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MV: Mehr Beratungsgespräche wegen Glücksspielsucht : Wenn die Suche nach dem Glück zur Sucht wird

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In MV ist die Zahl der Hilfesuchenden in den Suchtberatungsstellen gestiegen. So verzeichneten die BBSD im Jahr 2009 landesweit 10 781 Betroffene. Das sind 25,9% mehr als 2002.

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erstellt am 07.Jan.2011 | 10:37 Uhr

Dem Jahr, in dem die Zahlen erstmals vollständig erhoben wurden.

Deutlich zugenommen hat unter anderem die Zahl der Ratsuchenden mit einem Glücksspielproblem. Hier zählten die Beratungsstellen im Jahr 2009 insgesamt 285 Betroffene - und damit 27 Prozent mehr als Vorjahr. Damit ist Glücksspielsucht die vierthäufigste Diagnose in der Statistik der Einrichtungen. Um die Angebote zur Vorbeugung und Hilfe auszuweiten, ist im Sommer 2009 ein dreijähriges Landesprojekt gestartet. Seither stehen in vier Beratungsstellen in Rostock, Schwerin, Neubrandenburg und Stralsund speziell geschulte Berater zum Thema Glücksspielsucht zur Verfügung. Im Internet gibt es zudem eine Online-Beratung.

Hauptthema ist allerdings weiterhin der Alkohol, wie Claudia Diekneite von der Landesstelle für Suchtfragen bestätigt. 79,7 Prozent aller männlichen Hilfesuchenden in den Beratungsstellen haben demnach ein Alkoholproblem, bei den Frauen sind es 76,1 Prozent. Beunruhigend sei vor allem die Entwicklung bei den Jugendlichen, sagt Diekneite. Zwar sei die Zahl der trinkenden Jungen und Mädchen rückläufig, dafür gebe es aber eine hartnäckige Gruppe exzessiv trinkender Kinder und Jugendlicher. So belegen die Zahlen aus den Krankenhäusern, dass das sogenannte Komasaufen zugenommen hat. Noch nie mussten so viele Kinder und Jugendliche mit einer Alkoholvergiftung in der Klinik behandelt werden wie 2009. Die Krankenkasse DAK zählte 481 junge Komasäufer zwischen zehn und 20 Jahren - 11,3 Prozent mehr als im Vorjahr. Bei den Jungen betrug der Anstieg 6,8 Prozent, bei den Mädchen sogar 20,7 Prozent. Nach Angaben der Krankenkasse ist die Zahl der alkoholbedingten Klinik-Einlieferungen damit seit 2003 um insgesamt 61 Prozent gestiegen. Die DAK und die Landeskoordinierungsstelle für Suchtvorbeugung (Lakost) haben deshalb bereits landesweite Präventionskampagnen gestartet.

Ebenfalls zugenommen haben die Fälle von Mediensucht unter Jugendlichen, wie Diekneite bilanziert. Laut Experten gelten etwa drei Prozent der Bevölkerung als medienabhängig. Als eine von bundesweit vier Spezial-Einrichtungen kümmert sich die Schweriner Beratungsstelle der Evangelischen Suchtkrankenhilfe vor allem um Jugendliche, die dem Computerspiel verfallen sind und alles andere darüber vernachlässigen.

Keine großen Veränderungen gibt es nach Angaben von Diekneite dagegen bei der Cannabis-Abhängigkeit. Bei den Männern, die die Beratungsstellen aufsuchten, steht diese Sucht mit 10,5 Prozent an zweiter Stelle nach dem Alkohol. Bei den Frauen bezieht sich die zweithäufigste Diagnose dagegen auf die Essstörungen (6,2 Prozent). Erst dann folgt Cannabis (5,4 Prozent).

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