Satelliten-Liveübertragung aus New York auf deutsche Kinoleinwände : Weltkultur aus der Schüssel

So günstig wie im Opern-Kino kann man Anna Netrebko - hier als Anna Bolena, also Anne Boleyn, die später geköpfte Gattin Heinrichs  VIII. von England  - sonst nicht erleben. Veranstalter
So günstig wie im Opern-Kino kann man Anna Netrebko - hier als Anna Bolena, also Anne Boleyn, die später geköpfte Gattin Heinrichs VIII. von England - sonst nicht erleben. Veranstalter

Um die großen Stars der Opernwelt live auf der Bühne zu erleben dazu müsste ein Musikenthusiast um die halbe Welt jetten. Wie gesagt, müsste, muss aber nicht.

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14. Oktober 2011, 11:37 Uhr

Die großen Stars der Opernwelt wie Placido Domingo, Anna Netrebko, Jonas Kaufmann, Elina Garanca, Bryn Terfel, Deborah Voigt- um nur einige zu nennen - live auf der Bühne zu erleben oder auch die Magier am Pult wie James Levine - dazu müsste ein Musikenthusiast um die halbe Welt jetten, um seinen Bühnenlieblingen nach Salzburg, Mailand oder übern Großen Teich nach New York zu folgen. Wie gesagt, müsste, muss aber nicht. Das würden ja schließlich auch nur die wenigsten Brieftaschen aushalten. Und trotzdem muss er auf Netrebko und Co. nicht verzichten. Denn: Kommt der Prophet nicht zum Berg, muss der Berg zum Propheten kommen. Sagt das Sprichwort. Der Berg, sprich die Metropolitan Opera New York, kommt zum Propheten - dem deutschen Publikum. Und das live, in exzellenter Ton- und HD-Bildqualität via Satellit auf die Kinoleinwände in rund 100 Städten deutschlandweit. In Mecklenburg-Vorpommern sind es das Schweriner Capitol und das Rostocker CineStar, die diesen Kultur-Re-Import aus New York nach Europa ihrem Publikum zugänglich machen und jedem einzelnen Besucher einen Logenplatz mit allerbester Sicht in der Met zu einem zivilen Preis zwischen 17,50 und 23 Euro anbieten. Das günstigste bisher gefundene Angebot für einen Besuch von Donizettis "Anna Bolena" in der New Yorker Met (Flug, Hotel und Ticket) kostet immerhin schlappe 1000 Euro.

Am 15. Oktober beginnt die bisher dritte Met-Spielzeit im Capitol. Im Verlauf der beiden ersten Saisons hätten die Live-Übertragungen aus der Metropolitan Opera , so Kinoleiter Dirk Mattenklott, ein zwar nicht unbedingt riesiges, aber dafür um so treueres und sachkundigeres Publikum gefunden. Was die Besucherzahlen der Oper im Kino betrifft, so rangiere das Schweriner Kino unter den mehr als 100 teilnehmenden Lichtspielhäusern unter den Top-Five - und dies mit "einem im Vergleich zu einigen Großstädten doch recht kleinen Einzugsgebiet", sagt Mattenklott nicht ohne Stolz. Und er will weitermachen. Eine Konkurrenz zum heimischen Musiktheater auf dem Alten Garten sehe er in diesem Angebot nicht, eher eine Ergänzung. Spielplandoubletten habe es bisher nicht gegeben.

Die neue Met-Spielzeit bietet wieder ein illustres Programm . Sie beginnt am kommenden Sonnabend (15. Oktober) mit Donizettis "Anna Bolena", der ersten Oper der Tudor-Queens-Trilogie des italienischen Meisters, unter der Stabführung von Marco Armiliato sowie mit Anna Netrebko in der Titelrolle und der aus Lettland stammenden Mezzosopranistin Elina Garanca als Jane Seymour.

Es sind insgesamt acht Produktionen, die bis zum April 2012 von der Satellitenschüssel auf dem Kinodach eingefangen werden. Und wenn alle auch auch aus einer Schüssel kommen - Eintopf ist es nicht. Der "Anna Bolena" folgen Mozarts "Don Giovanni" (29. Oktober) mit James Levine am Pult, Gounods "Faust" - vielen Opernfans auch als "Margarethe" in Erinnerung) u. a. mit Jonas Kaufmann (10. Dezember), Massenets "Manon" wiederum mit Anna Netrebko (7. April. 12) , Verdis "Traviata" (14. 4.12); und mit "The Enchanted Island" (Die verzauberte Insel) gibt es am 21. Januar 2012 ein Barockfestival der großen Stimmen mit der Musik von Händel, Rameau und Vivaldi, zu dem Elemente aus "Ein Sommernachtstraum" und "Der Sturm" von Shakespeare kombiniert wurden. Und nicht zuletzt rundet sich am 5. November mit "Siegfried" und am 11. Februar 2012 mit der "Götterdämmerung" Wagners Ring des Nibelungen - wie zuvor auch schon "Das Rheingold" und " Die Walküre" - unter der Stabführung von James Levine.

Die New Yorker stehen nicht gerade für avantgardistische Inszenierungen. Sie setzen auf höchste musikalische Qualität und hervorragende Sänger.

Die Idee von der Live-Übetragung musikalischer Großereignisse zieht inzwischen weitere Kreise. Neben dem musikalischen Import aus Übersee kommen mittlerweile auch Ballettaufführungen aus dem Moskauer Bolschoi-Theater via Satellit in Mecklenburg-Vorpommerns Landeshauptstadt. War es in der vorigen Spielzeit Tschaikowskys "Nußknacker", der das Publikum begeisterte, wird der Reigen von insgesamt vier großen Ballettabenden am 20.11. mit "Dornröschen" von demselben Komponisten eröffnet. Es folgen "Le Corsaire" nach Lord Byron und mit Musik von Adolphe Charles Adam (11. März), Schostakowitschs "The Bright Stream" (29. April) und Glasunows Ballett "Raymonda" (24. Juni).

Selbst Konzerte der Berliner Philharmoniker schwirren mittlerweile digital in HD und Raumton live durch den Äther ins Schweriner Kino. Die Berliner haben ihren Saisonauftakt in diesem Jahr schon hinter sich. Zwei weitere Konzerte stehen noch an. Am 27. Januar dirigiert Simon Rattle Werke von Ravel, Dvorak , Schubert und Mahler; und Christian Thielemann schwingt seinen Taktstock am 4. März. Er erklingt Musik von Strauss und Bruckner.

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