Wenn Bäume zu Todesfallen werden

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Fast jeden Tag kracht es auf unseren Straßen. Zumeist gehen Verkehrsunfälle mit Sachschaden aus; Personen werden verletzt. Die Polizei versucht mit Maßnahmen, wie z.B. Geschwindigkeitskontrollen und speziellen Schulungen für junge Leute dem entgegenzusteuern. Jedes Jahr kommt es aber trotzdem auch zu Verkehrsunfällen, die tödlich ausgehen. 2007 waren es im Kreis Parchim 12. Allein an der B 321 von Parchim nach Lübz stehen vier Kreuze. Sie sind eine Warnung, werden aber kaum wahrgenommen. Die Zahl der Kreuze nimmt zu...

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27. März 2008, 09:24 Uhr

Wer jeden Tag zur Arbeit mit dem Auto pendelt, für den ist vieles Routine geworden. Man kennt jede Kurve, jede Bodenerhebung, jede unübersichtliche Stelle. An die Kreuze am Straßenrand hat man sich gewöhnt, nimmt sie wahr, mehr nicht. Auf der Strecke von Schwerin nach Lübz sind das nicht wenige – egal welche Route man nimmt, ob über Crivitz, Kladrum und Grebbin oder über Crivitz, Parchim und Rom bzw. über Tramm, Raduhn und Parchim. Mit den Gedanken ist man schon bei der Arbeit – eben alles Routine – gefährliche Routine wie sich eines Tages zeigen sollte.

Plötzlich wie aus heiterem Himmel ein mächtiger KnallMan fährt wie immer an die Kreuzung. Stress, die Zeit ist knapp. Blick nach links, rechts, links und Gasgeben. Plötzlich wie aus heiterem Himmel ein mächtiger Knall. Der Wagen gehorcht nicht mehr. Der Airbag versperrt jegliche Sicht. Der Wagen rutscht und rutscht... Dann ein gewaltiger Stoß, das Auto kommt im Graben zum Stehen, der Körper wird in den Gurte gerammt. Außer Sträuchern ist auf der Frontscheibe nichts zu sehen. Der Körper schmerzt, das Atmen fällt schwer. Schrecksekunde. Dann schießt es durch den Kopf: Unfall. Nein, kann nicht sein. Die Wagentür lässt sich öffnen. Aufrecht zu stehen fällt schwer, der Körper geht fast automatisch in die Knie, der Schmerz ist leichter zu ertragen. „Geht es Ihnen gut?“ fragt ein junge Frau. „Ja, und Ihnen? „Es geht!“ Eine gewisse Erleichterung ist zu spüren. Polizei, Krankenwagen – alles erscheint wie im Nebel und weit weg.

Ins Krankenhaus geht es im Rollstuhl, aus dem Krankenhaus wieder aufrecht, wenn auch mit Schmerzen. „Sie hatten Glück, dass das Auto beim Zusammenstoß von rechts gekommen ist. Wäre es die andere Seite gewesen, hätten Sie froh sein können, wenn Sie uns im Rollstuhl wieder hätten verlassen können“, gibt die Schwester mit auf den Weg. Verarbeitet werden ihre Worte nicht – erst viel später.

Hier hätte jetzt auch ein Kreuz stehen können“Wieder auf dem Weg nach Lübz sieht die Welt ganz anders aus. Der erste Gedanke an der Unfallkreuzung: Hier hätte auch ein Kreuz stehen können. Diese werden jetzt bewusst wahrgenommen, jedes einzelne. Automatisch geht der Fuß vom Gas. Jetzt gibt es auch eine Geschwindigkeitsbegrenzung – freiwillig, auch beim Fahren unter Zeitdruck.
Muss man erst eine solche Gratwanderung durchmachen, um den Wert des Lebens bewusst schätzen zu lernen? An sich nicht. Die Kreuze an den Straßenrändern sind Mahnung genug, jedes ist Zeugnis eines tragischen Schicksals, verbunden mit unvorstellbarem Leid – unabhängig davon, wie es zu dem Verkahrsunfall gekommen ist.

Zweifellos sind die Kreuze insbesondere auch eine Warnung an jene jugendlichen Kraftfahrer, die mit schnellen Autos riskant über den Asphalt brettern, sich selbst über- und die Gefahren unterschätzen. Und nach dem Motto zu handeln „Das kann mir nicht passieren, ich habe alles im Griff“ ist mehr als gefährlich. Davon ist sicherlich auch so mancher junge Mensch ausgegangen, dessen Name heute auf einem Kreuz an der Straße steht. Und „pokern“ lohnt nicht, der Preis ist viel zu hoch – man hat nur ein Leben.

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