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Blütenkönigin sucht Nachfolgerin : "Wer ist nicht gern mal eine Königin?"

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Majestät kommen höchstpersönlich zur Tür, als der Pressemensch vor dem Haus in der Wittenburger Innenstadt steht. Ohne Krone, Schärpe, Umhang, Kleid und hohe Schuhe ist Christin Meyer eine ganz normale jungeFrau.

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erstellt am 09.Apr.2011 | 08:15 Uhr

Wittenburg | Majestät kommen höchstpersönlich zur Tür, als der Pressemensch endlich vor dem Haus in der Wittenburger Innenstadt steht. Ohne Krone, Schärpe, Umhang, Kleid und hohe Schuhe ist Christin Meyer eine ganz normale junge Frau aus der Region, allerdings eine auffallend hübsche. Die 21-Jährige, die immer noch verlegen lächeln kann, wohnt bei ihren Eltern, noch. Denn der Zusammenzug mit gleichaltrigen Freund Matthias ist schon fest eingeplant, die Wohnung ist schon in Vorbereitung.

Dass man zu Gast ist bei der amtierenden Blütenkönigin ist schnell vergessen, die Natürlichkeit von Christin ist echt, ihre Unbefangenheit auch. Diese war es auch, die ihr vor zwei Jahren zu dem Ehrentitel verhalf. Schuld an dem Ganzen war Oma Bärbel Rausch, die damals noch bei Fruchtquell arbeitete. Christin hatte dort auch schon mal gejobbt, genauer gesagt in Schwechow, in den Ferien. Und Oma Rausch, die auch nicht auf den Mund gefallen ist, kam mit der Idee um die Ecke, Christin könne doch bei der Wahl in Dodow mitmachen. Mehr wollte die junge Frau auch nicht. "Ich habe bis auf die Bühne hinauf geglaubt, dass die andere Bewerberin aus Neustadt-Glewe das Rennen macht", erinnert sie sich noch heute. Und dann fiel ihr Name, wurde sie vom Ausnahmesportler Stefan Nimke zur neuen Blütenkönigin gekürt.

Welche 21-Jährige wird schon nach Autogrammen gefragt?

Was sie seitdem erlebt hat, konnte ihre Welt nicht komplett verändern, bereichert hat sie das Erlebte doch. "Das kann man wirklich machen, es hat schon was, wenn man mit dem Kleid und dem ganzen Aufzug im Mittelpunkt steht. Wer wird in meinem Alter schon nach Autogrammen gefragt und wird von wildfremden Menschen immer wieder fotografiert", erzählt sie mit Blick auf ihre Nachfolgerin. Vorbereitet auf den Job als Königin war sie nicht, das nötige Wissen über die Äpfel, die Blüten, Fruchtquell und Dodow hat sie sich erst später angeeignet. "Ich hatte ja keine Ahnung was da kommt." Auf die Bühne in Dodow war sie mangels anderer Sachen in ihrem Kleid vom Abi-Ball gestiegen. Wenig später besorgte sie sich in Schwerin ein Brautkleid, das schließlich mit den Utensilien umgestaltet wurde für die königlichen Auftritte. Den ersten gab es gleich beim Erntedankfest vor zwei Jahren, viel Zeit zur Eingewöhnung gab es somit nicht.

Und die Familie, die ist eigentlich von Anfang an stolz gewesen auf die Tochter. Sowohl Vater Frank (41) und Mutter Karina (39) hätten sie bei allem sehr unterstützt. Mutter Karina, die später beim Gespräch dabei ist, lächelt immer wieder bei den Erinnerungen an die vergangenen zwei Jahre. Sie hat es genossen, dass ihre Tochter mal auf ganz andere Veranstaltungen kam als ihre Klassenkameraden. Freund Matthias, den sie erst kennenlernte, als sie schon Blütenkönigin war, hat sie vom "Zweitjob" nicht gleich erzählt. Später, so erinnert sie sich, sei er eigentlich ganz froh gewesen, eine so berühmte Freundin zu haben. Wer habe schon eine Königin zu Hause. Doch nun, nach zwei Jahren, sei es dann auch genug, finden beide, Christin und ihr Freund.

Denn ganz so ohne ist es nicht, was da verlangt wird. "So viel muss man meist gar nicht erzählen, das Repräsentieren, Lächeln und Schönsein ist viel wichtiger", weiß die Wittenburgerin, die in Hagenow im Wendejahr 1989 geboren wurde. "Immer schön freundlich sein", das lerne man sehr schnell auf den Festen, denn nicht jeder, der einen anspricht ist unbedingt rücksichtsvoll.

Auf die Frage, wie viele offene und verdeckte Angebote sie denn von Männern bekommen habe, kommt die Antwort schnell: "Eine ganze Menge, das meiste kam allerdings von den alten Männern. Womit die über 50 Jahre gemeint sind." Doch Probleme habe es nie gegeben, meist reiche es, die Dinge wegzulächeln.

Hilfreich ist auch eine gewisse Schlagfertigkeit, die anderen den Wind aus den Segeln nimmt und Ausdauer. Das oft stundenlange Stehen oder Umherlaufen in Kleid und in hohen Schuhen. Doch Absätze als Königin müssen sein, mein Christin. "Da steht man doch ganz anders da."

Ganz anders ist sie auch in ihrem Beruf, da verkauft sie nämlich Diesel und Benzin im Auftrag von Raiffeisen Mölln. "Da habe ich den ganzen Tag es mit gestandenen Männern zu tun, die kein Blatt vor dem Mund nehmen. Da lernt man auch schnell, entsprechend zu antworten", lacht die 21-Jährige, die in wenigen Wochen fertige Groß- und Außenhandelskauffrau sein will. Ihrer Firma in Breitenfelde will sie treu bleiben, vielleicht steht noch die Ausbildung zur Handelsfachfrau an. Ihr Unternehmen war immerhin so stolz, dass es eine extra Karte drucken ließ, um den Kunden mitzuteilen, dass sie "königlich" bedient werden.

Kleiner Plausch mit Kanzlerin Angela Merkel

Was bleibt hängen außer manchmal schmerzenden Füßen nach langen Empfängen? Vieles, vor allem habe sie viele Leute kennen gelernt. Immerhin hat Christin Meyer auch schon persönlich mit der Bundeskanzlerin gesprochen, hat Hans-Theodor zu Guttenberg die Hand geschüttelt und auch die wirklich nette Verbraucherschutzministerin Ilse Aigner kennen gelernt. "Das wäre mir als Christin Meyer wohl nie passiert, als Blütenkönigin schon. Ich bin rumgekommen, musste mir auch manchmal Musik anhören, die ich nicht so mag, unterm Strich war es eine wirklich interessante Zeit. Wer ist als Mädchen nicht mal gern Königin, auch wenn es nur auf Zeit ist?"

Ihre Nachfolgerin wird nun gesucht. Gekürt wird die neue Blütenkönigin von einer Jury, die unter Verantwortung des Sportvereins Dodow als Ausrichter des Blütenfestes zusammengestellt wird. Wer sich als Kandidatin melden möchte oder einen Tipp für eine gute Kandidatin hat, melde sich bitte unter 01746363894 bei Liane Klein.

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