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Welle der Altersarmut rollt auf MV zu

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erstellt am 27.Mai.2010 | 10:17 Uhr

Vier von fünf Rentnern werden zukünftig nicht von ihrer Rente allein leben können. Diese Prognose stellte Achim Selke vom Amt für Soziales und Wohnen in der Landeshauptstadt Schwerin. Dort hat der Landesseniorenbeirat gestern eine Konferenz zur Armut im Alter veranstaltet. Am Beispiel von Schwerin stellte Achim Selke das Problem der steigenden Altersarmut aus Sicht einer Kommune dar. Jeder dritte Schweriner sei bereits jetzt über 60 Jahre alt, in zehn Jahren könnte es schon jeder zweite sein, schätzt Selke. "Von finanzieller Armut im Alter sind besonders die betroffen, die nach der Wende in die Arbeitslosigkeit gerutscht und dort nicht mehr herausgekommen sind", sagte Selke.

Aus dem Land der Armen könnte in naher Zukunft das Land der armen Alten werden, verdeutlichte auch Sozialministerin Manuela Schwesig (SPD). "Mecklenburg Vorpommern ist das Bundesland mit den durchschnittlich geringsten Nettoeinkommen der privaten Haushalte im Bundesvergleich. Rund 28 Prozent der Familienhaushalte beziehen Arbeitslosengeld II oder Sozialgeld. Sie gelten damit als arm", sagte Manuela Schwesig. Derzeit stünde der Mehrheit der Haushalte mit Personen über 55 Jahre ein monatliches Einkommen zwischen 900 und 2300 Euro zur Verfügung. "Eine erhöhte Altersarmut ist aktuell nicht zu verzeichnen", sagte Schwesig. Eine Studie, die Geburtsjahrgänge von 1942 bis 1961 betrachtet, habe aber ergeben, dass die zukünftigen Alterseinkommen in MV bundesweit mit am geringsten sein werden, sagte die Ministerin.

Brigitte Paetow, Vorsitzende des Landesseniorenbeirates, wies auf die große Zahl der Rentner hin, die aus Stolz und Bescheidenheit auf Leistungen verzichten und so in "verschämter Altersarmut" leben. Im ländlichen Bereich käme die soziale Armut hinzu, weil die Teilhabe am gesellschaftlichen Leben eingeschränkt sei. Schuldnerberater Mathias Schreiter betreut zunehmend Rentner, die vor dem finanziellen Aus stehen, weil sie mit ihrer geringen Rente alte Kredite nicht abzahlen können. "Das Problem verschärft sich, denn die Hälfte der jüngeren Kunden erhält Sozialleistungen", sagte Schreiter.

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