Die guten Rahmenbedingungen hätten das Unternehmen bewogen, die Produktion in Rostock zu bündeln, sagte HKS-Chef Frank Hunold. Die nächsten Investoren aus den alten Ländern kündigen sich indes an. Derzeit werde mit einem westdeutschen Lebensmittelhersteller über einen Umzug nach MV verhandelt, kündigte Martin Broziat, Chef der Wirtschaftsförderungsgesellschaft Nordwestmecklenburg an.

Zwar hat der Übersiedlungsboom von westdeutschen Unternehmen vor allem an Standorte unmittelbar an der Landesgrenze zu Schleswig-Holstein an Schwung verloren, das Ansiedlungsgeschäft hat aber dennoch allein dem Landkreis Nordwestmecklenburg tausende, neue Jobs beschert – mehr als 2000 in den Gewerbegebiete in Selmsdorf, Upahl, Schönberg, Lüdersdorf und Dassow. „Für viele westdeutsche Firmen stellt sich die Standortfrage“, meint Broziat. Der Nordwestkreis bereitet sich darauf vor: Die Gewerbegebiete sowohl in Schönberg als auch in Rehna werden vergrößert.

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