zur Navigation springen

Fusionsforschungsanlage in Greifswald : Wendelstein-Montage in der Endphase

vom

An der Fusionsforschungsanlage des Greifswalder Max-Planck-Instituts für Plasmaphysik haben Fachleute mit der Montage des fünften und letzten Großmoduls begonnen.

svz.de von
erstellt am 02.Nov.2011 | 08:18 Uhr

Endspurt für "Wendelstein 7-X": An der Fusionsforschungsanlage des Greifswalder Max-Planck-Instituts für Plasmaphysik (IPP) haben gestern Wissenschaftler, Handwerker und Ingenieure mit der Montage des fünften und letzten Großmoduls begonnen. Das Großexperiment, mit dem die technischen Voraussetzungen für die Energiegewinnung durch die Verschmelzung von Atomkernen getestet werden sollen, geht nach Angaben des Instituts voraussichtlich 2014 in Betrieb. Das Segment, das den Ring des Reaktorgefäßes schließen soll, war in den vergangenen Wochen aus Magnetspulen, Plasmagefäß und Stützring zusammengesetzt worden. Mit einem Tieflader wurde das 120 Tonnen schwere Modul gestern in die Experimentalhalle bugsiert und anschließend per Kran in die vorbereitete Unterschale gesetzt. In zehn Tagen soll die Konstruktion auf das Maschinenfundament montiert werden.

Inzwischen seien zwei Drittel aller Montagearbeiten geschafft, sagt Robert Wolf, Direktor für die Optimierung des sogenannten Stellerators. Bis zur Fertigstellung müsse das 150-köpfige Spezialistenteam die Module miteinander verbinden, verkleiden sowie mit einem leistungsfähigen Kühlsystem und unzähligen Messsensoren ausrüsten, erläutert er.

Die erste Nagelprobe hat "Wendelstein 7-X" in drei bis vier Jahren zu bestehen. Dann wird das Reaktorgefäß abgepumpt, um ein Ultrahochvakuum zu erzeugen. Wenn der von Magnetspulen umschlossene Ring dicht sei, werde die Anlage binnen drei bis vier Wochen auf nur noch vier Grad Kelvin (etwa minus 270 Grad Celsius) heruntergekühlt, sagt Wolf. Die eigentlichen Tests beginnen ab Mitte 2014. Allmählich muss dann in der 725 Tonnen schweren Plasmakammer ein Magnetfeld aufgebaut werden.

Mindestens 15 Jahre lang wollen die Plasmaphysiker in Greifswald an der rund 377 Millionen Euro teuren Anlage die Vorgänge zur Erzeugung eines Plasmas ausloten, um eines Tages durch Kernfusion Energie gewinnen zu können. Bei der Fusion handele es sich um eine der wichtigsten Alternativen zur Energiegewinnung durch Kernspaltung oder Kohleverbrennung, sagt Institutschef Thomas Klinger. Anders als die meisten erneuerbaren Quellen, die unregelmäßig Strom lieferten, könnten Fusionskraftwerke den Grundlastbedarf decken.

Im Unterschied zur Kernspaltung in Atomkraftwerken findet bei der Kernfusion keine Kettenreaktion statt. Obwohl bei dieser Technologie eine Kernschmelze ausgeschlossen ist und nur sehr geringe Mengen von radioaktiv strahlendem Material benötigt werden, war auch die Kernfusion nach dem verheerenden Reaktorunglück von Fukushima in Japan im Frühjahr und der angekündigten Energiewende in Deutschland in die Diskussion geraten.

Inzwischen mehrten sich jedoch weltweit die Stimmen derjenigen, die sich Optionen für eine Energiegewinnung jenseits der Kernspaltung offenhalten wollten, sagt Wolf. China zum Beispiel kündigte verstärkte Aktivitäten in der Fusionsforschung an. Und amerikanische Institute stiegen im Juli mit einer millionenschweren Finanzspritze in das Greifswalder Forschungsprojekt ein.

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen