Wenn Wissen zur Last wird - SVZ kontrollierte Gewicht von Schulranzen

Schüler der Freien Schule Bützow und ihre gewichtigen Ranzen, v.l.: Marcus Block (6 Jahre, 1. Klasse, 1,5 Kilogramm), Lena Bogdanski (8, 2. Klasse, 1,5), Wencke Kindor (8, 3. Klasse, 1,5), Frithjof Schulz (10, 4. Klasse, 7,7), Felix Trost (11, 5. Klasse, 7) und Clara Schwarzenberg (12, 6. Klasse, 7,6). Foto: Hans-Jürgen Kowalzik
Schüler der Freien Schule Bützow und ihre gewichtigen Ranzen, v.l.: Marcus Block (6 Jahre, 1. Klasse, 1,5 Kilogramm), Lena Bogdanski (8, 2. Klasse, 1,5), Wencke Kindor (8, 3. Klasse, 1,5), Frithjof Schulz (10, 4. Klasse, 7,7), Felix Trost (11, 5. Klasse, 7) und Clara Schwarzenberg (12, 6. Klasse, 7,6). Foto: Hans-Jürgen Kowalzik

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08. September 2008, 06:21 Uhr

Bützow - Der Erstklässler Marcus Block hat eine Woche Schule hinter sich und schon erfahren, wie schwer ein Schulranzen sein kann, wenn man alles hineinpackt, was man für die Schule benötigt: Hefte, Schnellhefter, Bücher, Federtasche und zum Frühstück Brotbüchse und Trinkflasche. Aber der SVZ-Schulranzen-Gewichtstest fiel bei ihm trotzdem positiv aus.

1,5 Kilogramm zeigte die Waage. „Das schaffe ich zu tragen“, erklärte der Sechsjährige. Das dürfte ihm in der 1. Klasse auch weiter gelingen, weil die Freie Schule Bützow den Schülern ermöglicht, die meisten Sachen in den Eigentumsfächern im Klassenraum zu lassen.

Schulleiterin Ute Trzinski: „Die Entscheidung haben wir getroffen, weil wir wissen, dass der Schulranzen gefüllt schnell über sieben Kilogramm wiegen kann. Deshalb wird er bei uns nur am Freitag schwerer, wenn die Schüler am Wochenende mehr zu erledigen haben oder ihren Eltern einiges zeigen wollen.“

Das bestätigt Anja Block. Die Mutter lobt das Angebot der Schule. „Da die Schule eine volle Halbtagsschule ist, erledigen die Kinder meist die Hausaufgaben dort, sodass sie in der Woche kaum Bücher nach Hause mitnehmen müssen“, erklärt sie.

Da sie durch den Bruder von Marcus wusste, wie es in der Schule läuft, musste die Familie auch nicht so auf das Gewicht des leeren Schulranzens schauen. Anja Block: „Wir haben ihn nicht gewogen, sondern per Hand für gut befunden. Da hatten wir das Gefühl, dass er leicht und fluffig ist. Außerdem war für uns entscheidend, welchen Ranzen Marcus haben wollte.“ Daher fällt bei Blocks auch das „Entrümpeln“ des Ranzens, was Experten Eltern empfehlen, am Morgen vor der Schule weg.

Hersteller und Mediziner empfehlen, dass Ranzen und Inhalt nicht mehr als zehn bis 12,5 Prozent des Körpergewichts des Kindes betragen sollen. Das Eigengewicht des Ranzens sollte in den ersten beiden Klassen nicht die 1,2 und sonst nicht die 1,5 Kilogramm überschreiten.

Tipp: Bücher und Materialien bleiben in der Schule
In der Freien Schule kontrollierten wir die Schultaschen von Schülern bis zur sechsten Klasse. Mit Inhalt musste Frithjof Schulz (10) aus der vierten mit 7,7 Kilogramm den schwersten Ranzen buckeln. Das sind 18 Prozent seines Gewichts, aber in der Schule die Ausnahme.

Ist der Ranzen zu schwer, ist er eine Gefahrenquelle. Dr. Markus Puskeiler: „Gleichgewicht und Standvermögen können gestört und vermindert werden. Auch ist bei Kindern die Muskulatur anfällig, weil sie noch nicht ausgeprägt ist.“ Funktionsstörungen würden später Strukturveränderungen nach sich ziehen, sagt der Bützower Orthopäde.

Es sei zwar nicht erwiesen, dass ein schwerer Schulranzen später zu schweren Haltungsschäden führe, aber sicher sei, dass es negative Auswirkungen auf die Wirbelsäule gäbe und in einer Kette zum obersten Sprunggelenk sowie zum Knie- und Hüftgelenk.

Dr. Puskeiler weist aber auch darauf hin, dass nicht nur das Gewicht entscheidend ist, sondern auch, wie der Schulranzen getragen wird. Er müsse in der Höhe der Schultern sitzen und nicht, wie oft zu sehen, fast in den Kniekehlen hängen. Auch sollten schwere Bücher so gepackt werden, dass sie beim Tragen am Rücken sind, empfiehlt der Mediziner.

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