Morgen Ausstellungseröffnung und Fachtag in Grevesmühlener Malzfabrik : Wenn zu Hause die Angst regiert

Häusliche Gewalt ist meist Männersache: Zehntausende Deutsche schlagen  jedes Jahr zu.dpa
Häusliche Gewalt ist meist Männersache: Zehntausende Deutsche schlagen jedes Jahr zu.dpa

"Gewalt in Paarbeziehungent" - unter diesem Motto und im Rahmen der Antigewaltwoche 2011 finden am Mittwoch eine Fachtagung und Ausstellungseröffnung in der Grevesmühlener Malzfabrik statt.

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31. Oktober 2011, 05:05 Uhr

Grevesmühlen | "Gewalt in Paarbeziehungen - Möglichkeiten und Grenzen der Gesellschaft" - unter diesem Motto und im Rahmen der Antigewaltwoche 2011 finden am Mittwoch, 2. November eine Fachtagung und eine Ausstellungseröffnung in der Grevesmühlener Malzfabrik statt.

"Irgendwann bekam ich das Geld abgezählt und konnte kaum noch etwas selbstständig entscheiden. Ich wollte arbeiten, um eigenes Geld zu haben, aber er hat es mir verboten. Ich sollte mich mehr um unsere Tochter kümmern. Dann kam sein lang ersehnter Sohn, aber alles wurde noch schimmer statt besser. ,Kannst Du nicht die Kinder ruhig halten?’, hat er mich ständig angebrüllt. Und dann hat er mich zum ersten Mal richtig verprügelt. Anschließend weinte er, machte mir Geschenke, um alles wieder gut zu machen. Und ich dachte, wir könnten noch mal von vorne anfangen. Nach drei Monaten schlug er mich wieder..."

Dieses Beispiel steht auf dem Flyer zum Fachtag. Karina Brauer kennt die Frau, die das erlebt hat, denn als Leiterin der Awo-Kontakt- und Beratungsstelle für Opfer häuslicher Gewalt in Grevesmühlen kümmert sie sich um Frauen, die Gewalt in Paarbeziehungen erleben müssen. "Jede vierte Frau in der Bundesrepublik erlebt Gewalt hinter verschlossen Türen", sagt Karina Brauer. Doch nur wenige würden sich trauen, mit ihrer Geschichte an die Öffentlichkeit zu gehen und sich von dem zu trennen, der ihnen das antut. Die Gründe dafür seien vielschichtig, weiß Sylvia Bruse, Gleichstellungsbeauftragte des Landkreises Nordwestmecklenburg. Scham- und Schuldgefühle, Angst vor Isolation und davor, die Anforderungen nicht allein bewältigen zu können. Materielle Abhängigkeit, Verlust des Lebensumfeldes und familierer Kontakte spielen oftmals eine Rolle, und auch das traditionelle Partnerschafts- und Familienbild verhindere eine Trennung. "Es gibt auch Fälle, da droht der Misshandler mit Mord, Selbstmord oder damit, den Kindern etwas anzutun", sagt Sylvia Bruse.

"Häusliche Gewalt ist keine Privatsache", sind sich die beiden Expertinnen einig - und deshalb soll dieses Thema weiter enttaburisiert werden. Dabei helfen soll die Ausstellung, die eingebettet wurde in einen Fachtag, der morgen um 9 Uhr in der Malzfabrik in Grevesmühlen beginnt. Die 26 Schautafeln umfassende Ausstellung, die vom Landeskriminalamt Niedersachsen konzipiert wurde, nimmt sich insbesondere des vorbeugenden Blickwinkels an. Auch Kinder und Jugendliche erleben in ihrer Familie sowohl Gewalt zwischen den Eltern als auch unmittelbar körperliche oder psychische Gewalt. "Viele dieser Jungen werden später selber Täter, viele der Mädchen Opfer", sagt Karina Brauer. Hauptziel dieser Ausstellung sei es, Jugendliche für ihr eigenes Verhalten in Paarbeziehungen zu sensibilisieren.

Alle Altersklassen und Gesellschaftsschichten betroffen

Körperliche und psychische Gewalt in Paarbeziehungen - "das zieht sich durch alle Gesellschaftsschichten und Altersklassen", weiß die Kontaktmitarbeiterin der Awo, die jährlich mit knapp 50 Betroffenen ins Gespräch kommt. Zwar gäbe es darunter auch Männer, doch vornehmlich seien es Frauen, die Zuhause mit Gewalt konfrontiert werden.

Neben der Ausstellung, die bis zum 10. November zu sehen ist, wird am Mittwoch um 11 Uhr auch der Dokumentar-Film "Das Problem ist meine Frau..." gezeigt. In einer Laborsituation mit echten Gewaltberatern und Schauspielern zeigt der Regisseur Männer bei einem Versuch, aus der Gewaltspirale auszubrechen. Daneben gibt es zwei Referate mit den Themen "Strategien gegen Gewalt im Geschlechterverhältnis" (12.45 Uhr) und "Gewalt und Agressivität bei Abhängigkeitserkrankungen" (13.20 Uhr). Eine Podiumsdiskussion, an der neben einer Professorin und einer Oberärztin auch Karina Brauer und Sylvia Bruse teilnehmen werden, ist für 14 Uhr vorgesehen.

Die Beratungsstelle ist werktags von 8 bis 16 Uhr telefonisch erreichbar unter 03881/75 85 64.

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