In der JVA Bützow trudeln Pakete für 350 Gefangene ein : Weihnachtsgrüße ins Gefängnis

Viel zu tun: Besucherbeauftragte Marion Harder und Pressechef Jens Kötz packen die Pakete für die Gefangenen, die die Post gerade  brachte, zusammen. Evelyn bubber-Menzel
Viel zu tun: Besucherbeauftragte Marion Harder und Pressechef Jens Kötz packen die Pakete für die Gefangenen, die die Post gerade brachte, zusammen. Evelyn bubber-Menzel

Dreimal täglich kommt in diesen Tagen das Postauto zur JVA Bützow. Es bringt Pakete von Angehörigen und Freunden der Gefangenen, mit denen diesen zum Fest eine Freude gemacht werden soll.

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22. Dezember 2010, 11:30 Uhr

Etwa 500 Gefangene werden in der JVA Bützow das Weihnachtsfest 2010 hinter Gittern verbringen, darunter 33 Frauen. "Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in den Justizvollzugsanstalten unseres Landes sorgen auf vielfältige Weise dafür, dass jeder Gefangene die Chance erhält, Weihnachten würdig zu feiern", sagt Uta-Maria Kuder (CDU), Justizministerin von MV. Auch in der JVA Bützow fehlen geschmückte und beleuchtete Weihnachtsbäume nicht, um trotz der notwendigen Sicherungseinrichtungen wie Gitter und Stahltüren eine festliche Atmosphäre zu schaffen. Auch eine Weihnachtsfeier in der Anstalt mit Posaunenmusik sowie Kaffee und Kuchen, an der nach vorheriger Prüfung auch Angehörige teilnehmen konnten, gab es.

Seelsorger haben für Sorgen und Nöte offenes Ohr

Sogar zwei Weihnachtskrippen stehen im Haupthaus der JVA Bützow. "Sie wurden einst von einem Gefangenen geschnitzt", sagt Anstaltspastor Friedemann Preuß, der gestern zusammen mit Bruder Gabriel in der Haftanstalt den Kirchenraum für die ökumenischen Gottesdienste zum Fest schmückte. "Allein am Heiligabend finden drei Gottesdienste für die Gefangenen statt. Insgesamt sind es in der Weihnachtswoche sieben", sagt Jens Kötz, Pressesprecher in der JVA Bützow. Man wisse, dass gerade Weihnachten eine hochsensible Zeit auch für die Gefangenen sei, betont er. "Wir legen Wert darauf, dass Weihnachten auch in unserer Anstalt besonders friedvoll ist", sagt Kötz. "Seelsorger, Psychologen und Sozialarbeiter stehen den Gefangenen gerade an den Feiertagen für Gespräche zur Verfügung", betont Ministerin Kuder.

Auch Freizeitangebote wie Spiel- und Sportturniere helfen den Gefangenen über diese Zeit hinweg.

Und natürlich die Pakete und Besuche von ihren Angehörigen. "Jeder Gefangene kann im Monat bis zu drei Stunden Besuch empfangen", sagt Jens Kötz. Ge- rade in der Vorweihnachtszeit werde diese Möglichkeit viel genutzt, sodass die Besucherräume kaum ausreichen, stellt er fest. Den Besuchern, die sich vorher anmelden müssen, werden deshalb die Besuchszeiten zugeteilt.

Freude für die Inhaftierten, gleichzeitig aber auch viel Arbeit für die Mitarbeiter der JVA bringt die Paketflut in den letzten Tagen mit sich. "In dieser Zeit kommen bei uns immer so an die 350 Pakete an. Nach tiefgründiger Sicherheitskontrolle werden diese den Gefangenen übergeben", so Kötz. Das Paket, das bis zu fünf Kilogramm schwer sein darf, werde geröntgt und im Beisein des Gefangenen geöffnet und genau kontrolliert, bevor es dem Adressaten übergeben wird. Doch nur 350 Gefangene können sich über so eine Aufmerksamkeit von ihren Angehörigen freuen, 150 Inhaftierten bleibt so eine Freude zum Fest versagt. Gerade das habe man im Blick, sagt Jens Kötz. Für bedürftige Gefangene, die keinen Kontakt mehr zu ihren Familien haben, verteilen die Vertreter der Anstaltsbeiräte und Anstaltsleitung oder die Gefängnisseelsorger kleine Weihnachtspakete.

"Wir haben ein umfangreiches Angebot an Seelsorge gerade in der Weihnachtszeit", sagt Pastor Friedemann Preuß, der schon seit 12 Jahren evangelischer Anstaltsseelsorger ist. Ihm zur Seite steht seit 1. Dezember der Franziskanermönch Bruder Gabriel aus Waren/Müritz, der von der katholischen Kirche beauftragter Seelsorger für die Justizvollzugsanstalten Neustrelitz, Neubrandenburg und nun auch Bützow ist. Sie beide haben für die Sorgen und Nöte und vielleicht auch für so manchen Gedanken der Reue, der den einen oder anderen gerade in diesen Tagen überkommen mag, ein offenes Ohr.

Möglichst keine Strafen während der Festtage

Zum weihnachtlichen Frieden gehört auch noch etwas anderes: "Wenn ein Gefangener wegen eines Vergehens zu einer Disziplinarstrafe verurteilt wurde, wird diese bis nach den Festtagen hinaus gezögert", sagt Jens Kötz. So sollen besondere Härten während des Festes vermieden werden. Möglich seien bei kleineren Delikten zum Beispiel das vorübergehende Einziehen von Gegenständen für die Freizeitbeschäftigung oder bei schwerwiegenderen Delikten wie Körperverletzung auch mal eine Arreststrafe.

Auch der Speiseplan in der JVA trägt den Festtagen Rechnung: Am 25. Dezember gibt es Entenkeule, Rotkohl und Eis.

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