zur Navigation springen

Ratgeber: vermeintlich kostenlosen Zeitschriften in MV : Wenn die Abo-Falle zuschnappt

vom

Es klingt verlockend: In Rostock, Neubrandenburg und Schwerin kann man aktuell angeblich gute Taten gegen kostenlose Zeitschriften- und Zeitungsabos eintauschen.

svz.de von
erstellt am 19.Jul.2011 | 11:24 Uhr

Es klingt verlockend: In Rostock, Neubrandenburg und Schwerin kann man aktuell angeblich gute Taten gegen kostenlose Zeitschriften- und Zeitungsabos eintauschen. Sympathische junge Menschen sprechen auf der Straße Passanten an und fragen, ob sie Schülerboten auf ihre Zuverlässigkeit testen würden. Die Angesprochenen sollen bewerten, wie regelmäßig über zwei Monate eine Zeitschrift oder eine Zeitung im jeweiligen Briefkasten landet. Am Ende gibt es dann einen festen Job für den Zusteller und für den Tester acht Wochen lang Lesematerial seiner Wahl, gratis. So weit das Versprechen.

Matthias Wins, Jurist von der Neuen Verbraucherzentrale (NVZ) in Rostock, warnt jedoch: "In den meisten Fällen entpuppt sich dieses Angebot schlicht und einfach als Betrugsversuch." Das Problem: Zwar handelt es sich tatsächlich um ein kostenloses Abo über zwei Monate, die Unterschrift der Tester landet jedoch häufig unter einem Vertrag, bei dem diese Test-Phase lediglich eine Zugabe zu einem Jahres- oder Zweijahres-Abo ist.

Statt eines Geschenks kommen auf den Tester des Schülerbotendienstes so ganz erhebliche Kosten zu. Aus dieser Abofalle herauszukommen, scheint zunächst nicht leicht. Denn häufig flattern Bestätigung und Rechnung für das Abonnement nach der üblichen Widerrufsfrist von zwei Wochen ins Haus. Davon sollte man sich aber nicht ins Bockshorn jagen lassen, so Wins.

Bei Täuschung ist der Vertrag wirkungslos


"Wenn nicht mehr vereinbart war als ein achtwöchiges Probeabo, ist der unterschriebene Vertrag wirkungslos", betont der Jurist. Auch verstrichene Fristen spielten in einem solchen Fall keine Rolle. Denn wurde die Unterschrift für den Vertrag durch Täuschung erschlichen, gelten verlängerte Fristen für den Verbraucher.

Das sei genauso wie beim Kauf eines Gebrauchtwagens, erläutert Wins. Kommt beim ersten Werkstattbesuch nach drei Monaten heraus, dass der Kilometerstand manipuliert wurde, ist ein Widerruf auch dann noch möglich. Ein entsprechendes Schreiben muss aber in jedem Fall abgeschickt werden, wenn der Betrugsversuch erkannt wird, betont Wins. "Werden die Firmen auf eine solche Täuschung hingewiesen, lenken sie meist ein", weiß der Jurist aus Erfahrung. Beharren sie jedoch auf ihren Forderungen, rät die Verbraucherzentrale den Getäuschten, Strafanzeige zu erstatten. Gerade in den vergangenen sechs bis acht Wochen sei das in Rostock vermehrt der Fall gewesen, so Matthias Wins. Häufiger Absender der Rechnungen sei die Pressevertriebszentrale (PVZ) in Stockelsdorf bei Lübeck. Es gebe zwar mehrere Firmen, auf die sich die Täuschungsversuche zurückführen ließen, so Wins. "Was Dauer und Zahl der Fälle angeht, steht die PVZ jedoch an erster Stelle." Über die Jahre seien ihm viele Tausend Fälle in Mecklenburg-Vorpommern bekannt geworden, sagt der Jurist.


Den Tätern auf die Schliche zu kommen, ist schwer

Die Schuld dafür weist die PVZ von sich: Sie beschäftige sich allein mit der Verwaltung der Abonnements ihrer insgesamt 150 Auftraggeber. Selbst habe die Firma keine Mitarbeiter, die werben, hieß es auf Nachfrage unserer Zeitung. "Kommt es zu einer Häufung von Beschwerden, dann kann die jeweilige Aktion gestoppt werden." Darüber hinaus sei die PVZ jedoch ihren Auftraggebern gegenüber nicht weisungsbefugt, so das Unternehmen.

So landen weiter Anfragen getäuschter Verbraucher bei der NVZ. In Schwerin etwa mehrmals wöchentlich. Vor allem junge Menschen seien aktuell sehr von den Betrugsversuchen betroffen. In Neubrandenburg nimmt die Zahl momentan ab, so Simone Bauer von der dortigen Beratungsstelle. "Es kann aber sein, dass das noch einmal zu uns herüberschwappt." Bekannt sind die Fälle dort ebenfalls seit Langem.

Warum wurde trotzdem noch nichts gegen die Betrüger unternommen? Es sei schwer, den Tätern auf die Schliche zu kommen, erklärt Matthias Wins, Haustürgeschäfte an sich seien schließlich nicht verboten. Nur in einzelnen Fällen können den so genannten Abo-Drückern unlautere Methoden nachgewiesen werden. Doch bei ihnen liege nicht die eigentliche Wurzel des Übels, so der Jurist. Höheren Stellen könnten jedoch keine Vergehen nachgewiesen werden, da die Drücker dafür unterschreiben, dass sie ihre Kunden wahrheitsgemäß informieren. "Das ist ein zynisches Spielchen", sagt Wins. Papier und Arbeitsalltag klafften auseinander. Das sorge dafür, dass es Abo-Betrugsfälle bereits seit einem halben Jahrhundert gibt - und auch in Zukunft geben wird.

Der Jurist rät: Keine Abos auf der Strasse abschliessen

Sein Rat lautet deshalb: Auf der Straße keinesfalls Abo-Verträge unterschreiben. "Dann muss man auch nicht mit dem Rattenschwanz an Kosten und Aufwand rechnen, der nach einer solchen Unterschrift auf einen zukommen kann." Doch auch alle, die sich haben täuschen lassen, beruhigt er: Bisher konnte die Verbraucherzentrale die Fälle ohne finanzielle Einbußen für den Abonnenten lösen.

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen