Weil ein Schüler Geld verdiente, muss seine Mutter zahlen

Robert (15) und Annett Kreissl ärgern sich, weil Robert mehr als die Hälfte des Ferienverdienstes an die Arge zahlen muss. Foto: Malte Behnk
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Robert (15) und Annett Kreissl ärgern sich, weil Robert mehr als die Hälfte des Ferienverdienstes an die Arge zahlen muss. Foto: Malte Behnk

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09. Mai 2008, 07:08 Uhr

Gadebusch - Annett Kreissl ist allein erziehende Mutter und findet in ihrem Beruf als Anlagenfahrerin in der Lebensmitteltechnik keine Stelle. Sie bezieht Arbeitslosengeld II. Damit schafft sie es auch, für sich und ihren 15-jährigen Sohn Robert zu sorgen. Doch der Junge macht im nächsten Jahr seinen Schulabschluss und möchte in der Nähe von Stuttgart eine Ausbildung machen, wo sein Vater lebt.

Dann soll auch bald der Führerschein begonnen werden, und dafür hat Robert bereits in den vergangenen Sommerferien in dem Betrieb gearbeitet, in dem er auch lernen möchte. 300 Euro hat sich der Schüler dort verdient und alles ordentlich auf Lohnsteuerkarte abgerechnet. Doch das wurde ihm und seiner Mutter zum Verhängnis.

„Ich wollte das Geld für den Führerschein sparen“
Robert erhielt Post von der Arge mit der Überschrift „Überschneidung des Leistungsbezuges mit einer Beschäftigung“. Der Mitarbeiterin der Arge war bekannt geworden, dass Robert in den Ferien gearbeitet hatte, das zeigte ja seine Lohnsteuerkarte. Mit 300 Euro hatte er den geltenden Freibetrag überschritten, der nicht auf das ALG II angerechnet wird. „Der liegt in diesem Fall bei 100 Euro“, erklärt die stellvertretende Arge-Leiterin Annerose Viehstaedt.

Darüber sind Annett Kreissl und ihr Sohn sauer. „Ich fand das ganz schön blöd, schließlich wollte ich das Geld für den Führerschein sparen“, sagt Robert, der weiß, dass seine Mutter ihm das Geld dafür nicht geben könnte. „Selbst sein Klassenlehrer war ganz entsetzt, als er das gehört hat“, berichtet Annett Kreissl. Doch ihr Sohn hat schon einen neuen Plan. Auch in den kommenden Sommerferien möchte er sich 300 Euro verdienen. Wieder im Betrieb bei Stuttgart, wenn er seinen Vater besucht.

Allerdings wird Robert doppelt so lange arbeiten, als er eigentlich müsste. Denn etwa die Hälfte seines Lohnes – er wird wieder über dem Freibetrag liegen – muss vom ALG II seiner Mutter an die Arge zurück gezahlt werden. „Vielmehr wird mir das Geld für einen Monat gestrichen und er gibt mir die Hälfte seines Verdienstes für den Lebensunterhalt“, erklärt Annett Kreissl die Situation.

Sie ist froh, dass Robert sich so intensiv um seine Ausbildung kümmert und Spaß an der Arbeit hat. Die Gesetzeslage findet sie aber zu undurchsichtig für betroffene Familien und auch nicht fair gegenüber den Jugendlichen. „Einerseits wird geschimpft, dass die Jugend faul sei und wenn sich einer bemüht, wird ihm sein Verdienst von der Arge gekürzt“, sagt die Mutter. Sie habe bisher auch nichts in ihren Unterlagen zum Arbeitslosengeld II finden können, das ihr erklären würde, wieviel von ihren Bezügen als Taschengeld für Robert zu verwenden sind.

Der Junge gibt nicht auf und arbeitet doppelt so viel
Auch Annerose Viehstaedt räumt ein, dass es trotz vieler Broschüren kaum Informationsmaterial gebe, das Jugendliche über die Möglichkeit zu jobben und den dabei einzuhaltenden Freibetrag informiert. Annett und Robert Kreissl haben sich nach der Rückforderung von 160 Euro allerdings genau zu diesem Thema beraten lassen, woraufhin sich Robert entschied, in diesem Sommer doppelt so viel zu arbeiten.

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