Wer Wasser spart, zahlt drauf

Oh Schreck: Die Leitung stöhnt – zu wenig Wasser. Dabei hat es der Verbraucher  nur gut gemeint mit dem Wasser sparen. Karikatur: Thomas Znoyek
Oh Schreck: Die Leitung stöhnt – zu wenig Wasser. Dabei hat es der Verbraucher nur gut gemeint mit dem Wasser sparen. Karikatur: Thomas Znoyek

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06. August 2008, 09:30 Uhr

Bützow - Der Durchschnittsdeutsche verbraucht rund 126 Liter Trinwasser pro Tag, davon fließt ein Drittel das WC runter – eigentlich viel. Zwischen den Bundesländern gibt es jedoch starke Unterschiede, die Bützower verbrauchen z.B. „nur“ 89 Liter Wasser täglich. Die Folge: Zu wenig Wasser fließt durch die Abwasserleitung. Was das bedeutet, erklärt Axel Hamann, Bützower Gebietsdirektor der Eurawasser Nord. „Die Leitungen sind für eine bestimmte Menge an Wasser und Verbrauchern ausgelegt, damit die Rohrfüllung perfekt abläuft.

Wenn die unterschritten wird, steht das Wasser und kann leicht faulen. Es bildet sich Schwefelwasserstoff, diese Säure greift die Kanäle an, es kommt zur Korrosion.“ Und das bedeutet Extraarbeit und Kosten für die Abwasserentsorger: Sie müssen nachspülen, wo der Bürger spart. Mehrmals im Jahr säubert Eurawasser gefährdete Stellen mit einem Hochdruckspülfahrzeug. Besonders auf dem Land kommt es zu dem Problem.

Vor der Wende sei der Wasserverbrauch noch viel größer gewesen. „Damals verbrauchte man im Durchschnitt noch über 130 Liter. Trinkwasser war deutlich billiger, da wurden auch Gärten mit bewässert – heute überlegt man sich das dreimal“, sagt Axel Hamann.

Weitere Ursache des geringen Verbrauchs: Bützow verliert immer mehr Einwohner. Als die Anlagen aber geplant und gebaut wurden, nahm man die damalige Einwohnerzahl als Berechnungsgrundlage. „Die Dimension ist heute nicht mehr optimal“, sagt Hamann.

Das Problem: Auch bei weniger Wasser bleiben die Kosten für den Versorger fast gleich. „Etwa 80 Prozent dabei sind Fixkosten, egal ob und wie viel Wasser durchfließt oder nicht“, erklärt Olaf Danneberg, stellvertretender Geschäftsführer des Wasserversorgungs- und Abwasserzweckverbandes. „Dabei steigen die Preise für Energie, und da wirkt der Preisdruck auch auf uns.“ Und diesen müssen sie auch an die Verbraucher weitergeben: Die Grundgebühr für Trinkwasser wurde zuletzt Anfang dieses Jahres erhöht.

Die Mengengebühr für Abwasser wurde jedoch vereinheitlicht: Aus vorher fünf Zonen mit zwei verschiedenen Preisen wurde der billigere Tarif für alle festgelegt. Der Verband versuche, Sparpotenziale zu nutzen – drehzahlgeregelte Pumpen, stromsparende Aggregate. „Aber irgendwo gibt es Grenzen, dann ist der Preisdruck unter Umständen irgendwann größer als das Sparpotenzial.“ In naher Zukunft seien jedoch keine Gebührenerhöhungen geplant, sagt Olaf Danneberg.

Noch sei das Thema nur eine Randerscheinung, die Kosten nicht genau bestimmbar, sagt Axel Hamann von Eurawasser. „Durch den demografischen Wandel kann es aber zu einem großen Problem werden.“

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