Wenn Geld und Ärzte fehlen - Jede dritte Klinik schreibt rote Zahlen

Laut „Krankenhaus-Barometer 2008“ schreibt jede dritte deutsche Klinik in diesem Jahr Verluste. In MV ist die Lage besonders schlimm. Hier haben die Häuser neben denen in Schleswig-Holstein die geringsten Erlöse.

svz.de von
29. Oktober 2008, 07:53 Uhr

Schwerin/Berlin - Die wirtschaftliche Lage der Kliniken wird immer schlechter. Das ist das Ergebnis des „Krankenhaus-Barometers 2008“ des Deutschen Krankenhausinstituts (DKI), das Mittwoch in Berlin vorgestellt wurde. Nach der Umfrage unter Klinikchefs wird bundesweit jedes dritte Haus in diesem Jahr rote Zahlen schreiben.

„Die Lage ist dramatisch“, so Georg Baum, Geschäftsführer der Deutschen Krankenhausgesellschaft. Die Unterfinanzierung gehe zunehmend zu Lasten der Patienten. Entsprechend düster sind die Zukunftsaussichten: Jede zweite Einrichtung geht laut der Umfrage davon aus, dass sich die wirtschaftliche Situation im kommenden Jahr weiter verschlechtern wird. Nach Einschätzung von Baum werden 30 der 2100 Kliniken binnen eines Jahres schließen oder mit anderen Häusern fusionieren.

In Mecklenburg-Vorpommern sei die Lage besonders angespannt, da das Bundesland gemeinsam mit Schleswig-Holstein das bundesweite Schlusslicht bei den Erlösen der Kliniken bilde, sagte Wolfgang Gagzow, Chef der Krankenhausgesellschaft in MV (KGMV), am Mittwoch. Dennoch geht er zunächst nicht von Entlassungen, sondern eher von „Arbeitsverdichtung“ aus.

Mit anderen Worten: Die ohnehin schon dünne Personaldecke muss die zunehmende Arbeit auch noch mittragen. Dabei würden die Krankenhäuser in MV nach Angaben von Gagzow derzeit eigentlich 170 zusätzliche Mediziner brauchen.

Wie Baum ist auch Gagzow davon überzeugt, dass das geplante Rettungspaket der Bundesregierung mit einer Finanzspritze von 3,2 Milliarden Euro nicht ausreicht, um die Misere zu beheben. „Der Bund will 20 000 neue Stellen schaffen, aber nur zu 70 Prozent bezahlen. Doch die Kliniken haben kein Geld für die restlichen 30 Prozent“, so der KGMV-Chef.

Seiner Meinung nach wäre es sinnvoller, nur 70 Prozent des Personals einzustellen, dafür aber seitens des Bundes voll zu finanzieren. Das Hauptproblem sei, dass das Budget für die Kliniken seit 15 Jahren festgeschrieben ist, sagt Gagzow.

Die Krankenkassen benötigten mehr Geld für Leistungserbringer wie die Krankenhäuser. Das funktioniere aber nur, wenn sich die Basis der Einzahler ins Gesundheitssystem vergrößere – also um derzeit privat Versicherte, die dann eine Zusatzversicherung abschließen könnten.

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