Weniger Gebühren, weniger Lohn?

Der Landkreis Prignitz schreibt die Müllentsorgung ab 2010 aus. Damit sollen die Müllgebühren gesenkt werden. Bei Becker Umweltdienste in Wittenberge sieht man das mit gemischten Gefühlen.

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28. April 2008, 08:11 Uhr

Wittenberge - Seit 20 Jahren ist das in der Elbestadt ansässige Unternehmen für die Müllentsorgung im Bereich des Altkreises Perleberg zuständig. „Eine solch langfristige vertragliche Regelung ist in Brandenburg nicht unbedingt üblich“, räumt Geschäftsführer Kurt Weigelt ein und unterstreicht auch, dass eine Ausschreibung völlig legitim sei.

Doch mit ihr seien für sein Unternehmen Gefahren verbunden, die er in der vergangenen Woche auch schon der Belegschaft mitgeteilt habe. 54 Mitarbeiter stehen bei Becker in Lohn und Brot, erhalten tarifliche Gehälter. Genau die seien aber nicht mehr möglich, wenn Becker bei der Ausschreibung eine Chance haben wolle, macht Weigelt deutlich. „Es gibt seit Jahren einen Kampf auf dem Müllmarkt. Man kann aber nicht an Sprit, an Versicherungen oder Fahrzeugen sparen, es bleiben eigentlich nur die Personalkosten, will man günstiger wirtschaften“, beschreibt Weigelt aus seiner Sicht das Problem.
„Wir hatten bisher aber immer den Standpunkt, dass die Kollegen, die bei Wind und Wetter täglich useren Dreck entsorgen, auch erhobenen Hauptes am Monatsende nach Hause gehen können, und nicht mit einem Mindestlohn. “ Doch genau den müsse Becker mit der Ausschreibung einführen, konkret bedeute das für die Mitarbeiter rund 3,50 Euro weniger pro Stunde.

Sollte Becker bei der Ausschreibung nicht den Zuschlag erhalten, dann breche etwa ein Drittel des Betriebsumsatzes weg. „Das heißt, wir müssten uns dann gesundschrumpfen, wie es so schön heißt. Das zieht Entlassungen nach sich, und die betreffen dann alle Bereiche“.
Becker Umweltdienste hat zwei Gesellschafter, das sind zu 50 Prozent die Jakob Becker GmbH und Co. KG Mehlingen und zu den anderen 50 Prozent der Landkreis Prignitz. Kommt der angesichts einer solchen Entwicklung nicht in Gewissenskonflikte?

Natürlich sei das schon ein gewisser Konflikt, räumt Holger Lossin, erster Beigeordneter des Landrates, ein. „Aber irgendwann muss man sich entscheiden.“ Und obwohl das Risiko bestehe, dass die bisherigen Vor-Ort-Entsorger, zu denen auch Becker gehört, in der Ausschreibung nicht den Zuschlag erhielten, hätten die Kreistagsabgeordneten so entschieden. „Unsere wirtschaftliche Tätigkeit muss sich den Aufgaben, die sich aus der Kommunalverfassung und anderen Gesetzen und Regelungen ergeben, unterordnen. Es geht uns ja nicht nur um die absolute Senkung der Müllgebühren, sondern um die optimale Gestaltung der Abfallwirtschaft in den nächsten Jahren. Und da bettet sich die Ausschreibung des Sammelns und Transportierens von Hausmüll ein“, erklärt Lossin. Außerdem seien ja noch eineinhalb Jahre Zeit, macht auch er deutlich. Und die Branche unterliege ständigen Veränderungen.

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