zur Navigation springen

Lücken bei der Palliativversorgung in MV : Wenig Hilfe für schwerkranke Kinder

vom

Bei der ambulanten medizinischen Versorgung schwerstkranker Kinder in MV gibt es nach Worten des Leiters der Kinderkrebsstation der Rostocker Universitätsklinik, Carl Friedrich Classen, noch erhebliche Lücken.

svz.de von
erstellt am 30.Jan.2011 | 06:36 Uhr

Rostock | Bei der ambulanten medizinischen Versorgung schwerstkranker Kinder in MV gibt es nach Worten des Leiters der Kinderkrebsstation der Rostocker Universitätsklinik, Carl Friedrich Classen, noch erhebliche Lücken. "Trotz der seit 2007 geltenden gesetzlichen Regelung zur Spezialisierten Ambulanten Palliativversorgung (SAPV) konnte die palliative Infrastruktur noch nicht aufgestellt werden", sagte Classen am Wochenende. Dank engagierter Hausärzte oder Pflegedienste, die auch viel Freizeit opferten, sowie vor allem der Eltern und Verwandten würden die schwerkranken Kinder versorgt, doch dabei sei nicht immer die optimale Qualität gesichert. In MV sind etwa 15 bis 30 Kinder so schwer krank, dass sie palliativ versorgt werden müssen.

Die Palliativmedizin will unheilbar kranken Menschen die letzte Lebenszeit durch Bekämpfung von Schmerzen, Übelkeit oder anderen Beschwerden erträglich gestalten. "Kinder leiden vor allem an angeborenen Erkrankungen wie neurologische Schädigungen mit Lähmungen oder Problemen bei der Nahrungsaufnahme oder beim Atmen" sagte Classen. Dazu kämen Stoffwechselstörungen und Krebserkrankungen. Im Gegensatz zu den meisten Erwachsenen könne bei Kindern die Palliativversorgung auch mehrere Monate dauern.

Laut Gesetz soll die medizinische Versorgung so ausgelegt sein, dass ein sterbender Mensch nicht in einem Krankenhaus aufgenommen werden muss. "Darauf haben die Patienten einen Anspruch", bekräftigte Classen. Nach Angaben der Deutschen Gesellschaft für Palliativmedizin benötigen in Deutschland jedes Jahr bis zu 100 000 Sterbende eine spezielle palliative Versorgung - aber nur etwa 20 000 bekämen sie. Dabei gibt es laut Classen für kranke Kinder im dünn besiedelten Flächenland Mecklenburg-Vorpommern besondere Probleme, denn es gebe zu wenige speziell ausgebildete Fachkräfte. Ein SAPV-Team für Kinder und Jugendliche sei eine selbstständige Einheit, in der Ärzte und Schwestern mit Spezialausbildungen, Sozialarbeiter, Psychologen oder Seelsorger eng zusammen arbeiten. In die Versorgung müssten auch die Familienangehörigen, vor allem die Geschwister miteinbezogen werden. "Die sind oft überfordert und in Not", betonte Classen.

Dazu komme, dass das Spendenaufkommen in MV vergleichsweise geringer sei als z. B. in Hamburg, aber auch in den süddeutschen Flächenländern. Für den laufenden Betrieb eines spezialisierten Palliativteams müssten jährlich rund 300 000 Euro aufgebracht werden.

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen