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23. Oktober 2017 | 08:23 Uhr

Wenig Appetit auf den Gastro-Tüv

vom

svz.de von
erstellt am 15.Sep.2010 | 08:26 Uhr

Schwerin/ Neubrandenburg | Dem Deutschen Hotel- und Gaststättenverband (Dehoga) in MV schmeckt der Vorschlag nicht - Bundesverbraucherschutzministerin Ilse Aigner (CSU) will ein Smiley-System einführen, das Kunden von Restaurants, Kneipen und Imbissbuden verrät, wie die Küche des Hauses bei der letzten Hygiene-Kontrolle abgeschnitten hat. Alles sauber - der Smiley lacht. Gravierende Verstöße wie Schimmel oder Ratten hinterm Tresen würden dem gelben Gesicht dagegen die Laune verderben und den Kunden vermutlich den Appetit. Heute und morgen beraten die Länder-Minister in Potsdam über eine gemeinsame Linie zum sogenannten Gastronomie-Tüv.

Uwe Barsewitz, Sprecher des Dehoga-Landesverbands, hofft auf erfolglose Debatten. Er hat wenig Appetit auf ein neues Kontrollsiegel für die Branche. Die Lebensmittelüberwachungsämter der Städte und Kreise schickten ja regelmäßig Kontrolleure in die Restaurantküchen und das habe ohnehin schon Konsequenzen, sagt er. "Wenn dabei etwas beanstandet wird und das Restaurant den Mangel behebt, muss der Kunde doch davon nichts erfahren", findet Barsewitz. "Und wenn das Restaurant den Mangel nicht behebt, wird es sowieso geschlossen." Insofern seien die Kunden auf der sicheren Seite. Umgekehrt aber könne ein weinender Smiley einem Haus, das einmal nicht aufgepasst habe, auf Dauer den Ruf kaputt machen.

Auch unter den Restaurantchefs im Land gibt es Skeptiker - Robert Seifert etwa, der das Restaurant auf der historischen Seebrücke von Ahlbeck auf Usedom leitet. Das vorhandene Kontrollsystem funktioniere gut genug, wozu also die Smileys, sagt er. "Bei uns kommen die Kontrolleure einmal zu Beginn der Saison und einmal am Ende; sie sind sehr streng und deshalb kann es sich eh keiner erlauben, seine Küche nicht in Ordnung zu halten." Wenn das Amt was zu beanstanden hätte, seien es meist kleine Dinge wie Risse im Regal oder in den Fliesen - "weil sich da Bakterien absetzen könnten." Solche Schäden müssten aber immer sehr schnell behoben werden. "Die setzen einem knappe Fristen."

Marco Gruber, Direktor des Hotel Radisson Blu in Neubradenburg sieht die Sache anders. "Wir sind offen für alles, was zeigt, dass wir ordentlich arbeiten", sagt er. Insofern: Her mit den Smileys. Allenfalls aus Stil-Gründen hätte Gruber etwas gegen gelbe Lächelköpfe an der Eingangstür.

Auch Carsten Loll aus Rostock kann dem Smiley-System etwas abgewinnen. Vor zweieinhalb Jahren hat er das Carlo 615 eröffnet, ein kleines Restaurant mit Fachwerk im Rostocker Stadthafen. "Ich fände solche Smileys gut", sagt Loll. Aus den USA kenne er ein ähnliches System und das funktioniere durchaus. "Allerdings müsste man dann auch das Kontrollsystem verbessern", findet Loll. Einige Restaurants in MV seien für jeden sichtbar so schmutzig, dass er nicht verstehen könne, wieso sie überhaupt eine Lizenz bekämen. In seinem eigenen Haus dagegen beanstandeten die Hygiene-Wächter von der Stadt jede noch so kleine Kleinigkeit. "Zum Beispiel habe ich einmal Fleisch abgepackt, das gleich für den nächsten Tag gedacht war." Das Abpackdatum habe er aber nicht auf die Tüte geschrieben - für die Kontrolle ein Grund zum Tadel. "Ich frage mich, ob die überall den gleichen Maßstab anlegen."

In Dänemark gibt es das Smiley-System übrigens schon. Ob Deutschland folgt, ist unsicher. Mecklenburg-Vorpommern jedenfalls will zunächst einmal die Rechtsgrundlage klären.

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