Weinland Brandenburg: In Werder reift ein guter Jahrgang heran

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31. August 2008, 09:55 Uhr

Werder/Havel - Die Prozedur wiederholt sich derzeit fast täglich am Wachtelberg auf der Insel Werder. Inmitten seines Weinbergs hoch oben über der Havel steht Manfred Lindicke und blickt durch das sogenannte Refraktometer.

Umgeben von traubenbehangenen Rebstöcken hält der Weinbauer das stabförmige Gerät gegen die Sonne, um den Zuckergehalt der Trauben zu bestimmen. Gelegentlich bewegen sich dabei die Augenbrauen und man könnte fast meinen, er wolle so die Öchsle-Grade seiner Weintrauben steigern.

Doch der Werderaner ist auch ohne Tricks zufrieden mit dem Zuckergehalt seiner Rebsorten im weltweit nördlichsten Anbaugebiet für Qualitätsweine.

„Beim Müller-Thurgau liegen wir derzeit bei 70 Grad Öchsle, bei den Roten bei durchschnittlich 80. An den besten Stellen erreichen wir sogar 95 Grad“, sagt Lindicke. Im Ergebnis verspricht der hohe Zuckergehalt einen hervorragenden Wein in diesem Jahr. „Fruchtig und mit einem angenehmen Zucker-Säure-Verhältnis“ prophezeit Lindicke.

Er fügt hinzu: „Neben dem Zucker stimmen auch die Anzahl der Trauben und ihre Größe. Insgesamt deutet alles auf einen sehr guten Jahrgang hin.“ Lediglich Hagel darf es in den kommenden vier Wochen nicht geben. „Dann“, sagt Lindicke, „wäre die Ernte hinüber.“

Möglich ist das außergewöhnlich gute Wachstum aufgrund des speziellen Mikroklimas am Wachtelberg. Umgeben vom Wasser der Havel bleiben die insgesamt sechs Hektar Weinland vor übermäßigem Regen geschützt. Lange Zeit allerdings lag der zu DDR-Zeiten angelegte Weinberg brach und verkam zusehends.

Erst 1996 übernahm der promovierte Obstbauer Lindicke auf Bitten der Stadtverordneten von Werder die von Pilzen und Krankheiten schwer mitgenommenen Rebstöcke. In den Folgejahren hat Lindicke den Weinberg einer Kur unterzogen und mittlerweile auch in wirtschaftliches Fahrwasser gebracht.

„Mit 30 000 Stöcken bringen wir etwa 60 Tonnen Trauben pro Jahr vom Berg. Das entspricht etwa 60 000 Flaschen Wein. Damit ist das Ertragspotenzial nahezu ausgeschöpft“, sagt Lindicke. Abnehmer für seine prämierten Qualitätsweine, die in Bad Kösen in Sachsen-Anhalt abgefüllt werden, sind örtliche Supermärkte, Gastronomen und Gäste des Wachtelbergs. Künftig will Lindicke seine Produkte auch nach Potsdam und Berlin bringen.

Noch ganz am Anfang einer Weinbautradition steht man hingegen in Baruth. Am dortigen Mühlenberg haben die Mitglieder des Instituts zur Entwicklung des ländlichen Raumes (I-KU) seit dem vorigen Jahr den jüngsten Weinberg Brandenburgs angelegt.

„Auf der Südseite des Berges besitzen wir bereits 1340 Rebstöcke“, sagt Ragna Haselhoff. Entschieden haben sich die elf Mitglieder des Vereins für die robusten Sorten Johanniter, Helios und Solaris. Schließlich soll der Baruther Wein ohne chemische Bearbeitung später als Bioware angeboten werden.
Mit dem ersten eigenen Wein rechnet der Verein frühestens 2009. „Vielleicht ernten wir dann ja schon verwertbare Mengen“, hofft Ragna Haselhoff. Trotz fehlenden Weins aus eigener Produktion gibt es hier Ende September bereits das zweite Weinfest. Die wenigen Trauben vom Mühlenberg liegen dann zum Naschen auf den Tischen.

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