Weniger Berufsschüler in Parchim, weil Schwerin klagt

<strong>Die Berufsschule Parchim: </strong>Nach einem Gerichtsurteil kommen die Schweriner Schüler erstmal nicht.<foto>christiane großmann</foto>
Die Berufsschule Parchim: Nach einem Gerichtsurteil kommen die Schweriner Schüler erstmal nicht.christiane großmann

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23. Juli 2010, 04:46 Uhr

parchim | Teilerfolg für die Landeshauptstadt im laufenden Rechtsstreit um den Schweriner Ausbildungsstandort für Berufe im Hotel- und Gaststättengewerbe: Die berufliche Schule in Schwerin kann vorläufig wieder Anmeldungen annehmen (wir berichteten). Das Verwaltungsgericht Schwerin hat im einstweiligen Rechtsschutzverfahren entschieden, dass die Verfügung des Bildungsministeriums zur Verlagerung der Berufsschulausbildung nach Wismar und Parchim noch nicht umgesetzt werden darf.

Für den Standort Parchim bedeutet das weniger Schüler, denn eigentlich sollte die Ausbildung für Berufe im Hotel- und Gaststättengewerbe in der Eldestadt und in Wismar konzentriert werden. Vier Berufsschul-Standorte haben in Westmecklenburg Zukunft, so sieht es das regionale Raumentwicklungsprogramm und die Schulnetzplanung der Landesregierung vor. Demnach soll vom neuen Schuljahr an die Ausbildung an den Standorten Parchim, Schwerin, Ludwigslust und Wismar mit verschiedenen Schwerpunkten gebündelt werden. Nach 2012 sollen die Berufsschulen Parchim und Ludwigslust fusionieren. Ist das jetzt alles Makulatur?

"Nein", sagt Johanna Hermann, Sprecherin des Bildungsministeriums: "Wir gehen davon aus, dass das fehlende Einvernehmen der Landeshauptstadt Schwerin mit den Landkreisen Ludwigslust, Parchim und Nordwestmecklenburg sowie der Hansestadt Wismar ausschließlich auf die Frage der Beschulung im Gastgewerbe sowie auf die Berufe der Kfz-.Mechatroniker, Gartenfachwerker und Holzbearbeiter begrenzt bleibt und letztlich anhand der tatsächlichen Ausbildungszahlen gelöst werden kann."

Für die Berufsgruppe Gastgewerbe gelte auf Grund des Beschlusses des Verwaltungsgerichtes Schwerin, dass die Anmeldungen für die Ausbildungsberufe Koch/Köchin, Fachkraft im Gastgewerbe, Hotelfachmann/-frau sowie Restaurantfachmann/-frau weiterhin wie in den vergangenen Jahren möglich ist:

- in Wismar/ Zierow für die Auszubildenden der Hansestadt Wismar und des Landkreises Nordwestmecklenburg

- in Parchim für die Auszubildenden der Landkreise Ludwigslust und Parchim

- in Schwerin an der Beruflichen Schule für Gewerbe und Sozialwesen für die Auszubildenden der Landeshauptstadt Schwerin.

Parchims Landrat Klaus-Jürgen Iredi (SPD) kritisiert den Schweriner Sonderweg: "Wir denken als kommunale Familie in Westmecklenburg. Die Landkreise Parchim, Ludwigslust, Nordwestmecklenburg und die Stadt Wismar schicken in Größenordnungen Schüler nach Schwerin - und zahlen dafür Schullastenausgleich."

In Mecklenburg-Vorpommern gibt es mit Beginn des Schuljahres 2009/2010 insgesamt 35 berufliche Schulen in Trägerschaft der zwölf Landkreise und sechs kreisfreien Städte. Wegen der stark rückläufigen Zahl der Jugendlichen bis 2013/2014 und der Weiterentwicklung der bestandsfähigen beruflichen Schulen zu Regionalen Beruflichen Bildungszentren (RBB) erfolgt eine Konzentration und Profilierung der beruflichen Schulen nach Berufsbereichen und Berufsgruppen. Bis 2017/18 wird mit der Konzentration in voraussichtlich 13 Regionalen Beruflichen Bildungszentren geplant. Demnach wäre Schwerin Hauptstandort und Parchim eine Außenstelle.

Die Zahl der Schüler an beruflichen Schulen nimmt seit 2006 ständig ab. Erst ab 2016 ist mit einer Entspannung zu rechnen. Waren es 2006/2007 landesweit noch 62 007 Schüler, rutschte die Zahl 2009/2010 auf 46 807 ab. Im beginnenden Schuljahr finden nur noch 39 050 Mädchen und Jungen den Weg in die Berufsschulen. Und der Tiefpunkt ist noch nicht erreicht. Ab 2013/2014 prognostiziert das Bildungsministerium 28 000 Schüler. Erst ab 2016/2017 steigt die Zahl wieder auf 30 000, im Jahr 2019/2020 auf 32 000.

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