Wenn der Schorni zweimal klingelt

Sieben Jahre lang hat ein Schornsteinfeger von 680 Mietern der Wohnungsgesellschaft Güstrow (WGG) doppelt Gebühren kassiert. Der Vermieter merkte dies erst jetzt, fordert das Geld zurück und kündigt juristische Konsequenzen an. Betroffene Mieter sollen entschädigt werden.

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01. Oktober 2008, 05:07 Uhr

Güstrow - Der Euro als Teuro: Bei Gebühren für Schornsteinfegerleistungen, Wartung von technischen Anlagen der WGG am Distelberg stimmt dieses Schlagwort hundertprozentig zu. Seit der Umstellung von Mark auf Euro Anfang 2001 haben Mietparteien doppelt für Leistungen des Schornsteinfegers gezahlt. Dies brachte eine externe Prüfung bei der WGG jetzt ans Licht.

„Die Prüfung ergab, dass 680 der 4500 Wohnungen ungerechtfertigterweise zu viel Kehr- und Überpüfungsgebühren von einem Schornsteinfeger in Rechnung gestellt wurden“, erklärt WGG-Prokuristin Angela Matz. Dabei handele es sich ausschließlich um drei Wirtschaftseinheiten am Distelberg. Das bedeutet: Die Mieter haben sieben Jahre lang je nach Wohnungsgröße monatlich zwischen 13 und 33 Euro zu viel bezahlt. In Summe seien das rund 90000 Euro. Die restlichen Wohnungen seien „korrekt abgerechnet“ worden.

Vor knapp zwei Wochen war die WGG selbst auf diese Unstimmigkeiten gestoßen, leitete eine Kontrolle ein (SVZ berichtete). Angela Matz kündigt an: Alle betroffenen Mieter würden in den kommenden sechs bis acht Wochen die zu viel gezahlten Betriebskosten zurückerhalten. Auch jene, die inzwischen umgezogen sind.

Die WGG fordere den Schornsteinfeger auf, kurzfristig die Gebühren plus Zinsen und angefallene Verwaltungskosten zurückzuzahlen. „Das wird in der Zusammenarbeit erhebliche Konsequenzen haben“, sagte WGG-Geschäftsführer Michael Dobbek gestern. Er wolle mit der Schornsteinfeger-Innung „grundsätzlich über Rechnungslegung reden“. Gegen den Schornsteinfeger werde die WGG juristische Schritte einleiten. Dobbek: „Wir wissen nicht, ob Vorsatz vorliegt.“

Der Schornsteinfeger ist Hans-Dieter Murr, Kopf der Schornsteinfeger-Innung im Landkreis. „Ich weiß noch nichts Genaues“, sagte Murr gestern. „Ich muss erst mit der Wohnungsgesellschaft sprechen.“ Dann sei er zu einer Erklärung bereit. Pikant: Murr sitzt als Stadtvertreter im WGG-Aufsichtsrat.
Dass die WGG selbst die zu hohen Gebühren nicht bemerkte, sei „sehr ärgerlich“, so Dobbek. Er räumt auch Versagen seines Unternehmens in diesem Punkt ein und kündigt Konsequenzen an.

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